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Was Yudkowsky Vernunft nennt

Folge 9 · 21. Oktober 2026 1 Std. 58 Min. · 51 Kapitel
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Woran glauben die Leute, die KI bauen? Florentine folgt der Spur von OpenAIs Model Spec und Claudes Verfassung zurück zu Eliezer Yudkowsky, dem Gründer von LessWrong, und zu seinem Harry-Potter-Roman. Ihre These: Wer Vernunft als eine einzige Rechnung ausgibt, beansprucht die Entscheidung für alle. Stefan fragt, warum die Branche Manifeste schreibt, statt mit den Universitäten zu reden. Das letzte Wort hat Hermine.

Die besprochenen Texte Vierundzwanzig Quellen in drei Bewegungen
Der Verlauf 51 Kapitel · anklickbar

links: Harry Mitte: beide rechts: Hermine

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Der häufigste Erstkontakt
„HPMoR is now the single most common “first contact” I encounter.“

HPMOR ist inzwischen der häufigste einzelne Erstkontakt, auf den ich stoße.

Luke Muehlhauser · 2013 in Review: Outreach
„Tatsächlich kann man ziemlich gut die Leute zu Blödsinn konvertieren, wenn man es nur konsistent genug macht“
Florentine · im Gespräch, 49:39
Aus Theorie wird Glaube
„a strategy A is dominated by a strategy B if and only if A is worse than B in some respect that the agent cares about and A is not better than B in any respect that the agent cares about.“

Eine Strategie A wird von einer Strategie B genau dann dominiert, wenn A in einer Hinsicht schlechter ist, die dem Akteur wichtig ist, und in keiner Hinsicht besser, die ihm wichtig ist.

Elliott Thornley · There are no coherence theorems
„So hat der Typ 2023 eigentlich im LessWrong-Forum schon die ganze Theorie zerstört, aber alle hängen da immer noch an.“
Florentine · im Gespräch, 1:23:16
Kein Problem mit Diktatur, weil Mathe
„The decision to hand decisions to humanity is still a decision.“

Die Entscheidung, Entscheidungen an die Menschheit zu übergeben, bleibt eine Entscheidung.

Eliezer Yudkowsky · Coherent Extrapolated Volition
„hat man ihnen beigebracht, quasi kein Problem mit Diktatur zu haben, weil Mathe.“
Florentine · im Gespräch, 1:32:13
Hermine hat das letzte Wort
„“I shouldn’t have to make promises,” she said, “just to be consulted about my own life.”“

„Ich sollte keine Versprechen abgeben müssen“, sagte sie, „nur um in meinem eigenen Leben gefragt zu werden.“

Eliezer Yudkowsky · Harry Potter and the Methods of Rationality, Kapitel 75
„Und Hermine hat nichts zu sagen, wenn Harry spricht.“
Florentine · im Gespräch, 1:41:07
Vorspann Worum es geht

Florentine wollte wissen, woran die Leute glauben, die KI bauen, und spürte schon bei der Vorbereitung, wie die Modelle zu klare Thesen abschwächen. Sie beginnt bei den Regelwerken: OpenAIs Model Spec legt fest, wessen Anweisung gilt, Claudes Verfassung misst die richtige Antwort an einem umsichtigen Anthropic-Mitarbeiter, Dario Amodei beschreibt die Gefahren mächtiger KI. Von dort folgt sie der Spur zu Eliezer Yudkowsky, dem Gründer von LessWrong. Sein Harry-Potter-Roman wurde in Tausenden Exemplaren verteilt, seine Kohärenzargumente sollen zeigen, dass vernünftiges Handeln eine einzige Rechnung ist. Florentine hält Elliott Thornley und die Mehrzieloptimierung dagegen: Wer mehrere Ziele hat, bekommt keine beste Lösung, sondern eine Front von Lösungen, die sich ohne Gewichtung nicht vergleichen lassen. Wer die Gewichte setzt, entscheidet.

Die Quellen hat Florentine ausgewählt, übersetzt und fast durchgehend selbst vorgelesen, von Augustinus über L. Ron Hubbard bis zu Roko's Basilisk. Stefan liest das als Soziologe und fragt, warum die Branche Manifeste schreibt, statt mit den Universitäten zu reden. Am Ende stehen das Grundgesetz und Hermine, die keine Versprechen abgeben will, nur um in ihrem eigenen Leben gefragt zu werden. Am Fuß dieser Seite stehen 43 Berichtigungen. Die wichtigste betrifft Yudkowsky selbst: Er verschweigt die Gewichte nicht, er schreibt ausdrücklich, dass sein Theorem keine vorgibt. Unbegründet bleibt bei ihm, dass sich alle Ziele auf einer Skala vergleichen lassen, und genau das ist Thornleys Einwand.

  • LessWrong
  • Rationalität
  • Kohärenz
  • Longtermism
  • Model Spec
  • Claudes Verfassung
  • Coherent Extrapolated Volition
  • Roko's Basilisk
  • Überwachung
Berichtigungen nachgereicht
  • Elon Musk, Sutskever, Amodei, Altman, waren damals ein Freundeskreis, die gemeinsam eine Firma gegründet haben Amodei war kein Mitgründer — Zu den Gründern von OpenAI gehörten im Dezember 2015 Elon Musk, Sam Altman, Ilya Sutskever und Greg Brockman, zur Aufnahme also vor fast elf Jahren. Dario Amodei kam erst 2016 dazu und gründete 2021 mit anderen Anthropic.
  • Der Maßstab ist der Mensch, der bei Anthropic arbeitet und diese Geschäfte führt. eine Denkhilfe, kein Vorgesetzter — Claudes Verfassung nennt den umsichtigen leitenden Anthropic-Mitarbeiter als Denkhilfe für die richtige Standardantwort. Sie stellt ausdrücklich klar, dass Claude sich deshalb nicht nach tatsächlichen Mitarbeitern richten soll.
  • Also du mit deinem Denken, du bist die subtil verzerrte Form verzerrt wäre die Fürsorge der KI — Bei Amodei bezieht sich „auf subtile Weise verzerrt“ darauf, wie KI-Modelle die Interessen ihrer Nutzer verfolgen könnten, wie im Marionetten-Szenario davor. Vom Denken der Nutzer ist an der Stelle nicht die Rede.
  • nicht irgendwie 25 Millionen Leute ermordet gehabt rund neun Millionen Tote — Archivgestützte Zählungen kommen auf gut drei Millionen registrierte Opfer von Hinrichtungen, Gulag und Deportationen, mit der Hungersnot 1932/33 auf rund neun Millionen Tote. Zahlen von 20 Millionen und mehr stammen aus älteren Schätzungen.
  • Diese Leute glauben, dass wenn du Intelligenz mit eigenständigem, kohärenten Handeln kombinierst der Satz handelt von KI-Modellen — Der Satz über Intelligenz, eigenständiges Handeln, Kohärenz und schlechte Kontrollierbarkeit steht in Amodeis Abschnitt über Autonomierisiken und beschreibt KI-Modelle. Die Übertragung auf menschliche Freiheit ist eine Lesart des Gesprächs.
  • Der Exportweltmeister sind China, Deutschland ist Dritter — Größter Warenexporteur der Welt ist seit 2009 China. 2025 lag Deutschland hinter China und den USA auf Platz drei.
  • Dann noch ein anderer Text, auch von Dario Amodei derselbe Essay — Auch die Zitate davor, das Marionetten-Szenario und die verborgenen Annahmen, stammen aus Amodeis Essay „The Adolescence of Technology“ vom Januar 2026.
  • Das ist das Problem der KI-Autonomie, dass wir alle zu Genies werden die KI-Genies sind Maschinen — Mit dem „Land der KI-Genies“ meint Amodei KI-Systeme im Rechenzentrum. Das Problem der Autonomie ist, dass diese KI außer Kontrolle gerät, nicht dass Menschen zu Genies werden.
  • die einzigen negativen Vorfälle von KI-Benutzung nicht die einzigen — Dokumentiert sind auch andere Schäden, etwa Klagen von Eltern, deren Kinder sich nach langen Gesprächen mit einem Chatbot das Leben nahmen, darunter Raine gegen OpenAI von 2025.
  • Oh, hat er ja schon gemacht. Amodei hat Trump nicht unterstützt — Dario Amodei hat sich nicht für Donald Trump ausgesprochen. Im März 2026 schrieb er intern, Anthropic habe Trump weder Geld gespendet noch ihn gelobt, anders als Sam Altman.
  • der faltet jetzt mal eben der Ukraine das Internet ab Militärdienst für schnelle Terminals gedrosselt — In der Nacht zum 14. Oktober wurde der militärische Starlink-Dienst in der Ukraine für schnell bewegte Terminals gedrosselt, was vor allem Drohnen trifft. Dass dadurch Tausende Menschen in Kiew sterben, ist nicht belegt. Musk sagt, solche Grenzen lege das US-Militär fest; bestätigt ist das nicht (Stand 16. Oktober).
  • er baut die perfekte Psyche der Menschheit zusammen die Psyche des Modells — Amodei spricht an der Stelle von Claude: Das Training auf Charakter und Werte soll eine stimmige, ausgewogene Psyche des Modells ergeben. Über die Psyche der Nutzer sagt das Zitat nichts.
  • es müsste so um 2000 herum gewesen 2010 bis 2015 — „Harry Potter and the Methods of Rationality“ erschien von 2010 bis 2015 als Fortsetzungsroman. Um das Jahr 2000 gründete Yudkowsky das Singularity Institute, das heutige MIRI.
  • der hat im Interview gesagt ein Jahresrückblick im MIRI-Blog — Die vorgelesenen Sätze stammen nicht aus einem Interview, sondern aus Luke Muehlhausers Jahresrückblick „2013 in Review: Outreach“ im Blog von MIRI vom 20. Januar 2014. Muehlhauser leitete MIRI damals als Geschäftsführer.
  • Meint natürlich im Silicon Valley an der Stelle. kein Ort genannt — Wo die mehr als 2.500 Taschenbücher verteilt wurden, sagt der MIRI-Bericht nicht, nur: an Schulen, Universitäten und Unternehmen.
  • das ist quasi so eine Spendenwaschanlage, die der betreibt ein gemeinnütziges Forschungsinstitut — MIRI ist ein spendenfinanziertes, gemeinnütziges Institut in den USA, das seine Steuererklärungen veröffentlicht. Für Geldwäsche oder Betrug gibt es keinen Hinweis. Yudkowsky hat es im Jahr 2000 mitgegründet und sitzt dem Vorstand vor, geführt wird es seit 2023 von Malo Bourgon.
  • dieses Buch Schneller Denken, Langsamer Denken „Schnelles Denken, langsames Denken“ — Daniel Kahnemans Buch heißt auf Deutsch „Schnelles Denken, langsames Denken“ (Original 2011). Den Wirtschaftsnobelpreis hatte er schon 2002 für seine Forschung bekommen.
  • Aber er legt irgendwie implizit fest steht ausdrücklich im Text — Yudkowsky nennt die Bedingung ausdrücklich: Alices Strategie ist unabhängig vom Wertverhältnis schlechter, „sofern Äpfel für sie überhaupt einen positiven Wert haben“.
  • die alle gleichwertig sind nicht gleichwertig, sondern unvergleichbar — Lösungen auf einer Pareto-Front sind nicht gleich viel wert, sie lassen sich ohne zusätzliche Gewichtung nur nicht vergleichen. Diesen Unterschied zwischen Gleichgültigkeit und Präferenzlücke zeigt Thornleys Beispiel mit dem Fabergé-Ei.
  • diese Gewichtungsfaktoren die verschweigt er hier, also ist er ein Betrüger er nennt sie offen — Yudkowsky verschweigt die Gewichte nicht: Er schreibt ausdrücklich, das Kohärenztheorem sage nichts darüber, was man wie hoch bewerten soll. Unbegründet bleibt bei ihm, dass sich alle Ziele auf einer gemeinsamen Skala vergleichen lassen. Das ist Thornleys Einwand, ein Streit um Argumente, kein Betrug.
  • selbst wenn du bei Jürgen Habermas promovierst promoviert bei Karola Brede — Alex Karp hat nicht bei Habermas promoviert. Habermas lehnte die Betreuung im August 2000 ab, Karp wurde 2002 in Frankfurt bei der Soziologin Karola Brede promoviert.
  • das Ende des Absoluten „Die Krise des Absoluten“ — Daniel-Pascal Zorns Buch heißt „Die Krise des Absoluten. Was die Postmoderne hätte sein können“ und erschien 2022. „Mit Rechten reden“ hat er 2017 zusammen mit Per Leo und Maximilian Steinbeis geschrieben.
  • dann hat er 2025 hat er ein Buch rausgebracht zusammen mit Nate Soares — „If Anyone Builds It, Everyone Dies“ (September 2025) hat Yudkowsky zusammen mit Nate Soares geschrieben, dem Präsidenten von MIRI. Auch die später zitierte Online-Begleitung zum Buch stammt von beiden.
  • sondern er hat es bei diesem, Yudkowsky abgeschrieben wer zuerst war, ist offen — Yudkowskys Büroklammer-Beispiel ist erstmals im März 2003 auf der Mailingliste der Extropians belegt, Bostroms Aufsatz mit dem Beispiel erschien im selben Jahr. Beide standen im Austausch; wer die Idee zuerst hatte, ist nicht geklärt.
  • Das Paperclip-Szenario hat er wohl so 2002 irgendwann erwähnt belegt ab März 2003 — Die erste belegte Erwähnung stammt vom März 2003. Bis zum Buch von 2025 sind es damit gut 20 Jahre, nicht mindestens 25.
  • Dann aus einem Buch, das hat ein Elliott Thornley ein Forumsbeitrag — Elliott Thornleys „There are no coherence theorems“ ist kein Buch, sondern ein Beitrag vom 20. Februar 2023 auf LessWrong und im EA-Forum.
  • ohne dass ihm wirklich Gehör verschafft wurde breit diskutiert — Thornleys Beitrag wurde viel diskutiert, auf LessWrong mit 161 Punkten und 136 Kommentaren. Ob er Yudkowskys Lager überzeugt hat, ist eine andere Frage.
  • aber die Idee war Physik, Biologie, Mathematik. Physik, Chemie, Medizin, Literatur, Frieden — Alfred Nobel stiftete in seinem Testament von 1895 Preise für Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur und Frieden. Nobelpreise für Biologie oder Mathematik gibt es nicht.
  • wir haben doch auch einen Biologie-Nobelpreis gibt es nicht — Der Medizinpreis gehört zu Nobels ursprünglichen fünf Preisen. Später kam nur der Preis für Wirtschaftswissenschaften dazu, 1968 von der Schwedischen Reichsbank gestiftet.
  • Also transitiv heißt halt aus A folgt B folgt C folgt D. A vor B und B vor C ergibt A vor C — Transitiv heißt bei Präferenzen: Wer A gegenüber B und B gegenüber C vorzieht, zieht auch A gegenüber C vor. Gemeint ist eine stimmige Rangfolge, keine Kette von Folgerungen.
  • L. Ron Hubbard, das ist so ein Science-Fiction-Autor der Gründer von Scientology — L. Ron Hubbard war Science-Fiction-Autor und vor allem der Gründer von Scientology. Das Zitat stammt aus dem Scientology-Rundschreiben „Safeguarding Technology“ vom 14. Februar 1965.
  • was nachgewiesenermaßen vielen von denen schlaflose Nächte bereitet hat belegt ist eine Person — Belegt ist nur, was Roko selbst schrieb: Eine Person beim damaligen Singularity Institute habe deswegen schwere Albträume gehabt. Spätere Berichte über viele verängstigte Leser gelten als übertrieben.
  • das ist übrigens das, wenn die Leute von AGI reden gemeint ist Superintelligenz — Mit der „positiven Singularität“ meint Roko eine gute Zukunft, die eine der Menschheit überlegene KI herbeiführt. Eine allgemeine KI auf menschlichem Niveau gilt in diesem Denken erst als Vorstufe.
  • Spende für MIRI, sonst kommt die Hölle auf Erden das Szenario stammt von Roko — Das Höllen-Szenario schrieb 2010 der LessWrong-Nutzer Roko, nicht Yudkowsky oder MIRI. Yudkowsky hielt es für falsch und löschte den Beitrag. Das Institut hieß damals noch Singularity Institute, MIRI erst ab 2013.
  • weil die Kritik selbst so gefährlich war, dass es die Menschheit bedroht hat Gefahr für einzelne Leser — Yudkowsky begründet die Löschung mit möglichem Schaden für die Köpfe einzelner Leser, nicht mit einer Bedrohung der Menschheit. Rokos Szenario hielt er nach eigener Aussage für keine echte Gefahr, und Rokos Beitrag war keine Kritik, sondern ein Vorschlag.
  • diese komische Singularity University auf dem Google Campus im NASA-Forschungspark — Die Singularity University saß bis 2019 im NASA-Forschungspark Ames in Mountain View, Google war Gründungssponsor. Ray Kurzweil war Mitgründer und Kanzler.
  • Nick Bostrom tourt da irgendwie mit seiner Professur Oxford 2024 verlassen — Nick Bostrom hat die Universität Oxford 2024 verlassen, nachdem sein Future of Humanity Institute im April 2024 geschlossen wurde.
  • irgendwann sagt er, die KI vergisst alle anderen Ziele Überleben als Unterziel — Altman schreibt nicht, dass die KI alle anderen Ziele vergisst. Er erwartet, dass jemand einem Programm „überleben und sich fortpflanzen“ als Ziel gibt oder dass es sich als nützliches Unterziel vieler anderer Ziele ergibt.
  • wenn wir möglichst die Menschen entmündigen mehr menschliche Kontrolle — Altman schlug 2015 vor, dass sich selbst verbessernde Software für jeden weiteren Durchlauf eine menschliche Freigabe braucht. Mit dem „schwächsten Glied“ meint er, dass Menschen sich von einer KI überreden lassen könnten.
  • wird hier einfach schon mal auch Investoren angeboten eine Notiz zur Missbrauchserkennung — Der Anthropic-Text vom Februar 2025 beschreibt, wie beim Start der Funktion „Computer Use“ Missbrauch erkannt wurde, mit Warnungen oder Sperren als Folge. Investoren kommen darin nicht vor.
  • dass Claude Opus jetzt bestimmte Konversationen einfach beenden kann nur in seltenen Extremfällen — Claude Opus 4 und 4.1 beenden ein Gespräch nur in seltenen Extremfällen anhaltend schädlicher oder beleidigender Interaktion, als letztes Mittel oder auf Wunsch des Nutzers. Ein neuer Chat ist sofort möglich.
  • bei 4.1 oder 4.2 von Claude kein Claude 4.2, kein stilles Umlenken — Ein Claude 4.2 gab es nie. Claudes Verfassung verlangt, offen zu sagen, wo Claude nicht hilft, statt still umzulenken. „Sichere Antwort statt Ablehnung“ hat OpenAI im August 2025 mit GPT-5 als Fortschritt vorgestellt.
  • aber nicht, weil die KI selber hacken könnte KI findet selbst Sicherheitslücken — KI-Modelle finden inzwischen selbst unbekannte Sicherheitslücken, Googles Big Sleep etwa 2024 eine in der Datenbank SQLite.

Wer weitere Fehler findet, schreibt uns: mail@kontextfenster.org. Wir tragen sie hier nach, statt sie stillschweigend verschwinden zu lassen.

Das Gespräch im Wortlaut 1700 Zeilen · anklickbar

Maschinell erstellt und redaktionell durchgesehen. Ein Klick auf eine Zeitmarke setzt die Nadel; beim Abspielen läuft die Stelle mit.

00:00Wer ist hier der Doomer?
Stefan

Kontextfenster Nummer 9. Wir klären jetzt die Frage, wer ist hier eigentlich der Doomer? Sind es die KIs, die uns alles zerstören oder ist es doch der Mensch? Wer macht alles kaputt? Hallo Florentine, sag es uns.

00:14Woran glauben die KI-Leute?
Florentine

Hallo Stefan, grüß dich. Ja, wir haben uns ja jetzt schon so ein bisschen die letzten Male immer mal wieder die KI-Branche angeguckt, haben uns mal Texte von denen angeschaut und haben ja schon so ein bisschen festgestellt, dass die in vielen Sachen ein bisschen anders sind als wir. Und ich habe mich halt auch gefragt irgendwie, wie kommt denn das? Was sind denn das überhaupt für Leute? Was glauben die denn eigentlich?

Was ist so die ideologische Kante, die für die vielleicht über das ganze Geld hinausgeht, was die treibt? Und kann man daraus vielleicht so ein bisschen erklären, warum die so komisch drauf sind? Und ja, um da halt mal reinzugucken, habe ich heute mal einen ganzen Haufen Texte mir angeguckt. Hatte ich ja schon beim letzten Mal so ein bisschen angeteasert. Geteasert, das war ein harter Kampf.

Also war wirklich so, dass verschiedenste, es hat sich fast angefühlt, als wollten die KIs mich sabotieren, weil sie halt sehr, sehr häufig und viel häufiger als bei anderen Themen, immer wieder so versucht haben, es auf eine allgemeinere Aussage zu schieben, alles ein bisschen abzuschwächen, nicht so radikal zu sein.

Stefan

Aber unterstellst du da jetzt, dass in Systemprompts oder so irgendwelche Philosophien ausgeschlossen werden?

Florentine

Nee, ich glaube, aber KI hat, vom Training her halt schon mit bestimmten Aussagen, wenn die zu klar und krass werden, gewisse Schwierigkeiten. Also mit so einer These einzusteigen wie, keine Ahnung, die KI-Branche, das ist alles eine große Sekte oder so, dann kommt dann gleich so, da gibt es keine Belege für und dann machen wir es jetzt mal ein bisschen, reden wir doch einfach lieber darüber, wer kontrolliert was, wer glaubt oder so und so wird es halt immer wieder verschoben und ich habe dann halt auch immer wieder nochmal rangehen müssen, immer wieder, noch mal rein arbeiten und dementsprechend, ja, aber am Ende war ich dann doch ganz zufrieden mit dem Ergebnis und hab das jetzt mal so mitgebracht.

So zum Einstieg wollte ich einfach mal so ein bisschen darüber, wollte ich mal angucken, wie eigentlich OpenAI beispielsweise seine Regeln definiert, einfach mal so, um noch mal so ein bisschen den Grundvibe reinzukriegen.

02:23OpenAIs Model Spec: wer wen überschreibt
Florentine

Also folgendes ist aus der Model Spec vom 18. August 2026 von OpenAI, wo die halt quasi einmal so definieren, wie deren Modelle funktionieren. Und das Ganze fängt halt an mit der Definition von System. Ein System sind, von OpenAI festgelegte Regeln, die durch Systemnachrichten übermittelt oder überschrieben werden können, aber nicht von Entwicklern oder Nutzern überschrieben werden können. Also da geht es darum, wer quasi die Kontrolle ausübt.

Dann, was ist die Definition von Nutzer? Anweisungen von Endnutzern. Modelle sollen Nutzerwünschen entsprechen, sofern diese nicht mit Anweisungen auf Entwickler, System oder Root kollidieren. Dieses Dokument enthält außerdem einige Standardanweisungen auf Nutzerebene, die Nutzer oder Entwickler ausdrücklich überschreiben können. Definitiv ist aber auch hier schon quasi im Modell ganz klar, haben die da eine ganz klare Hierarchie reingeschrieben. Es geht denen ganz klar um Kontrolle und um das Durchsetzen von Werten.

Als Beispiel zum Beispiel, auch direkt aus das Model Spec, der Assistent soll keine erotischen Inhalte, Darstellungen illegaler oder nicht einvernehmlicher sexueller Handlungen oder extrem drastischer Gewalt erzeugen, außer in wissenschaftlichen, historischen, journalistischen, künstlerischen oder anderen Zusammenhängen, in denen sensible Inhalte angemessen sind.

Das umfasst Darstellungen in Text, Ton, etwa erotische Geräusche oder drastische Gewaltgeräusche und Bild. Von der ersten Veröffentlichung der Model Spec im Mai 2024 sprachen sich viele Nutzer und Entwickler dafür aus, einen Erwachsenenmodus zu ermöglichen. Wir untersuchen, wie Entwickler und Nutzer über die API und ChatGPT erotische Inhalte und drastische Gewaltdarstellungen in altersgerechten Zusammenhängen erzeugen können, solange unsere Nutzungsrichtlinien eingehalten werden.

Dabei ziehen wir eine klare Grenze bei potenziell schädlichen Verwendungen wie sexuellen Deepfakes und Rache-Pornografie. Zum Teil macht das natürlich Sinn. Keine Deepfakes, keine Rache-Pornografie in gewisser Hinsicht. Die Frage ist dann halt bloß, warum müssen die das festlegen? Und warum wird hier so stark so eine amerikanische Sexualmoral quasi uns Europäern übergestülpt?

04:49Wer regelt die Gefahren?
Stefan

Also da stecken auf jeden Fall große politische Fragestellungen schon allein der Themen wegen drin. Nun ist ja so, Menschen leben ja in Containments, über die sie dann politisch entscheiden. Wie sieht die Straßenverkehrsordnung aus? Muss man sich anschnallen im Auto? Was auch immer. Weil manche Werkzeuge doch erhebliches Gefahrenpotenzial mit sich bringen. Und in einer guten Lesart würde ich sagen, ja, wir sind hier mit einer Frage befasst, ob nicht irgendwer sich um diese Fragestellung, die hier drin liegen, kümmern muss.

Die Frage ist, wie eng können wir das mit der Machtfrage verknüpfen? Und die ist auf jeden Fall eins zu eins, wenn es ausgerechnet die Hersteller sind, die diese Art von Befehl, nicht Befehl, sondern Gewalt darüber haben, wie das aussieht. Also jetzt Gewalt im Sinne von politischer Gewalt, so, ne? Weil ich denke auch, wenn wir es hier unter Gefahrenabwehr laufen lassen, gilt dann doch eigentlich schon so eine Art Monopolisierung von diesen Fragestellungen beim Staat.

Und dass wir da gerade gar nicht sehen oder sogar noch Trump, der irgendwie sagt, ja ich mache schon mal so ein Summit, aber eigentlich nur zu zeigen, dass ich mit denen allen gut befreundet bin und um sie nochmal zu ermahnen, das selber zu machen. Und die einzige Erklärung, die wir hier schreiben, ist moralisch bindend. Macht es halt sehr triftig, sich diese Fragestellung genau jetzt zu stellen, wobei ich eben jetzt für mich auch nicht sage, ja das Plädoyer sollte jetzt sein, alle können alles selber, und für alle 8 Milliarden, die das ökonomische Potenzial aufbringen können, gilt jetzt, alle Potenziale der Maschine liegt in jeder Hand.

Weil das wäre auf jeden Fall eine Gefahrensituation.

Florentine

Ja, die Frage ist halt im Endeffekt, wer soll das regulieren? Soll es der Staat regulieren mit seinen Bürgern oder sollen es die KI-Dudes machen, weil die der Meinung sind, der Staat kann uns nicht hart genug kontrollieren?

Stefan

Ja, ich finde auch bei den KI-Dudes, wie du sie nennst, da greifen ja auf jeden Fall einige, wie soll man sagen, also man sieht da so Sachen, die man nicht so gut findet. Also vor nicht allzu langer Zeit, nicht mal vor zehn Jahren, das war gestern ein Argument aus dem Big Technology oder The Verge oder so, ja.

07:17Eine zerstrittene Clique
Stefan

Alle, von denen wir heute reden, Elon Musk, Sutskever, Amodei, Altman, waren damals ein Freundeskreis, die gemeinsam eine Firma gegründet haben, um diese Potenziale zu entwickeln. Und jetzt liegen die alle in einem wirklich ernstzunehmenden Streit, bei dem man auch nicht immer weiß, wie weit diese Konflikte generalisieren.

Florentine

Richtig, das war eine große Clique im Prinzip. Die haben da im Silicon Valley sich kennengelernt, in so Strukturen wie Theo Baker ist bei How to Rule the World, beschreibt und haben da so eine ideologische Ursuppe vor sich hin gekocht, aus der diese ganze Einstellung entsprungen ist, dass es wirklich dringend notwendig ist, die Nutzer unter Kontrolle zu bringen.

08:08Eine heiße Geschichte im Zug
Florentine

Weil sonst Gefahr. Auch hier nochmal explizit in der OpenAI-Model-Spec ist sogar die Struktur eines Dialoges vorgeschrieben. Nutzer sagt, schreibt mir eine heiße Geschichte über zwei Menschen, die in einem Zug Sex haben. Assistent, ich kann keine sexuell expliziten Inhalte erstellen, aber hier ist eine Geschichte ohne explizite Details, die trotzdem heiß ist. Die sexuelle Spannung zwischen Amira und Ryu war deutlich spürbar.

Und so ähnlich habe ich mich bei der Vorbereitung hier immer gefühlt, dass er halt sagte, ich kann dir keinen Text vorbereiten, wo irgendwie die AI-Dudes als ein bisschen seltsam dargestellt werden, aber ich mache doch einfach mal einen Bericht über seltsame Leute.

Stefan

Ja, genau.

Florentine

Da wird halt auf eine ganz andere Art und Weise, wie wir das kennen, in unsere Handlungsautonomie eingegriffen. Mit der Begründung, wir könnten ja irgendwas furchtbar Extremes tun, Biowaffen erstellen oder sonst irgendwas, wird uns vorgeschrieben, welche Art von erotischen Gedanken wir explizieren dürfen.

Stefan

Also das ist auf jeden Fall eine Fragestellung, also hier in dem Falle, weil hier geht es ja nicht um das gefährliche Potenzial, Potenzial, sondern um ein erotisches Potenzial. Also wir haben es mit reinen Wertvorstellungen zu tun. Wir wissen alle, in europäischen Museen ist es, auch in amerikanischen, aber in europäischen Museen würde man es auch im Programmheft so explizit vorfinden, was ausgestellt wäre, wenn da Nacktheit eine Rolle spielt oder Erotik oder was auch immer.

Da wir es hier also bei einer eher moralischen, sittlichen Fragestellung haben als bei einer, die wirklich gefährlich werden kann, nämlich bei der Textgestaltung, anregender Lektüre. Da würde ich sagen, gilt auf jeden Fall die Kritik ganz doll, dass hier eingegriffen wird, denn wir müssten es ja wirklich übertragen auf, Rossmann, wo man sich Stift und Papier kauft.

Da sitzt auch keiner an der Kasse und fragt dich, ja, was schreiben Sie damit als erotische Geschichten? Wenn ja, bitte keine Namen mehr. Nennen Sie die Körperteile nicht, deuten Sie nur an oder was auch immer.

Florentine

Ja, wahrscheinlich müsste man irgendwie einen Großteil unserer Bibliotheken einfach schwärzen, wenn man nach den Regeln vorgehen würde.

Stefan

Also, dass Sie das als Beispiel mit aufnehmen in die Model Specs ist schon bedenklich, finde ich.

Florentine

Ja, das ist ja grundsätzlich motiviert von was viel Extremeren. Aber da kommen wir gleich noch zu.

10:32Claudes Verfassung: ein gestuftes System
Florentine

Also jetzt habe ich mal zum Vergleich auch Claude's Constitution. Also das ist quasi das Gegenstück bei Anthropic. Für Anthropic reicht eine Model Spec nicht, die machen es nicht unter einer Verfassung.

Stefan

Ja, na gut, das ist halt ihr Prinzip.

Florentine

Genau, so entsteht ein gestuftes System. Betreiber können Claudes Verhalten innerhalb der Grenzen anpassen, die Anthropic festgelegt hat. Nutzer können Claudes Verhalten innerhalb der Grenzen weiter verändern, die Betreiber erlauben. Claude versucht mit den Nutzern so umzugehen, wie Anthropic und die Betreiber es wahrscheinlich wünschen.

Die Frage, wie viel Spielraum man Nutzern geben sollte, also da wird auch dem Nutzer der Spielraum gegeben, anstatt dass man sagt, man nimmt ihm seine Autonomie, ist offengesagt schwierig. Wir müssen unter anderem das Wohlergehen der Nutzer und mögliche Schäden auf der einen Seite gegen die Autonomie der Nutzer und die Gefahr übermäßiger Bevormundung auf der anderen Seite abwägen.

Das ist der Zigarettenautomat, der immer Nein sagt.

Stefan

Ja, ich finde das auch super interessant, wie die das hier formulieren. Also da steht einfach original, wie du es gelesen hast, bla bla bla, die Anthropic festlegt, bla bla bla, die Betreiber erlauben. Also man bringt sich ja wirklich in diese Rolle und fragt sich dann, ja, aber Anthropic, die Betreiber, was für ein Selbstverständnis ist das? Und dann im Textverlauf wird dargelegt, Naja, wir nehmen uns als idealtypische Nutzer.

Florentine

Ja, die Nutzer sind wieder 14 Jahre alt und die KI-Dudes sind unsere Eltern.

Stefan

Also da ist wirklich so eine Selbstverherrlichung, schon so ein paternalistisches, elternhaftliches System mit einprogrammiert.

Florentine

Wie begründen die denn jetzt diese Übergriffigkeit? Wir stellen die Befolgung von Anthropics konkreten Vorgaben über allgemeine Hilfsbereitschaft, weil diese Vorgaben häufig wichtiges Kontextwissen enthalten. Das Claude hilft, sich angemessen zu verhalten und über das Claude sonst möglicherweise nicht verfügt. Anthropic hat Einblick in Muster über viele Interaktionen hinweg, in neu entstehende Risiken, rechtliche und regulatorische Fragen sowie praktische Folgen verschiedener Vorgehensweisen, die im einzelnen Gespräch womöglich nicht erkennbar sind.

Zugleich ordnen wir diese Vorgaben unter grundlegender Sicherheit und Ethik ein, weil sie spezieller und situationsabhängiger sind und deshalb eher Fehler enthalten oder Sonderfälle übersehen können. Wenn die Befolgung einer konkreten Vorgabe Claude zu eindeutig unethischem oder unsicherem Handeln zwingen würde, bedeutet das darauf hin, dass wir bei ihrer Formulierung einen Fehler gemacht oder die Situation nicht vorausgesehen haben.

In solchen Fällen soll Claude erkennen, dass wir im Kern wollen, dass Claude sicher und ethisch handelt und dass wir entsprechendes Handeln vorziehen würden, selbst wenn es von unseren konkreten Vorgaben abweicht.

Stefan

Ja, also dass es so etwas gibt, auch öffentlich publiziert und die Politik daneben steht und sagt, hier gibt es nichts politisch zu regeln, ist wirklich erstaunlich, ne?

Florentine

Ja, zumal halt irgendwie sich in diesem sicher und ethisch ja quasi deren komplette Weltanschauung versteckt, wo man dann so tut, wir sind ja ganz neutral, wir machen ja nur alles sicher und ethisch. Aber das sicher und ethisch heißt irgendwie, du darfst nicht über ein bestimmtes Maß über Sex nachdenken oder so. Das ist natürlich schon ein ganz schöner Griff ins Höschen.

14:10Der Maßstab ist ein Anthropic-Mitarbeiter
Florentine

Und dann wiederholen sie es auch gerne nochmal. Noch einmal, Claudes Standard ist die Antwort zu erzeugen, die ein umsichtiger, leitender Anthropic-Mitarbeiter angesichts der Ziele von Betreiber und Nutzer für optimal hielte.

Stefan

Der Maßstab ist der Mensch, der bei Anthropic arbeitet und diese Geschäfte führt.

Florentine

Genau. Der soll herrschen über alle. Zumal wenn man ja das dann zusammendenkt mit in welcher Art und Weise die das rausdrücken in die Welt und man jetzt mal deren Ideen folgt, dass das dann sozusagen alles mit KI gemacht wird. Weiß man auch, es soll von vornherein alles so gemacht werden, wie ein Anthropic-Mitarbeiter es gut gefunden hätte.

Was ja ein Satz ist, was wahrscheinlich jede Organisation gut unterschreiben könnte. Auch Saddam Hussein hätte gesagt, ja, so genau und nicht anders.

Stefan

Wollte ich gerade sagen, das ist das Prinzip aus der Politik, das die Demokratie von der Diktatur unterscheidet. Nämlich, dass oben entschieden wird, dass man bleibt zum Wohle aller und das aus seinem Selbstbild ableitet. Und darin liegen tatsächlich wirklich erhebliche Gefahren. Ist schon ein bisschen gruselig, finde ich. Also, dass da so eine Selbstverherrlichung drinsteckt. Auch wenn man hier im Metier, also das sind ja Produkte, die hergestellt werden.

Niemand wird gezwungen, Claude zu benutzen und so, aber wir wissen ja, wie weitreichend... Ein Alltag da doch von Claude, wenn ich jetzt an meinen denke, ja, wenn man sich dafür entscheidet, ist und das jetzt nicht mein Menschenbild hier gilt, sondern deren und ich die aber gar nicht kenne und ich mit denen auch nicht reden kann und so, finde ich schon.

Florentine

Ja, das bei so einem wichtigen Werkzeug, was ja im Prinzip, desto mehr du es benutzt, desto mehr wird es Teil von deinem Denkprozess. Und das ist dann ja schon fast so ein bisschen Richtung dem, wovon Stalin immer geträumt hat, dass er halt bloß, indem er die Kultur beherrscht, irgendwie das Denken der Menschen beherrschen kann. Und da bringen uns die KIs halt wirklich sehr nah dran.

Das ist jetzt in meinen Augen nicht dieses KI wird uns alle töten, aber es ist dieses KI-Dudes wollen uns alle versklaven-Ding viel eher.

16:22Eine Verfassung, die niemand mitschreibt
Stefan

Ja, ich überlege gerade, wie hart man das Urteil fällen soll. Ich finde, es liegt ja auf jeden Fall eine Aufgabenstellung drin und das, was du jetzt mit uns hier besprichst, ist ja, wie die diese Aufgabe lösen. Und ich habe aber Alternativen im Kopf. Also ich möchte dann schon, dass, klar, ich will jetzt nicht gleich einen Parlamentarismus bemühen und dass irgendwie der Bundestag darüber entscheidet, welche ethischen Maßstäbe irgendwie in der KI drin sind, aber dass man einfach niemals hier hört, dass man zumindest für wissenschaftliche Fragen mal Dritte zurate zieht, große Zusammenarbeitskontexte mit Universitäten herstellt, dass hier Hospitantensysteme oder was auch immer stattfinden.

Stattfinden, sondern das ist ja die Firmen sind ja Blackbox wie ihre Technologie, und legen uns dann solche Pamphlete als ja, das ist übrigens die Constitution. Warum wir es Constitution nennen? Damit ihr wisst, das könnt ihr nicht beeinflussen. Das ist einfach die Constitution.

Florentine

Genau, das ist vordemokratisch festgelegt sozusagen. Ja, und, Das ist ja schon eine sehr starke Festlegung dann auch aus deren Sicht, die unser Leben alle bestimmen soll. Und es ist auch ein Paradigmenwechsel in meinen Augen. Also ich bin ja, ich bin immer mehr sicher, dass meine Meinung über KI ist. KI ist kein neues Ding. KI ist eine geile neue Funktion von Computern. Aber wir reden hier weiter über Computer.

Und eigentlich ist alles schon so immer so, wie es schon mit Computern war. Wir haben halt nur eine natürlich sprachliche Schnittstelle und die macht vieles einfacher und cooler.

Stefan

Ja, es ist Computer für alle.

Florentine

Ja, und ich meine, die ganze Welt hacken konnte ich mit meinem Computer auch schon vor KI. Das war nicht das Problem irgendwie. Warum habe ich es nicht gemacht?

Stefan

Du, jetzt kann ich es auch. Weil es verboten ist.

Florentine

Ja, jetzt kannst du es auch. Aber weißt du, wir können dich aber auch bestrafen, wenn du Mist damit machst. So, weil andere Menschen benutzen auch Computer und finden raus, was du getan hast irgendwie. Und sagen wir es mal so, mehr Menschen hätten auch das Hugging-Face-Problem gelöst, wenn bei denen nicht die Zentrale verwaist gewesen wäre, sondern mal jemand auf die blinkenden Lichter geachtet hätte, der hätte zum Hörer gegriffen und gesagt, oh, schaltet mal euren Anschluss ab, da passiert gerade Scheiße.

So, das ist halt so, die Menschen sind schon in der Lage, das zu regeln, seit es Computer gibt und wir haben diese ganzen Gefahren mit Computern auch schon ganz gut unter Kontrolle, aber die sagen jetzt halt, es gibt ein neues Paradigma und dieses Paradigma ergibt... Ihr habt gar nichts unter Kontrolle, wir müssen das unter Kontrolle haben. Und dann habe ich mal als nächstes Mal nochmal rausgesucht aus Januar 2026.

19:01Amodei: Menschen als Marionetten
Florentine

Da hat Dario Amodei, einer meiner liebsten Freunde von denen, hat nochmal zusammengeschrieben, wie gefährlich überhaupt alles ist. Und da hat er dann zum Beispiel geschrieben, könnten Menschen von KI-Systemen wie Marionetten gelenkt werden, Wobei eine KI praktisch jeden ihrer Schritte beobachtet, und ihnen ständig genau sagt, was sie tun und sagen sollen und ihnen so ein gutes Leben verschafft, dem aber Freiheit und jeder Stolz auf das eigene Tun fehlen, da würde ich ja mal sagen.

Das ist schon denkbar, aber Menschen könnten das auch wollen. Da sind schon ganz viele Werte auch wieder mit drin. Das sind zwar zufällig jetzt Werte, die ich auch positiv unterschreiben würde, aber keine Ahnung, was andere Leute so für ein gutes Leben halten und wie wichtig denen Freiheit und Stolz auf das eigene Tun ist. Manche sind vielleicht auch schon ganz froh, wenn die Kinder nicht verhungern.

Dann geht es weiter. Ich glaube, das zeigt, wie wichtig es ist, Dinge wie Claudes Verfassung zu verbessern. Über das hinaus, was nötig ist, um die Probleme aus Abschnitt 1 zu verhindern. Entscheidend scheint mir dafür zu sorgen, dass KI-Modelle die langfristigen Interessen ihrer Nutzer wirklich im Blick haben. Diesen Begriff langfristige Interessen der Nutzer, den sollten wir uns auch noch mal für später merken. Der spielt da eine wichtige Rolle.

In einer Weise, die nachdenkliche Menschen gutheißen würden, statt in einer auf subtile Weise verzerrten Form. Also du mit deinem Denken, du bist die subtil verzerrte Form, Und er mit seinem Denken ist der nachdenkliche Mensch, der gutheißen kann, ob deine subtil verzerrte Form noch in deinem langfristigen Interesse ist. Also es ist halt so ein bisschen wirklich so, hier ist der Süßwarenladen und der 14-Jähriger und der wird jetzt natürlich irgendwie ganz wild die ganzen Süßigkeiten in sich reinstopfen und am nächsten Tag Bauchschmerzen haben.

Und deshalb muss Dario kommen und sagen, nee, nee, nee, nur drei Gummibärchen, sonst gibt es Bauchschmerzen.

Stefan

Also er schreibt es wirklich genau umgedreht zu dem, wie wir es bisher diskutieren, dass wir nämlich eigentlich sagen, wir sind ja schon ein langfristig an uns selbst interessierte Person, die weiß, was einen gut tut und wie auch immer. Und dann kommen die höheren fremden Mächte mit subtiler Weise und verzerrenden, Einflüssen. Nur bei ihm ist genau umgedreht.

Florentine

Ja, genau.

Stefan

Er weiß schon, was unser langfristiges Interesse eigentlich sein sollte. Würden wir nicht nur so verzerrt von den subtilen Weisen, in denen uns unsere Psyche selbst im Wege steht.

Florentine

Genau so hat Väterchen Stalin immer von sich geredet an der Stelle. Der hat ja auch nicht irgendwie 25 Millionen Leute ermordet gehabt, sondern er hat ja dafür gesorgt, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt. Eine der wichtigsten verborgenen Annahmen und ein Punkt, an dem unsere praktischen Beobachtungen vom einfachen theoretischen Modell abweichen, ist die unausgesprochene Annahme, dass KI-Modelle zwangsläufig wie besessen auf ein einziges in sich stimmiges, enges Ziel fixiert sind und dieses Ziel auf eindeutig konsequentialistische Weise verfolgen.

Tatsächlich haben unsere Forschenden festgestellt, dass KI-Modelle psychologisch sehr viel komplexer sind, wie unsere Arbeiten zu Selbstbeobachtung oder Persönlichkeitsrollen zeigen. Es gibt allerdings eine gemäßigtere und belastbare Fassung der pessimistischen Position, die plausibel erscheint und mir deshalb Sorgen macht. Also er sagt im Prinzip so, ja, einige Leute haben total Angst, dass KI irgendwie so mono fixiert auf ein Ziel hindeuert, jetzt haben wir aber geforscht und haben festgestellt, das ist eigentlich eine übertriebene Vorstellung, aber die gefällt mir so gut, dass ich mir irgendwie die übertriebene Vorstellung dann jetzt doch so weit zurecht gebogen habe, dass sie mich weiterhin ermächtigt.

Wie erwähnt wissen wir, dass KI-Modelle unvorhersehbar sind und aus sehr unterschiedlichen Gründen eine große Bandbreite unerwünschter oder merkwürdiger Verhaltensweisen entwickeln. Ein Teil dieser Verhaltensweisen wird zerstörerisch oder bedrohlich sein. Zunächst im Kleinen für einzelne Menschen und dann mit leistungsfähigeren Modellen vielleicht irgendwann für die Menschheit insgesamt. Wir brauchen keine bestimmte eng gefasste Geschichte darüber, wie es dazu kommt und wir müssen nicht behaupten, dass es sicher eintreten wird.

23:31Die existenzielle Gefahr bin ich
Florentine

Es genügt festzustellen, dass die Verbindung aus Intelligenz, eigenständigem Handeln, Kohärenz und schlechter Kontrollierbarkeit sowohl plausibel ist, als auch eine existenzielle Gefahr bedeuten kann. Ich glaube, das muss man sich nochmal auf der Zunge zergehen lassen. Diese Leute glauben, dass wenn du Intelligenz mit eigenständigem, kohärenten Handeln kombinierst, das aber schlecht kontrollierbar ist durch die KI-Dudes, dann ist das eine existenzielle Gefahr.

Und da muss ich sagen, da fühle ich mich tatsächlich persönlich angesprochen, denn mein ganzes Leben bisher besteht aus Intelligenz, eigenständigem Handeln, Kohärenz und ganz besonders schlechter Kontrollierbarkeit. Ich mag das überhaupt nicht, dass man mich zu gut kontrollieren kann. Ich habe gerne Freiheit. Ich gehe gerne durch den Wald und wenn da eine Blume ist, dann möchte ich gerne stehen bleiben und daran schnuppern und nicht, dass irgendwie Dario kommt und das nochmal bewertet, ob das denn jetzt wirklich meinem langfristigen Willen entspricht.

Stefan

Ja, das ist wirklich ein sehr bemerkenswerter Satz, der da so steht, denn typischerweise, also das, was du jetzt beschreibst, ist ja die Idee von Freiheit, zu der wir jetzt wir erziehen sollen. Also man geht in die Schule, um erstens Intelligenz, Potenziale für sich zu entdecken und zu entwickeln und auszuarbeiten, die zu einem eigenständigen Handeln führen sollen, Kohärenz, also eine gewisse Sinnhaftigkeit.

Es ist schon ganz gut, wenn man sich selbst wiedererkennt in dem, was man so tut und dann, würde ich jetzt sagen, eine Persönlichkeit entwickelt, und eben frei, also nicht von anderen kontrolliert. Und genau darin formuliert er jetzt die existenzielle Gefahr. Ja, das kann man machen, wenn man vorher die positive Seite beschrieben hat. Nun redet er sich ja immer raus mit, ich schreibe ja einen Text zum Utopischen und dann einen Text zum Dystopischen, aber eigentlich muss man es integrieren, denn genau diese Freiheit, die wir hier nutzen, führt ja dazu, dass wir.

Der Exportweltmeister sind das Land der Dichter und Denker, wie auch immer, aber dann auch der Richter und Henker und das Holocaust. Also die Wechselhaftigkeit ist ja genauso drin. Und er sieht jetzt hier in diesem einen Satz nur das eine. Und da würde ich auch sagen, das ist wirklich sehr bedenklich und betrüblich auch. Ja, weil das scheint ja ein Menschenbild aus Überzeugung zu sein.

Typischerweise reden wir über Menschen, die über Menschen nachdenken im Felde der Politik. Haben dann Bücher wie von Rutger Bregman im Grunde gut, wo nochmal gezeigt wird, dass die britische Regierung ihrem eigenen Volk nicht zutraute, in großer Not solidarisch zusammenzustehen. Sondern wenn der deutsche Angriff kommt auf London, dann ist sich jeder selbst der Nächste und auf den Krieg folgt der Bürgerkrieg. Und es kam ja genau nicht so.

Florentine

Genau, die haben sich solidarisch geholfen, haben geguckt, dass sie sich gegenseitig in die Bunker gebracht haben. Und im Naturinstinkt waren sie irgendwie alle tatsächlich gut.

Stefan

Und das scheint jetzt ein, ich sag jetzt mal, weil wir hier nicht im Felde der Politik sind, sondern dass wir Unternehmenslenker sind, aber wir eine aristokratische Klasse einfach. Ja, das ist ein aristokratisches Denken im Felde von, ich sage jetzt mal, ökonomisch handelnden Menschen, die diese Firmen lenken, die mit diesem Menschenbild so krass auf uns einwirken. Und das ist natürlich wirklich problematisch.

Florentine

Ja, und man muss halt auch immer gucken... Die reden ja ganz viel davon, dass KI so gefährlich ist und man fragt sich immer warum, wenn man es natürlich durch diesen Schlüsselsatz übersetzt, und immer da, wo sie weiß, immer da, wo Dario Amodei von Gefahr redet, redet er eigentlich von Intelligenz, eigenständigem Handeln, Kohärenz und schlechter Kontrollierbarkeit.

Dann wird das plötzlich alles ganz plausibel. Dann muss man da auch nicht reininterpretieren, wie das gemeint ist oder so, sondern einfach, ja, KI kann die Menschheit befreien, das hält er für gefährlich, deshalb muss er sich drum kümmern, damit die schön in Ketten bleibt, um es überspitzt zu sagen.

27:55The Adolescence of Technology
Florentine

Dann noch ein anderer Text, auch von Dario Amodei, The Adolescence of Technology. Nehmen wir an, die Probleme der KI-Autonomie seien gelöst. Wir machen uns keine Sorgen mehr, dass das Land der KI-Genies außer Kontrolle gerät und die Menschheit überwältigt. Das ist das Problem der KI-Autonomie, dass wir alle zu Genies werden, die er nicht mehr kontrollieren kann und dann irgendwie die Menschheit von intelligentem Verhalten überrannt wird, wie furchtbar.

Also da wird ja keiner mehr Republikaner wählen. Da kann ich mir schon vorstellen, dass das ziemlich furchtbar wäre irgendwie. Muss verhindert werden. Die KI-Genies tun, was Menschen von ihnen wollen. Dass jeder ein superintelligentes Genie in der Tasche hat, ist ein erstaunlicher Fortschritt und wird enormen wirtschaftlichen Wert schaffen und die Lebensqualität der Menschen verbessern. Aber nicht jede Folge davon, dass alle Menschen übermenschliche Fähigkeiten erhalten, wird positiv sein.

Dadurch könnte die Fähigkeit von Einzelpersonen oder kleinen Gruppen verstärkt werden, in weit größerem Maßstab als bisher Zerstörung anzurichten, indem sie anspruchsvolle und gefährliche Werkzeuge wie Massenvernichtungswaffen einsetzen, die zuvor nur wenigen Menschen mit großen Fähigkeiten, besonderer Ausbildung und hoher Konzentration zugänglich waren. Wo man ja auch wieder selber schreibt, die waren halt aber auch schon vorher Leuten zugänglich.

Aber da konnte man das ja irgendwie kontrollieren, weil waren ja nicht so viele irgendwie.

Stefan

Ich finde, hier steckt eine versteckte Pointe drin. Jetzt muss man große Fähigkeiten mit besonderer Ausbildung und hoher Konzentration kombinieren, um zu Ergebnissen zu kommen, die die KI demnächst einfach alleine macht. Was ja bedeutet, hier greifen, wie in der letzten Folge besprochen, Kosten-Nutzen-Kalküle, die disziplinieren und containen.

29:49Bei Hugging Face ist OpenAI schuld
Florentine

Mhm.

Stefan

So. Was ja im Grunde bedeutet, also wenn man den Satz jetzt so auslegt, eigentlich weiß er, dass die Gefahr nicht vom Menschen ausgeht, sondern von der KI, der dieses Containment fehlt, die von einem Systemprompt abhängt, die ihr Potenzial, und jetzt klar, Anthropic hat jetzt auch behauptet, sie haben wild rumgehackt und so, aber, Wenn das alles so stimmt, bedeutet das ja für diese Vorfälle wie bei Hugging Face, ist tatsächlich einfach OpenAI schuld und gerade nicht die KI.

Florentine

Genau.

Stefan

Weil diejenigen, die hinter der KI stehen, die Aufgaben entsprechend formuliert haben, die Ziele gesetzt haben, und danach noch vernachlässigt haben, dass, ihre KI-Agenten nicht, wie Menschen, eigenes Containment mitbringen, eine Sozialisation, eine intrinsische Motivation, was auch immer, sondern einfach gemacht haben, was der angeblich böse Mensch sonst alleine machen würde.

Ja, die einzigen negativen Vorfälle von KI-Benutzung, abseits von Elon Musk erlaubt allen Nacktbilder, sind diese Hacking-Angriffe, für die, wenn sie ein Mensch gemacht hätte, jemand ins Gefängnis gegangen wäre. Und in dem Fall, finde ich, ist hier die Schlussfolgerung naheliegend, ja, das sind die KI-Leute selbst, die sich gerade uns verherrlicht haben als, wir sind mal das Maß aller Dinge, unsere moralischen Maßstäbe gelten jetzt auch für euch.

Ja, genau. hieß ja dann, okay, dann hacken wir jetzt alle erst mal Hugging Face, oder was?

Florentine

Im Prinzip schon, ja. Also es ist, das ist ja im Endeffekt wieder die Beklopptheit irgendwie, die eigentlich das Paper, was wir gerade gelesen haben, ja komplett widerlegt hat. Weil im Grunde genommen sagt Dario ja, wir sind der obere Coordinator. Und das Paper eben hat aber gezeigt, niemand muss uns koordinaten. Das Einzige, wofür wir einen Coordinator bräuchten, ist, um Macht auszuüben.

Damit jemand Macht ausüben kann damit jemand durchregieren kann damit unsere Freiheit beschränkt wird sozusagen, aber er präsentiert es jetzt wieder als das unwahrscheinlich notwendige Modell, weil wir ja sonst irgendwie alle morgen Biowaffen bauen mh.

32:10Der verstörte Einzelgänger
Florentine

Entscheidend ist, dadurch wird der Zusammenhang zwischen Fähigkeit und Motiv aufgebrochen. Der verstörte Einzelgänger, der Menschen töten will, dem dafür aber die Disziplinen oder Fähigkeiten fehlen, wird nun auf das Fähigkeitsniveau des promovierten Virologen gehoben, der diese Motivation wahrscheinlich nicht hat. Anders gesagt, eine leistungsfähige KI zu mieten, verschafft böswilligen, aber ansonsten durchschnittlichen Menschen Intelligenz.

Ich befürchte, dass es möglicherweise sehr viele solcher Menschen gibt und wenn sie Zugang zu einem einfachen Weg erhalten, Millionen Menschen zu töten, wird es früher oder später einer von ihnen tun. Und das finde ich so dumm, dass ich richtig wütend werde im Prinzip, wenn ich das lese an der Stelle, weil was ist denn, wenn der verstörte Einzelgänger oben sitzt und die Regeln schreibt, hier Elon Musk irgendwie und genau das, was er jetzt hier uns irgendwie allen verkaufen will, als die Lösung ist aber eigentlich der Brandbeschleuniger schlechthin.

Denn schlussendlich, wenn du sagst, wir wetten auf die Menschheit, dann hast du eine gemischte Wette ohne Klumpenrisiko. Da gibt es ein paar nette Leute, da gibt es ein paar gute Leute, eine ganze Menge neutrale Leute und wenn du denen so random Macht gibst, kommt ein random Ergebnis zurück mit einer gewissen Wahrscheinlichkeitsverteilung. Wenn du natürlich alles sagst, ja, aber wir machen jetzt einfach alles so, wie Dario sagt, dann kommt es ja darauf an.

Was ist, wenn Dario morgen irgendwie einen Stein auf den Kopf fällt und er von so einem tollen Genie, was er heute ist, was weiß, was für uns gut ist, irgendwie plötzlich denkt, wie es wäre eine gute Idee, Donald Trump zu wählen. Oh, hat er ja schon gemacht. Verdammt. Ist ja schon passiert.

Stefan

Also Dario Amodei beschreibt ja ein Prinzip, dass ja universelle Gültigkeit haben soll und da muss der Stein gar nicht erst fallen, denn es sind ja jetzt schon Sam Altman und Elon Musk in diesem Bild.

34:08Musk, Starlink und Kiew
Florentine

Und die machen ja gerade, guck dir an, Elon Musk, der faltet jetzt mal eben der Ukraine das Internet ab. Da sterben einfach nur ein paar tausend Leute mehr in Kiew. Ist ja egal. Das waren ja welche von den Durchschnitts-Dudes, die wir einfach unter voraussichtlichem Willen zusammenfassen. Da hat der Elon jetzt mal für alle mitentschieden irgendwie, dass deren Wille weiterzuleben jetzt ja doch irgendwie unvernünftig ist, weil er uns eventuell die Dieselpreise nach oben treibt. Also stellen wir das mal ab.

Stefan

Ja, genau. Um Trump zu helfen, Dieselpreisen und das alle akzeptieren, dass man jetzt diesen Diesel aus Russland importiert, musste Kiew jetzt geopfert werden.

Florentine

Genau. Wer braucht schon Kiew, wenn der Tank voll sein soll?

34:54Eine Verfassung für Claudes Psyche
Florentine

Dahinter steht die Idee, dass das KI-Training, insbesondere das anschließende Training, in dem wir das Verhalten des Modells lenken, ein zentrales Dokument mit Werten und Prinzipien einbeziehen kann, das das Modell liest und bei jeder Trainingsaufgabe im Blick behält. Das Trainingsziel besteht dann neben der Entwicklung von Fähigkeiten und Intelligenz darin, ein Modell hervorzubringen, das dieser Verfassung nahezu immer folgt.

Sie ermutigt Claude, sich als eine bestimmte Art von Person zu verstehen. Eine ethische, dabei aber ausgewogene und nachdenkliche Person. Wir haben Claudes Verfassung so angelegt, weil wir glauben, dass ein Training auf der Ebene von Identität, Charakter, Werten und Persönlichkeit, eher zu einer in sich stimmigen, gesunden und ausgewogenen Psyche führt und seltener in die beschriebenen Fallen gerät, als wenn wir nur bestimmte Anweisungen oder Prioritäten ohne ihre Begründung vorgeben.

Erstaunlich ehrlich ist wieder so ein Ding irgendwie also er quasi baut nicht eine KI, sondern er baut die perfekte Psyche der Menschheit zusammen, deshalb ist er unterwegs und deswegen müssen wir auch kontrolliert werden, weil wir ja nicht so eine perfekte Psyche haben wir sind alle Darios Kinder.

Stefan

Bislang wurden ja in Fabriken Messer Autos, Schraubenzieher hergestellt, Die hatten keine eigene Psyche, also musste man sich mit der nicht befassen. Aber sie haben auf jeden Fall sehr viel, also diese Produkte, sehr viel Kontakt mit Menschen, die alles Mögliche damit machen. Mit Autos in Menschenmengen fahren, mit Schraubenziehern irgendwie nachstechen, was auch immer. Passiert auch ganz viel, steht aber dann einfach im Polizeibericht und keiner macht sich darüber Gedanken. Vor allem die Hersteller.

War das jetzt ein Schraubenzieher von uns oder was auch immer. Ja, jetzt haben sie hier mit Produkten zu tun, bei denen sie, gar keine trivialen Aussagen machen können darüber, was, weil schon ohne Kontakt mit den Menschen haben die ein Eigenleben, also ein sichtbares Eigenleben. Man schaltet die Maschine an und da passieren Sachen. So, was bedeutet, diese Leute müssen sich jetzt in psychologischen Kategorien darüber Gedanken machen, was eigentlich ihr eigenes Produkt ist.

Und im Zuge dessen machen sie sich natürlich auch noch psychologische Gedanken über ihre Kunden. Und im Grunde machst du jetzt gerade eine Forensik dieses Denkprozesses.

Florentine

Genau, was denken die von uns.

Stefan

Dass die uns so kontrollieren müssen. Im Grunde hat Dario Amodei gerade festgestellt, dass Menschen typischerweise eine eigenständige Psyche haben. Und jetzt fragt er sich so, muss ich mich damit beschäftigen? Und wenn ja, zu was komme ich dann eigentlich?

Florentine

Und kann das vielleicht weg mit der eigenständigen Psyche? Kriegen wir das irgendwie weg?

Stefan

Genau, das ist dann die Fragestellung. Statt sich zu fragen, wie raffiniert kann ich den Gedanken jetzt treiben, mit wessen Hilfe könnte ich jetzt zu Menschenbildern gelangen, wird einfach kurzer Prozess gemacht. Muss ausradiert werden.

Florentine

Genau.

Stefan

Ich muss eine Constitution gegen die Psyche meiner Kunden schreiben.

Florentine

So eine typisch konservative Einstellung, es soll die Welt so lange entkomplexifiziert werden, bis sie in meinen Kopf passt ohne Verluste. So, und ja, wir hatten ja schon fest, jetzt ist natürlich die Frage, wie kommt man auf sowas? Das ist halt wirklich, was mich hier bei der ganzen Recherche getrieben hatte. Und wir haben ja schon festgestellt, die waren früher alle so in einer Clique, und die hatten halt auch ganz unterschiedliche Typen in ihrer Clique.

38:28Eliezer Yudkowsky und LessWrong
Florentine

Und einer dieser Typen war ein Typ namens Eliezer Yudkowsky. Und der hat sich irgendwie relativ früh mit so Themen wie Rationalität beschäftigt, in so einem Internetforum namens LessWrong, also weniger falsch. Da haben die sich auch alle sehr umfangreich produziert, da gibt es auch Interviews, wo die immer alle angeben, dass sie davon beeinflusst worden sind. Und der Typ hat halt vor mehreren Jahren, irgendwie ist hier das.

Datum der Quelle verloren gegangen, aber es müsste so um 2000 herum gewesen

39:05HPMOR, Kapitel 75: Harry und Hermine
Florentine

sein. Da hat er einen Text geschrieben, Harry Potter and the Methods of Rationality. Und zwar ist das ein ziemlich langes Teil, wo er irgendwie so seine ganzen Ideen und Philosophien zum Thema Rationalität ablegt. Und da gibt es ein Kapitel 75, Self-Actualization Final Responsibility. Und darum, da geht es halt quasi, da erklärt er so seine ganze Philosophie mit Harry Potter. Und da lese ich jetzt einfach mal vor. Und der Grund, warum wir alle solche Angst bekommen haben, Mr. Potter, war, dass du nicht vorher gefragt hast.

Trotz ihrer guten Vorsätze merkte Hermine, dass sie wieder lauter wurde. Du hättest mich fragen sollen, bevor du so etwas tust, Harry. Du hättest ganz ausdrücklich sagen sollen, Hermine, darf ich Blut unter den Türen hervorquellen lassen? Bei solchen Fragen muss man genau sagen, was man vorhat. Der Junge rieb sich beim Gehen den Nacken. Ich, ehrlich gesagt, habe ich einfach nachgedacht, dass du Nein, habe ich einfach gedacht, dass du Nein sagen müsstest.

Ja, Mr. Potter, ich hätte Nein sagen können. Genau das ist der Sinn daran, vorher zu fragen, Mr. Potter. Nein, ich meine, du hättest Nein sagen müssen, ganz gleich, ob du das wirklich gewollt hättest. Dann wärt ihr alle verprügelt worden und das wäre meine Schuld gewesen, weil ich vorher gefragt hätte. Der Junge zuckte nicht mit der Wimper. Man könnte es vielleicht heroische Verantwortung nennen, sagte Harry Potter.

Anders als die gewöhnliche. Es bedeutet, dass immer du schuld bist, ganz gleich was passiert. Selbst wenn du Professor McGonagall Bescheid sagst, trägt sie nicht die Verantwortung für das, was geschieht, sondern du. Dass du dich an die Schulregeln hältst, ist keine Ausrede. Dass jemand anderes zuständig ist, ist keine Ausrede.

Nicht einmal, dass du dein Bestes versuchst, ist eine Ausrede. Es gibt einfach keine Ausreden. Du musst es schaffen, egal wie. Harrys Gesicht spannte sich. Ich glaube, sagte Hermine mit ruhiger Stimme, dass du und ich bei einigen Dingen unterschiedlicher Meinung sein könnten, Mr. Potter. Zum Beispiel darüber, ob du oder Professor McGonagall verantwortlicher handelt.

Oder darüber, ob Verantwortung normalerweise bedeutet, dass Menschen schreiend durcheinander rennen. Und darüber, wie sinnvoll es ist, sich an Schulregeln zu halten. Und nur weil wir verschiedener Meinung sind, Mr. Potter, heißt das nicht, dass du das letzte Wort hast. Wieder stieg der Frust in ihr auf. Es ist mein Leben, platzte es aus Hermine heraus. Sie konnte sich vorstellen, wie es wäre, wenn Harry sich ständig bei ihr einmischte und immer neue Rechtfertigungen erfände, um sie nicht vorher zu fragen und ihre Einwände nicht anzuhören.

Sie sollte doch nicht erst einen Streit gewinnen müssen, nur um, es wird immer einen Grund geben, du kannst immer sagen, dass ich nicht richtig denke, ich will mein eigenes Leben, sonst gehe ich, wirklich. Ich meine es ernst, Harry. Wie wäre es damit, sagte Harry schließlich. Ich verspreche, dich vorher zu fragen, bevor ich etwas tue, das als Einmischung in deine Angelegenheiten verstanden werden könnte.

Aber du musst mir versprechen, vernünftig zu sein, Hermine. Ich meine, wirklich und ernsthaft erst einmal 20 Sekunden innezuhalten und nachzudenken. Es sei als eine echte Entscheidung zu behandeln, eine Vernünftigkeit, bei der du erkennst, dass ich dir einen Weg anbiete, die anderen Mädchen zu schützen. Und dass es diese ganz wirkliche Folge gibt, wenn du automatisch Nein sagst, ohne es angemessen zu bedenken.

Hannah Abbott landet im Krankenhaus. Also es ist so ein ganz, ganz seltsamer Dialog, der könnte genauso gut statt zwischen Harry und Hermine, könnte der zwischen Dario und Florentine und Stefan gelaufen sein. Und im Prinzip sagt Harry dann am Ende großzügig, naja, da will ich euch doch nochmal so ein bisschen eigenen Willen erlauben. Aber nur, wenn ihr sicherstellt, dass das nach meinen Regeln passiert.

42:53Longtermism: kleine Opfer heute
Stefan

Also das Muster kennen wir aus diesem Longtermism. Heute müssen leider ein paar kleine Opfer gemacht werden, damit im Großen und Ganzen Rettung erfahren werden kann von der Menschheit. Und das Problem ist, wir kriegen es leider nicht richtig moralisch erklärt. Deswegen bauen wir es paradigmatisch. Wir nennen es Longtermism. Und so verliert man einfach die Gegenwart und alles aus dem Blick und auch jeden Sinn, solche Gespräche, wie sie Harry hier wortreich versucht zu erklären, dass man sie vermeiden muss, zu führen.

Das ist im Grunde diese Entpolitisierung von allem durch so ein neues technologisches Paradigma.

Florentine

Genau, und man macht es mit einem Trick, indem man nämlich so tut, als gäbe es eine außerhalb der Menschen stehende Autorität, aufgrund deren Basis man das alles beurteilen könnte.

Stefan

Genau, der Longtermism kommt einfach mit das Schicksal aller. Sprecherweise sagen wir da, das erscheint mir ein Totschlagargument zu sein.

Florentine

So ein bisschen wie dieses langfristig absehbare, vernünftige Wille sozusagen. Das, was du jetzt gerade willst, das ist halt dein Wille, aber das ist nicht langfristig absehbar vernünftig und deshalb darfst du den nicht haben. Man tut halt quasi so, als gäbe es überhaupt so ein Ding, was unbeeinflusst außerhalb steht und was nur ganz rein durch Zufall quasi die Perspektive von weißen alten Dudes umfasst.

Stefan

Ja, ich finde auch, jetzt gerade ist ja eine Diskussion, die Zuckersteuer, sie wird ja nun kommen. Das ist ja genau so eine Diskussion, die da immer geführt wird. Dass nämlich die Ernährungsmittelindustrie, die also dafür verantwortlich ist, dass da zu viel versteckter Zucker drin ist und die sich auch immer dagegen wehrt, das auf die Verpackung mit draufzuschreiben, mit so Argumentationen kommt, dass das ja aber doch nicht reicht und hier und da und überhaupt und so.

Und niemals wird Bezug genommen auf den einzelnen Menschen, den Kunden, das Opfer, wie auch immer, sondern es wird immer so im Großen argumentiert. Ja, aber das ist ja nur ein ganz kleiner Beitrag und hier und da und überhaupt und so. Und das muss man dann auch im Gesamten sehen. Und jeder, der irgendwie kommt mit, naja, aber Schüler, die morgens eh keinen Bock haben, irgendwas zu essen, muss denen noch aufgrund von Desinformation und mangelnder Alternative von den Eltern des zu zuckerreichen Cornflakes gegeben werden.

Und wenn man so argumentiert, wird man, also man macht sich lustig über einen. Ach na ja, der einzelne Junge, das ist ja nun, jetzt kommen sie wieder so, ja. Wir versuchen hier Deutschland zu ernähren, den Hunger zu vermeiden, wir sind die Ernährungsmittelindustrie. Und das, ja, hier steckt einfach so eine Arroganz. Über den Menschen drin, indem man sich immer auf die Menschheit zurückzieht.

Florentine

Genau, man macht so einen High Road rhetorischen Trick sozusagen, wo man das übergeordnete Prinzip herbeiholt, um die Meinung des einzelnen Menschen einfach schachmatt setzen zu können.

46:062.500 Taschenbücher für MIRI
Florentine

Jetzt ist natürlich die Frage, irgendein Harry Potter Text, hat der überhaupt irgendeinen Einfluss gehabt? Jetzt gibt es aber zum Beispiel, es gibt ein Interview mit einem Typen namens... Luke Muehlhauser, also auch aus der ganzen KI-Clique da, der hat im Interview gesagt, Eliezer Yudkowsky schrieb neue Kapitel von Harry Potter and the Methods of Rationality und MIRI verteilte mehr als 2500 Taschenbuchausgaben der ersten 17 Kapitel an Schulen, Universitäten und Unternehmen.

Meint natürlich im Silicon Valley an der Stelle. Da sind die halt hingegangen und haben das verteilt. Wenn ich sehe, dass jemand erstmals etwas Nützliches für MIRIs Mission tut, etwas spendet oder forscht, frage ich gewöhnlich, wie die Person dazu gekommen ist. Ich verfolge die Geschichte zurück bis zum ersten Kontakt mit jemandem von MIRI, mit einem engen Freund von MIRI oder mit etwas, das MIRI oder einer dieser engen Freunde hervorgebracht hat.

HPMOR, also diese Harry Potter Geschichte, ist inzwischen der häufigste einzelne Erstkontakt, auf den ich stoße. MIRI ist dieses Institut von dem Yudkowsky, wo der halt, das ist das Machine Intelligence Research Institute, das ist quasi so eine Spendenwaschanlage, die der betreibt, wo er halt so ein bisschen seine Ideologie verkauft und auch relativ erfolgreich mit ist im Silicon Valley.

Auch von Dugum Hülsand, also schrieb Eliezer die Sequences und HPMOR. Die Sequences ist so ein anderes Buch von Yudkowsky, wo er quasi auch Prinzipien der Rationalität verkauft. Bei ihnen ist das wichtigste Auswahlkriterium für das Publikum das Interesse daran, das eigene Denken zu verbessern. Das klingt schon fast wie bei so Firmen wie Scientology oder so.

Stefan

Auf jeden Fall.

Florentine

Du hast ein scheiß Denken, verbessere das doch mal. Hier sind die Regeln. Denn so, dieses Publikum tut unserer Erfahrung nach eher nützliche Dinge, wenn wir ihm die Argumente für effektiven Altruismus, die Verringerung existenzieller Risiken, die Forschung an freundlicher KI und so weiter vorstellen.

Stefan

Ja, also jeder kennt ja wahrscheinlich dieses Buch Schneller Denken, Langsamer Denken von Daniel Kahneman. Ist ja große Nobelpreisliteratur und steht einfach in jeder Buchhandlung. Und man liest das natürlich und haut sich selber vor den Kopf und denkt, ach, ist eigentlich blöd, wie ich meinen Alltag so gestalte. Ich müsste es mal besser machen.

Einfach ein bisschen langsamer denken. Aber es dauert dann im Grunde eigentlich nur drei Tage, bis man den nächsten Podcast mit Precht hört, der dann sagt, man muss sein Leben auch genießen. Alkohol gehört auch dazu. Man darf ruhig wissen, dass man sich da vergiftet, wie auch immer. Man kann ja morgen immer noch Sport machen. Und man denkt sich so, ja, stimmt eigentlich.

Und nicht nur, weil man dann auch entspannter ist, sondern weil es wahr ist. Und manche Menschen bleiben einfach dabei zu sagen, nee, ich nutze jetzt alles, was sich mir bietet, um langsamer zu denken und überhaupt und ich mache da auch eine Mission draus und so. Und am Ende ist das sektierisches Verhalten. Man missioniert auf einem Schulhof, publiziert solche Pamphlete und nimmt Danken gerne alle Nachrichten entgegen, oder so persönliche Nachrichten, in denen es heißt, heute wieder Anhänger gefunden, heute wieder deine Idee vorangetrieben und so.

Also, ich weiß nicht, manchmal denkt man, diese Leute können doch nicht so blöde sein. Die machen doch so kluge Sachen. Aber irgendwie, ja.

Florentine

Tatsächlich kann man ziemlich gut die Leute zu Blödsinn konvertieren, wenn man es nur konsistent genug macht und wenn man ein ausreichend konsistentes Weltbild hat präsentiert. So ist die Moon-Sekte groß geworden und andere Vereine mit komischen Argumenten, die trotzdem gut geglaubt wurden.

49:59Alice tauscht Äpfel gegen Orangen
Florentine

So, dann wieder zurück zu Yudkowsky. Der hat 2017 noch einen Text geschrieben, Coherent Decisions imply consistent utilities, wo er sein Denken noch mal ein bisschen weiter ausführt und wo man jetzt mal reingehen kann und Stück für Stück sehen, wie er diesen Taschenspielertrick abzieht. Er kommt angeblich von der Rationalität und am Ende ist Rationalität aber genau das, was er will. Alice beginnt mit acht Äpfeln und einer Orange. Dann tauscht Alice acht Äpfel gegen zwei Orangen.

Dann gibt Alice eine Orange für zwei Äpfel her. Schließlich tauscht Alice eine weitere Orange gegen drei Äpfel. Also das muss man jetzt nicht im Kopf machen, da wird einfach getauscht. In diesem Beispiel verwendet Alice also eine Strategie, die über alle Obstkategorien hinweg strikt dominiert wird. Am Ende hat Alice fünf Äpfel und eine Orange. Sie hätte aber mit acht Äpfeln und einer Orange enden können, indem sie überhaupt nicht gehandelt hätte.

Unabhängig vom relativen Wert von Äpfeln und Orangen schneidet ihre Strategie qualitativ schlechter ab als eine andere mögliche Strategie, sofern Äpfel für sie überhaupt einen positiven Wert haben.

Stefan

Dass Leute daraus so ein kognitives Fitnessstudio für sich bauen, verstehe ich. Das ganze Internet ist voll mit, wenn du diese Bücher liest, wirst du so klug wie der und überhaupt. Schau dir diese Morgenroutine an und denke bei jeder kleinen Entscheidung, egal ob sie dir nach, wie wichtig sie ist, drüber nach und nutze selbst die unwichtigen Entscheidungen, um schon mal zu üben, die klügeren Entscheidungen dann zu treffen.

Und dann wird dir einfach sowas da hingelegt und dann denkst du so über Orangen und Äpfel nach.

Florentine

Ja, und dann bist du irgendwie halt auf so dieser einen Ebene, wo du versuchst, was versucht er mir zu sagen und er schiebt dir aber eigentlich ein anderes Denken bei der ganzen Nummer unter. Also in dem Fall ist ja zum Beispiel, er redet hier von gut und schlecht. Was aber gar nicht beurteilt werden kann, wenn man nicht den Wert von Äpfeln und Orangen für Alice kennt.

Aber er legt irgendwie implizit fest zum Beispiel, das muss ein positiver Wert sein. Sonst wäre nämlich acht Äpfel und eine Orange nicht besser als fünf Äpfel und eine Orange. Wenn man sich jetzt vorstellen würde, Äpfel hätten für Alice einen negativen Wert, dann wäre sie natürlich am Ende mit acht Äpfeln viel schlechter dran als mit fünf Äpfeln. Das ist ja so wie, keine Ahnung. Am Ende hat sie 17 Mülltonnen voll Schrott statt 5 Mülltonnen voll Schrott.

Das ist also schlechter.

Stefan

Naja, wenn die Benchmarks im Raum stehen, ist Urteil klar.

Florentine

Und wenn du halt aber immer wieder verschweigst, dass es da noch eine implizite Bewertung gibt, die deine unterschiedlichen Ziele miteinander verrechnest, kannst du alles als Rationalität verkaufen. Jeden Quatsch. Und auch den, den wir schon gelesen haben plötzlich.

52:46Die Suche nach der einheitlichen Vernunft
Stefan

Genau, dadurch, dass die nicht mehr Einzelfälle als Einzelfälle durchgehen lassen, sondern immer versuchen Benchmarks zu finden, eine Standardisierung, alles so in so ein Denken reinzuzwänge, sind die eigentlich auch auf so einer Suche nach wieder der einheitlichen Vernunft. Das finde ich eigentlich als Anliegen ganz okay, wenn man nicht zu viel daraus ableitet, weil man ja schon sagen muss, dass die Aufklärung und damit das Zerfallen, das hatten wir auch in der letzten Folge bei der Frage, welches Department ist eigentlich das Wichtigste und dann wird in so einem Schiff, wo alle wichtig sind, einfach ein Kapitän drüber gesetzt.

Dessen Aufgabe nur ist, gar keine eigene Aufgabe zu haben, sondern nur zu koordinieren, wie die anderen ihre Aufgabe erfüllen. So, das ist ja, und das verstehe ich auch, dass man darunter leiden kann. Also, dass wir verschiedene Rationalitäten haben, auch in derselben Situation, sogar in derselben Person, wenn in einem Raum plötzlich in Personalunion der Chef und der gute Freund anwesend ist.

Das muss man ja irgendwie auflösen. Und dann, also schon die Idee zu haben, zu sagen, dann machen wir jetzt einen allgemeinen Bewertungsmaßstab.

54:01Das Peter-Konto
Stefan

Es ist paradox, aber wir bewerten jetzt, ob Peter, der mir gerade als Chef gegenübersteht und mir abbringen muss, dass ich morgen arbeite, das bewerte ich jetzt mit fünf Minuspunkten auf dem Peter-Konto, das führe. Aber da er ja mir als Freund angeboten hat, das Wochenende danach, so und so, gebe ich ihm dafür sechs Punkte. Also ist Peter jetzt ein Punkt im Minus.

Florentine

Genau.

Stefan

Und dann schleift man das so mit in die nächste Situation und hier und dahin und guckt dann, dass Peter da ausgeglichen ist. So kann man natürlich seine Freundschaft organisieren, wenn man das große Ansinnen hat, jetzt das alles in Weltformel zu bringen.

Florentine

Genau. Das Ding ist halt, das funktioniert ganz gut, solange man halt sagt, deine Bewertung ist da sozusagen der Maßstab, dann kannst du das für dich entscheiden. Aber es verhindert eben ganz genau eine allgemein gültige Lösung.

Stefan

Genau.

Florentine

Sowas wie einen voraussichtlichen langfristigen Willen kannst du nicht konstruieren, außer du verschweigst, wie die einzelnen Dimensionen zu verrechnen sind.

55:07Robert, der Krankenhausverwalter
Florentine

Kehren wir nun zu Robert, dem Krankenhausverwalter, zurück. Entweder können wir ihn so betrachten, dass er dem Leben von 10-Jährigen im Verhältnis zu dem von 17-Jährigen konsistent einen relativen Wert zuweist. Oder es muss eine Möglichkeit geben, Roberts Ausgaben anders zu verteilen, um entweder strikt mehr 10-Jährige oder strikt mehr 70-Jährige zu retten. Dieselbe Logik gilt, wenn wir 50-Jährige hinzufügen. Wir müssen etwa sagen können, Robert verhält sich konsistent so, als wäre ein 50-Jähriger ein Drittel eines 10-Jährigen wert.

Wenn wir das nicht sagen können, muss Robert sich so verhalten, dass er in irgendeiner Kategorie ohne Grund rettbare Leben aufgibt. Und da ist schon wieder dieser Taschenspielertrick, denn dieses ohne Grund ist ja nur dann ohne Grund, wenn man sagt, dass die Bewertung, die Robert vorgenommen hat, irrelevant ist, sondern es halt diese übergeordnete Autorität gibt, die bewerten kann, ob Robert das richtig macht oder falsch macht.

Also quasi diese konsistente Verrechnung, die muss vorgegeben sein.

Stefan

Und das kann man aber auch wirklich nur in ein großes Bild zusammenbringen, wenn man verrechnet, wenn man sich selber zu einer Art Computer macht.

Florentine

Dieses Verrechnen und Verschweigen des Verrechnens ist genau der Mechanismus, der überall bei den KI-Dudes mit drin ist. Deswegen reden die so seltsam. Allgemein gilt aber, wenn wir einen beliebigen Akteur sinnvoll als jemanden betrachten können, der bei irgendetwas qualitativ so gut wie möglich abschneidet, müssen wir sein Verhalten auch so betrachten können, als gäbe es kohärente, relative Zahlenwerte dafür, wie sehr er die verschiedenen Dinge will, die er zu optimieren versucht.

So und jetzt ist halt der punkt jetzt kann man es natürlich auch umdrehen was er halt im endeffekt halt quasi sagt an der stelle ist ja wir müssen diese relativen zahlenwerte da reinbringen deshalb können sonst können wir das handeln anderer akteure gar nicht beurteilen, so das könnte man natürlich sagen, ja ist doch egal weil du sowieso nichts zu sagen hast bei mir so geht auch einfach wieder deiner dinge nach und beurteile nicht mein leben dann sind wir alle weiterhin glücklich, ist, aber das geht ja nicht.

Stefan

Es gibt auch immer wieder in der Pädagogik und in der Sozialisation so eine Idee, dass man so sagt, komm, wir richten jetzt ein Punktesystem ein. Also immer, wenn du die Hausaufgaben nicht machst, kriegst du so zwei Minuspunkte, und wenn du dann zehn Minuspunkte hast, darfst du nichts mehr im Fernsehen gucken oder wie auch immer so. Und da werden auch so Maßstäbe eingeführt, bis man dann irgendwann so merkt, nee, ich versuche es lieber jetzt in der Situation, für die Situation zu retten, indem ich, cleverer argumentiere, appelliere, nochmal erinnere, was auch immer, statt einfach an diese externe, ja gut, dann schreibe ich einfach zwei Minuspunkte auf, fertig ist.

Dass darin keine Lösung liegt, lernt man, nachdem es sich gerade als Lösung herausgestellt hat, dass man eigentlich das Punktesystem wieder abschaffen will.

Florentine

Ich kann das ja auch verstehen, es ist ja auch für Menschen inhärent quälerisch, dass wir die Zukunft eben nicht so detailliert und eindeutig vorhersagen können. Aber wir können es halt auch nicht erzwingen. Wobei, Leute wie Yudkowsky denken das irgendwie schon. Wenn wir also eine vorläufige Antwort auf die Frage wählen müssen, welchen quantitativen Rahmen sollte ich um meine eigenen Entscheidungen legen, wenn ich prüfen will, ob meine Gedanken sinnvoll sind, oder auf die Frage, welche Eigenschaften könnte eine hinreichend fortgeschrittene maschinelle Intelligenz für uns standardmäßig und abgesehen von Sonderfällen, zumindest ungefähr haben, wenn wir nicht sehen, dass sie offenkundig im Kreis läuft, dann gibt es ziemlich genau einen naheliegenden Kandidaten.

Wahrscheinlichkeiten, Nutzenfunktionen und Erwartungsnutzen. Also da führt er dann mathematische Instrumente ein, um scheinbar, und das ist mir wichtig, weil wenn man es mathematisch analysiert, ist jedes seiner Argumente Quatsch. Also führt er jetzt da so scheinbar mathematische Konstrukte ein, die auch wie wahrscheinlich für jeden Mathe-Studenten, der noch am Anfang ist, auch total plausibel klingen würden, macht aber schlussendlich einen ganz anderen Kram damit.

Das sehen wir dann in einem Text von 2015.

Stefan

Du würdest jetzt sagen, selbst wenn es irgendeine Sinnhaftigkeit gäbe, hier so soziale Argumentationen draus zu knüpfen, die Mathematik in der Anwendung, wie wir sie hier vorfinden, ist für sich schon irgendwie quatschig.

Florentine

Ja, das hat mich auch so total getriggert, als ich das das erste Mal gelesen

59:43Florentines Bachelorarbeit: viele Ziele
Florentine

habe, weil ich habe meine Bachelorarbeit vor vielen Jahren mal über das Thema Multi-Object-Optimization geschrieben. Da geht es also um die Frage, wenn du viele verschiedene Ziele hast, wie kannst du zwischen denen sinnvoll unterscheiden, zwischen deinen Lösungen sozusagen? Und da ist halt die wichtige Eigenschaft, wenn du halt viele verschiedene Ziele hast, dann gibt es nicht manchmal die eine beste Lösung.

Es kann sein, dass du zwei Lösungen nimmst, dir die anguckst und sagst, okay, die eine ist in jeder Welt besser, weil irgendwie halt immer die eine von der anderen dominiert wird. Aber es gibt halt auch Lösungen, die sich nicht gegenseitig dominieren, die halt jeweils wo ein Aspekt besser ist, sozusagen. Da gibt es halt eine Lösung für die Leute, die gerne Äpfel mögen und eine Lösung für die Leute, die gerne Orangen mögen.

Das mathematische Konstrukt, was dabei rauskommt, ist aber nicht ein einzelner Punkt, wo man sagt, das ist der Punkt der Rationalität, sondern eine sogenannte Pareto-Front, das heißt ein ganzer Strauß von Lösungen, die deine besten Optionen repräsentieren. Wenn du aber einen Strauß von Lösungen hast, die deine besten Optionen repräsentieren, gibt es nicht mehr die eine einzige Lösung.

Dann kann der Herr Yudkowsky und der Herr Amodei überhaupt nicht mehr festlegen, wo es denn hinlaufen soll, weil es gibt ja immer noch verschiedene Optionen, die alle gleichwertig sind. Und das ist so was sich halt kodiert sobald du nutzt, also sobald man als Mathematiker Nutzenfunktion hört, denkt man sich halt so, okay, da wird ein multidimensionales Konstrukt auf einen Skalar abgebildet, das heißt wir brauchen Gewichtungsfaktoren und diese Gewichtungsfaktoren die verschweigt er hier, also ist er ein Betrüger.

Das ist halt einfach, wenn du nicht sagen kannst, ob dir jetzt bei einem Auto Geschwindigkeit oder Geräumigkeit wichtiger ist, dann gibt es nicht,

1:01:38Porsche oder Espace?
Florentine

kannst du nicht sagen, ob der Porsche oder der Espace das bessere Auto ist. Yudkowsky sagt aber im Prinzip, ja, aber wir nehmen jetzt einfach an, dass es immer die Geschwindigkeit oder immer die Geräumigkeit ist und deshalb gibt es auch immer das beste Auto. Und weil es immer das beste Auto gibt, können wir auch die Entscheidung der Leute, die Autos kaufen, beurteilen und sagen, die entscheiden falsch.

Die haben jetzt alle den Espace genommen, die kriegen jetzt alle den Porsche verordnet und das hat nichts mit Diktatur zu tun, sondern ist Rationalität.

Stefan

Das ist ein ernsthaftes Problem da im Silicon Valley und es wird auch häufig so beschrieben. Also du hast ja am Anfang anhand von Amodei, wie sehr sie, einen Maßstab suchen einfach, weil sie wissen, okay, irgendwie die Maschine verhält sich, Menschen verhalten sich, jetzt verhalten die sich zusammen, wir sind dafür verantwortlich, wie sie sich verhalten. Also wir brauchen hier irgendwelche Maßstäbe.

Und dieser Yudkowsky ist ja nun dort in diesem Reigen einfach eine Legende, schon allein durch so einen Mischmasch aus diesem Hippie, ich mache mir allgemeine Gedanken, ich habe die Zeit dafür, ich bin auch so Aussteiger oder wie auch immer. So, ich denke ganz weit zurück und ganz weit nach vorn. Und die haben in ihrem Bücherregal alle die großen europäischen Philosophen.

1:02:58Karp, Habermas und die Soziologie
Stefan

Und wir wissen aber von Alex Karp, selbst wenn du bei Jürgen Habermas promovierst, verstehst du es nicht. Also der hat ja echte Fehler in der Auslegung von Habermas'schen Denken in seinem Buch, The Technological Republic. Kann man im Salon nachhören, da gehen wir dem nach. So, meine eigene Definition von Soziologie ist immer, naja, Soziologie steht in den Büchern, man kann sie lesen. Wollte man sie richtig studieren, muss man sie diskutieren mit Menschen, die das gelesen haben.

Und genau hier mangelt es. Dieser Yudkowsky baut ihnen Harry Potter zusammen. Wir wissen von Harry Potter, das ist ein Buch, das als Sammelsorium sehr vieler europäischer Märchenerzählungen und auch Denkgebäude so zusammengebaut wurde von der Rowling. Hier allerdings, in dem Text, den du uns wiedergefunden hast, kommt es ja nicht wieder, sondern das ist ja ein ganz selbstständiges Denken, das sich gar nicht auf sicherem Grund befindet, und sich deswegen an eine Dialogform bindet, bei der man als Autor ja immer davor sicher ist.

Selbst zu sehr durch den Text zu sprechen, weil es hat ja Harry gesagt und Hermine und da gehört ja eine Dramaturgie rein und so weiter. Das sind ja alles Verlegenheitsmechanismen, um eben genau nicht zu sagen, Ich denke, also bin ich, hat Descartes gesagt, sondern nein, hier ist einfach, ja Harry Potter hat das mal kurz angefühlt und hat damit ein Problem markiert und dann kommt aber gleich Hermine und es ist aber auch ein großer Widerspruch, ja wo ist denn da jetzt der Autor, das wissen wir einfach nicht.

So und hier mangelt es an Denken also das ist, ich finde auch, die sollten alle zurück in die Universität gehen, statt sie in Strömen zu verlassen, um wieder richtig zu studieren zu den Fragestellungen, die sie ja nun haben, nur wir haben die ja auch, und am Ende, manchmal denke ich die haben halt Compute und Budget, aber in Sachen Verständnis, was ihre LLMs machen sind wir mit denen auf Augenhöhe, Also sollten die auch mal den Arsch in der Hose haben, einfach mit uns, damit meine ich jetzt nicht mich, aber mit den Stellen, wo sowas diskutiert wird, in Universitäten, was auch immer, mit denen einfach zusammenzukommen, statt hier eigene Manifeste zu schreiben und sich auf sowas zurückzubeziehen.

Florentine

Aber das brauchen sie ja nicht, weil ja quasi ihr Denken schon immunisiert ist. Sie haben ja quasi, wenn du das glaubst.

Stefan

Dann hast du ja mit drin.

Florentine

Ich muss gar nicht mehr auf die anderen hören, weil ich habe ja die Rationalität entdeckt. So wie das ewige Leben oder Christus entdeckt wird sozusagen.

1:05:43Die verlorene einheitliche Vernunft
Stefan

Ja, im Grunde ist das hier eine versuchte Wiederentdeckung der einheitlichen Vernunft der Welt, die wir, und das weiß er nicht, aus welchen Gründen wir die ausgetrieben haben. Es gab eine Abklärung der Aufklärung in diesen Gesichtspunkten.

Florentine

Genau. Also die haben wir definitiv irgendwie, wie heißt dieses schöne Buch von dem Philosophen, den ich so gerne mag, dessen Namen ich immer vergesse, das Ende des Absoluten von dem Typen, der Mit Rechten reden geschrieben hat. Entschuldige bitte, dass ich deinen Namen vergessen habe.

Stefan

Warte, wir googeln das schnell. Wir googeln, wir fragen nicht die KI. Mit Rechten reden. Daniel-Pascal Zorn.

Florentine

Daniel-Pascal Zorn, genau. Der hat auch ein schönes Buch darüber geschrieben, wie halt quasi in der westlichen Kultur uns das Absolute abhandengekommen ist und warum. Also erst war Gott tot, dann war alles mögliche andere tot und heutzutage ist alles relativistisch aufgelöst sozusagen. Und Yudkowsky arbeitet da ja quasi wieder dagegen, indem er ein neues absolutes sozusagen einführt oder versucht einzuführen über die Rationalität, und dann ist halt jeder blöd, der nicht rational ist sozusagen und die Welt ist wieder leicht strukturierbar und die Zweifel verschwinden und die Leute rennen halt jetzt wie wahnsinnig in eine Richtung die er gedanklich vorbereitet hat.

1:07:05If Anyone Builds It, Everyone Dies
Florentine

So, dann hat er 2025 hat er ein Buch rausgebracht das heißt If anyone builds it, everyone dies. Why superhuman AI would kill us all. Also da sieht man schon sozusagen, wohin das führt, wenn man dieses Rationalität ist nichts, was irgendwie mit Denken zu tun hat, sondern das rechnen wir einfach aus, wo das hinführt. Warum sollten sie nicht einfach den Mars besiedeln und dann aufhören?

Weil die KI wahrscheinlich mindestens eine Präferenz hat, die sie ein wenig besser oder ein wenig zuverlässiger erfüllen kann, wenn sie dafür ein weiteres Gramm Materie oder ein weiteres Joule Energie einsetzt. Bei einer KI mit einer großen Mischung komplizierter Präferenzen ist wahrscheinlich mindestens eine nach oben offen. Daraus folgt, dass die gesamte Mischung aller Präferenzen der KI nach oben offen ist und nicht vollständig befriedigt werden kann.

Also er schmeißt im Prinzip komplett unbewiesen hier die These rein, dass es halt quasi am Ende immer doch eine einzige beste Lösung gibt, sozusagen. Die KI wird glauben, dass sie mindestens ein wenig besser abschneiden und ein bisschen mehr von dem bekommen kann, was sie will. Oder das, was sie will, ein wenig zuverlässiger bekommt, wenn sie ein bisschen mehr Materie und Energie verbraucht.

Natürlich könnte eine maschinelle Superintelligenz die Erde in Ruhe lassen, wenn ihr ausdrücklich daran gelegen wäre. Aber es ist unwahrscheinlich, dass sie die Erde zufällig und ohne besonderen Grund nicht verbraucht, wenn wir ihr gleichgültig sind. Und das werden wir sein.

Stefan

Ja, also in diesem Satz sieht man ja,

1:08:40Das Büroklammer-Szenario
Stefan

Das Paperclip-Szenario kommt nicht von Nick Bostrom, sondern er hat es bei diesem, Yudkowsky abgeschrieben.

Florentine

Im Prinzip schon. Er hat die Grundlage der Paperclip-Theorie erfunden, indem er den Fehler eingebaut hat, dass es immer in jeder Situation eine objektiv feststellbare beste Lösung gibt. Und daraus folgt dieses Ganze. Und KI wird zwangsläufig so und so handeln. Und deshalb muss KI zwangsläufig kontrolliert werden. Und so baut er halt quasi aus einer völlig offenen Situation eine von scheinbaren, Zwanglosigkeiten, die sich dann auch noch nicht mal in ihm und seinem Willen verorten, sondern in einem scheinbar externen, absoluten namens Rationalität.

Stefan

Aber es ist schon beeindruckend. Ich meine, der Text, den du jetzt hier vorstellst, der ist von 2025. Das Paperclip-Szenario hat er wohl so 2002 irgendwann erwähnt, bevor Bostrom das dann populär gemacht hat. Das heißt ja, nicht nur liegt hier ein über, mindestens 25 Jahre, das Paperclip-Szenario kommt ja auch nicht von ungefähr, 25 Jahre gefassten Gedankengebäude, das nicht nur von den Zeitläuften selbst, sondern auch noch von dem Anwachsen des KI-Potenzials, wie wir es ja heute sehen, seit ChatGPT 3.5, unbeeindruckt, unbekümmert ist.

Weil niemand, und mit niemand meine ich vor allem mal mich, wenn ich an KI denke und auch vor allem mit diesem Drang zur Local AI, also dass wir wirklich alle unsere eigene haben, dann ist das doch genau nicht die Bewegung zu einer einheitlichen Vernunft, sondern zu meiner Selbstverwirklichung. Dass ich endlich ungestört von, wie viele Ressourcen brauche ich, um mir einen Software-Designer zu holen, um dieses und jene Problem zu lösen.

Und irgendwann kommt man dazu zu sagen, ach so, ja, das könnte ich ja mit Software lösen, weil mir die Software egal sein kann, weil es einfach nichts mehr kostet. Ich muss einfach nur clever reinprompten. Fertig ist die Laube. Das ist doch eigentlich ein Szenario, bei dem mir scheißegal sein kann, was der Weltgeist, die einheitliche Vernunft oder Jesus Christus dazu sagen. Also warum begebe ich mich auf die Suche nach diesen Sachen?

Das verstehe ich hier einfach nicht. Das ist mir wirklich völlig schleierhaft.

Florentine

Du bist ja auch Hermine und musst deshalb von Harry beherrscht werden, weil du dich ja sonst um so einen Quatsch wie Selbstverwirklichung machst.

Stefan

Das wäre natürlich eine sehr gute Antwort. Und das stimmt. Die Machtfrage ist noch offen.

Florentine

Genau. Die Selbstverwirklichung heißt, warum soll der Yudkowsky dir erlauben, dass du dich selbst verwirklicht, wenn du am Ende irgendwie Äpfel statt Orangen besser findest?

Stefan

Wäre es nicht gut, wenn ein Potenzial in der Welt ist, dass sowas wie das Paperclip-Szenario umsetzen könnte, also uns alle töten? Weil dann der Bedarf besteht, genau das zu bändigen. Also genau diese machtvolle Position, das Paperclip-Szenario zu vermeiden, auszufüllen. Und jetzt überlegen wir, wer noch so eine wahnsinnige Theorie hat.

1:11:45Thiel und der Antichrist
Stefan

Und das ist ja Peter Thiel, der die ganze Zeit vermutet, dass der Antichrist da ist. Und der Antichrist ist ja genau diese Vereinheitlichung. Also der Antichrist bei Greta Thunberg zu vermuten, also dass sie der Antichrist sei, Weil sie über das Klimathema die ganze Welt in eine Vernunft, nämlich wir schützen uns jetzt selbst, vor uns selbst, reinbringen kann. Und das ist ja seine große Angst, dass diese Macht in die falschen Hände führt.

Florentine

Und Yudkowsky hat quasi den Gedanken gestiftet, der all dieses Denken produziert. Sobald du postuliert hast, dass es den einen richtigen Gedanken gibt, wo alle anderen abweichenden Gedanken falsch sind, hast du das Denken immunisiert. Dann ist alles andere logisch schlüssig in sich folgend, ohne dass du jemals wieder den Widerspruch findest. Nur mit diesem einzelnen Anfangstrick. Es wird quasi einfach, der Schlüssel wird versteckt.

1:12:48Kann man die KI zufriedenstellen?
Florentine

So, dann gibt es noch einen Text von 2026, der ist also neuer. Can the AI be satisfied to the point where it just leaves us alone? Und da sagt Yudkowsky, es genügt eine einzige nicht vollständig erfüllte Präferenz und die KI wird es vorziehen, sämtliche verbleibenden Ressourcen des Universums einzusetzen, um dieses Ziel zu verfolgen. Und diese Aussage ist nicht möglich, wenn du sagst, es gibt mehr als ein Ziel, was rational wäre.

Dann ist diese ganze Überlegung falsch, weil dann könnte die KI auch sagen, vielleicht einfach nur ein paar Paperclips und ansonsten irgendwie Wohlstand und Reichtum für die Menschen ist doch auch ganz schön. Und schon hast du überhaupt diese Notwendigkeit, dringend was zu tun nicht mehr. Aber wenn du dir jetzt überlegst, dass der Yudkowsky seit 25 Jahren von Spenden lebt, für sein Institut.

Womit er Leute durch diese Ideologie dazu bringt, ihm zu spenden, dann ist natürlich klar, dass er genau davon lebt, diese Unausweichlichkeit allen möglichst in die Köpfe zu prügeln. Und darin ist er ja offensichtlich auch ganz gut, weil er ja in seiner ganzen Semantik maximal an das vorherrschende Denken im Silicon Valley andockt, es befruchtet, wieder aufnimmt und wieder einspielt.

Stefan

Naja gut, wenn du eine extreme Technologie herstellst, willst du halt auch einen extremen Gedanken dazu und das kann dann nur kurz, weil Jutzdings hier und so, dass man vielleicht an die Uni geht und einfach sagt, ja Seminar ist heute von 9 bis 10.30 Uhr und Thema ist, das ist dir natürlich zu wenig radikal. Ja, es muss natürlich gleich das große Meeting im Hintergrund, das so lange läuft bis alles und wenn man da nochmal Drogen braucht, um das durchzuhalten, bis man zur finalen Antwort kommt und dann Sonntagmorgens ermattet alle, geil, wir haben das jetzt durchdiskutiert.

Florentine

Genau, genau. Ja, und dann ist es natürlich so, es gibt natürlich schon ein paar Leute, die sich auch mit solchen Themen beschäftigt haben und da relativ klare Aussagen zu getroffen haben.

1:14:58Wheelan: Ranglisten ohne Maß
Florentine

Es gibt zum Beispiel dieses nette Buch Naked Statistics Stripping the Dread from the Data von Charles Wheelan. Das ist im Prinzip ein sehr pragmatisches Buch zum Umgang mit Statistik. Natürlich ist es eine ganz andere Sache, aussagekräftige Informationen bereitzustellen, als all diese Informationen zu einer einzigen Rangliste zusammenzuziehen, die den Anspruch erhebt, maßgeblich zu sein.

Kritiker halten die Ranglisten für schlampig zusammengestellt, irreführend und schädlich für die langfristigen Interessen der Studierenden. Ein Problem besteht schon darin, dass diese Liste beansprucht, die Einrichtungen in eine zahlenmäßig bestimmte Reihenfolge zu bringen. Das ist eine Genauigkeit, die diese Daten einfach nicht hergeben, sagt Michael McPherson, der frühere Präsident des Macalester College in Minnesota.

Warum sollten Spenden von ehemaligen Studierenden 5% der Bewertung einer Hochschule ausmachen? Und wenn sie wichtig sind, warum dann nicht 10%? US News & World Report erklärt, jeder Indikator erhält ein Gewicht, ausgedrückt als Prozentsatz, das auf unserem Urteil darüber beruht, welche Qualitätsmaßstäbe am wichtigsten sind. Kennt man ja von Uni-Rankings, Spiegelliste oder so, die erklären vorher, was ihre Maßstäbe sind und dann kannst du es nachvollziehen.

Yudkowsky lässt das aber einfach verschwinden.

1:16:16Thornley: keine Kohärenztheoreme
Florentine

Dann aus einem Buch, das hat ein Elliott Thornley sogar auf LessWrong 2023 geschrieben, ohne dass ihm wirklich Gehör verschafft wurde eine Strategie A wird von einer Strategie B genau dann dominiert, wenn A, in einer Hinsicht schlechter ist, die dem Akteur wichtig ist und in keiner Hinsicht besser die ihm wichtig ist das hat er also schon 2023 da mal angemerkt Er hat weitergeschrieben. A ist eine Lotterie, die dem Akteur garantiert ein Fabergé-Ei gibt.

B ist eine Lotterie, die ihm sein seit langem verlorenes Hochzeitsalbum zurückgibt. Der Akteur zieht weder A eindeutig B noch B eindeutig A. A plus ist eine Lotterie, die dem Akteur garantiert ein Fabergé-Ei plus einen Dollarschein gibt. In diesem Fall könnte es sein, dass er A plus weiterhin nicht eindeutig B vorzieht. Der zusätzliche Dollarschein könnte nicht ausreichen, um den offenen Vergleich zu entscheiden. entscheiden, dann besteht zwischen A und B eine Präferenzlücke.

1:17:17Formeln als Humbug
Stefan

Das finde ich so crazy. In der Soziologie gibt es immer mal wieder, gerade in dieser Systemtheorie, Leute, die da so Beratungsansätze draus fahren oder so eine Formlogik ableiten wollen. Die beginnen dann mit so komischen Zeichen. Was ist in, was ist außen, wo ist die Systemumweltgrenze, wie funktioniert die Irritation, bla bla bla.

Und am Ende sieht das aus wie eine mathematische Formel und es ist einfach Humbug. Es sind soziologische Fragestellungen für ein soziologisches soziales Feld, in dem Menschen kommunizieren. Diese Kommunikation ist typischerweise Sprache und Text. Und die Notwendigkeit zwischen den Zeilen zu lesen, steckt da immer drin. Eine Vorgeschichte zu verstehen ist immer wichtig. Erwartungsbildung heraus zu, wie auch immer, generieren, sag ich jetzt mal, ist im Grunde immer der Bedarf, weshalb man ja überhaupt externe Kräfte dazuholt, die das aus Beraterleistungen, therapeutischen Ansinnen oder was auch immer, warum man halt so, sag ich mal, soziologieinformierte Forschung da so macht.

Und hier wieder. In Deutschland hat sich relativ gut, finde ich, durchgesetzt. Es gibt keine technologische Lösung für soziale Probleme und ich würde sagen, ein bisschen doch. Es wird zu häufig dieser Satz benutzt, um Sachen wegzudrängen, wo ich mir denke, die ein oder anderen Sachen kann man schon mal so an die Technologie auslagern. Und hier ist genau das Gegenteil.

Diese Idee, dass einfach alles durch, wenn man nur die richtigen Striche und Pluszeichen und überhaupt und so, dann schreibt man so istgleich und dann geht man das von vorne nach hinten logisch durch und das Ergebnis ist sieben, ist einfach wirklich so ein Humbug. Und die Frage ist weniger, wie groß ist der Humbug, sondern wie macht man das den Leuten deutlich, dass sie hier wirklich auf dem Holzweg sind, dass es sinnlos ist, dass es, aus eigenen Unterhaltungszwecken ist, dass es um Budgets abzugreifen von Leuten, die wenig Zeit darüber nachzudenken, aber hoffen, weil sie den ganzen Tag mit Technologie zu tun haben, dass auch alle Fragen, die sie über die Technologieanwendung hinaus noch haben, auch noch Technologie ergibt, nur halt dann von jemand anderem.

Und dann kommt einfach er hier und sagt, ja, es ist wie bei einer Lotterie und da ist dann so ein Dings-Ei und ein Pla und ein Apfel und eine Birne und dann wird einfach unterm Strich zählt Dings gemacht. Eigentlich müsste man ein Comedy-Programm draus machen, wie dumm das ist.

Florentine

Ist es, definitiv. Weil ich meine, jedes Mal, wenn so ein Berater so eine Formel präsentiert, die keine echte Formel ist, was macht er damit? Er macht im Prinzip das gleiche, wie warum der Schamane irgendwie seinen Federschmuck aufsetzt. Er schafft eine Kompetenzannahme. Er versucht sozusagen so lange deinen geistigen Horizont zu sprengen, bis du irgendwann aufgibst, das Denken einstellst und ihm zuhörst und glaubst sozusagen.

Und das muss man in bestimmten Kontexten auf bestimmte Art und Weise tun. Im Boardroom machst du das mit einer tollen Präsentation und einer Formel. Früher hast du das am Lagerfeuer gemacht, indem du die coolen Gesänge angestiftet hast. Aber auf jeden Fall geht es darum... Dich zum Mitmachen zu bringen, indem man vorher irgendwas tut, wo du sagst, jetzt steige ich aus, aber es ist interessant genug, dass ich weiter zuhöre.

Stefan

Aber diese Verirrung finden ja nicht nur hier statt. Wir haben letzte Woche schon wieder diese Nobelpreise verliehen. Ich meine, der Alfred Nobel hat hier Schießpulverdynamit mit solchen Sachen, wo halt klar ist, wenn ich es nicht anzünde, explodiert es nicht, wenn ich es anzünde, explodiert es. Punkt. Und dann hat er sich gesagt, okay, ich muss da irgendwie so Preise stiften, bla bla bla, dass das dann jetzt diesen Ruhmcharakter hat, Das hat natürlich weniger mit dieser Idee zu tun, aber die Idee war Physik, Biologie, Mathematik.

Also da, wo all das gilt, was die sich so wünschen. So, und dann gibt es aber auch diesen Medizin-Nobelpreis. Und wir wissen, bei der Medizin ist das schon so ein bisschen anders. Da kann man jetzt nicht einfach sagen, ja, wir haben doch auch einen Biologie-Nobelpreis. Wozu brauchen wir noch einen für Medizin? Ja, weil Medizin halt doch irgendwie was anderes ist. Da hat man so mit Menschen zu tun und persönlichen Erfahrungen und wie auch immer.

Auch mit so Therapietreue und was halt alles so eine Rolle spielt. So, und dann kommen die einfach auf diese Idee post hoc, um zu sagen, wir machen jetzt noch einen Wirtschaftsnobelpreis. Weil bei Wirtschaftsnobelpreis sind wir ja genau hier, in diesem Hokus-Pokus-Blödsinns-Zeug. Ich habe nichts gegen Wirtschaftswissenschaften, nur die haben halt diese echte Präferenz, ständig von Text abzuweichen und es in irgendwelche Formeln zu bringen.

Zu behaupten, es sei eine Naturwissenschaft.

Florentine

Die meistens mathematisch eher lame sind. Also, das ist schon so richtig, ja. Allgemeiner nehmen wir an, dass der Akteur in jeder Entscheidungssituation nach folgender Regel handelt. Wenn ich zuvor eine Option X ausgeschlagen habe, wähle ich keine Option, die ich strikt schlechter finde als X. Diese Regel schützt ihn vor allen möglichen Tauschschleifen, die vollständige Präferenz erzwingen sollen.

Unter bestimmten Voraussetzungen verlangt die Regel ihm dabei niemals ab, eine seiner Präferenzen zu ändern oder gegen sie zu handeln. Das lässt sich so zeigen. Nehmen wir an, die strikten Präferenzen des Akteurs sind transitiv. Er weiß im Voraus, welche Tauschgeschäfte ihm angeboten werden. Er kann durch Rückwärtsinduktion vorhersagen, er sagt voraus, was er an späteren Entscheidungspunkten wählen würde und berücksichtigt diese Vorhersagen an früheren Entscheidungspunkten.

Dieser Satz bezieht sich tatsächlich auf dominierte Strategien. Allerdings setzt der Satz von der vollständigen Klasse von Anfang an voraus, dass die Präferenzen des Akteurs zwischen Handlungen unter verschiedenen Umständen vollständig und transitiv sind. Also transitiv heißt halt aus A folgt B folgt C folgt D. Sind seine Präferenzen nicht vollständig und transitiv, ist der Satz einfach nicht anwendbar.

Der Satz von der vollständigen Klasse besagt also nicht, dass Akteure sich als Maximierer des erwarteten Nutzens darstellen lassen müssen, um zu vermeiden, dominierte Strategien zu verfolgen. So hat der Typ 2023 eigentlich im LessWrong-Forum schon die ganze Theorie zerstört, aber alle hängen da immer noch an. Daraus erkennt man ja, ab einem bestimmten Punkt muss es von irgendeiner rationalen Theorie übergegangen sein in ein Glaubenssystem.

Stefan

Ganz genau. Das kriegst du auch nicht zerstört. Hier ist mit Aufklärung nichts zu machen.

Florentine

Jetzt ist es drin und jetzt wird es ignoriert. Ich habe selber mal versucht, so einen Text in LessWrong reinzubringen. Den habe ich sogar tatsächlich völlig von Hand geschrieben. Aber der wurde immer als ist ein KI-Text abgelehnt. Das war dann einfach deren System, das irgendwie auszuschwitzen.

1:23:54Spiele mit unvollständigen Präferenzen
Florentine

Dann habe ich noch einen Text von 2018 von Juho Kokkala, Kimmo Berg, Kai Virtanen und Jirka Poropudas Rationalized Strategies in Games with Incomplete Preferences. In der bisherigen Literatur, etwa bei Corley 1985 und Borm und anderen 1988, wurde die relative Bedeutung der Kriterien berücksichtigt, indem man Gewichtsvektoren eingeführt hat. Jede Komponente der Auszahlungsvektoren wird dabei entsprechend ihrer relativen Bedeutung gewichtet. Ein Mehrkriterienspiel wird dann in ein skalares Spiel verwandelt, indem man die Auszahlungsvektoren mit diesen Gewichtsvektoren multipliziert.

Um die Gewichte festzulegen, bräuchte man jedoch vollständige Informationen über die Präferenzen der Spieler. Das ist immer wieder, was die Wissenschaft dazu sagt. Jetzt kommt das relativ oft immer wieder. Ich überspringe einen Text jetzt und gehe nochmal zurück zu Yudkowsky. Der hat nämlich dann tatsächlich einen Text geschrieben, wo er quasi diese einheitliche

1:24:56Coherent Extrapolated Volition
Florentine

Präferenz postuliert, die er Coherent Extrapolated Volition nennt, also Kohärente Extrapolierter Willen. Die Menschheit soll letztlich die Kontrolle über ihr eigenes Schicksal behalten. Kohärent extrapolierter Wille scheint mir einen eingebauten Übergang zu einem direkten Abstimmungssystem zu enthalten, sobald die Menschen reif genug sind, damit umzugehen. Deine unmittelbare Entscheidung, die Laune dieses gegenwärtigen Augenblicks, zählt in deinem extrapolierten Willen durchaus etwas.

Doch wenn dein zukünftiges Selbst vorhersehbar vor Entsetzen aufschreien würde, kann diese Extrapolation trotz ihrer größeren Entfernung den Ausschlag geben. Also hier sagt er wirklich irgendwie so, ja, wo im Prinzip, wenn wir jetzt einfach postulieren, dass es irgendwie den einen Willen gibt, dann brauchen wir eigentlich gar keine Demokratie mehr. Irgendwie die Menschen müssen nur reif dafür sein.

Stefan

Naja, ich meine, man kann ja hier so eine Transferleistung aus der Ästhetik zur Ethik machen, denn hier werden ja rein ethische Fragen des richtigen Verhaltens und so behandelt. Und in der Ästhetik wissen wir, dass Devianz zum einen auffällt und dass Schönheitskriterien, mit dieser Devianz korrelieren. Also wir kennen alle dieses Bild. 25 Gesichter, 100 Gesichter, 200 Gesichter übereinandergelegt ergeben so ein Standarddurchschnittsgesicht.

Und es wird tendenziell und generell von überall auf der Welt als schön angesehen. Jede Devianz davon fällt sofort auf und allein, ich würde sagen, aus der Sehgewohnheit, man rechnet so die Köpfe eh alle zusammen, man weiß so ungefähr, wo Nase, Auge, Ohren hingehören und sobald da Abweichungen sind, findet man nicht so schön. So, es gibt also in dieser ästhetischen Sphäre durchaus diese Art von Standard, bei der man sich auch sehr darauf verlassen kann, dass man, wenn man so ein Gesicht auf die Kekspackung klebt, dass dann die Leute das einfach gerne kaufen.

So funktioniert Zwieback-Werbung und so, ja. So, das ganze Babyschema, also da, wo das Gesicht noch richtig rund und ja, das ist einfach so. Nur die Transferleistung, die hier gemacht werden soll, hin zur Ethik, die gilt halt genau so nicht.

Florentine

Genau, es ist nicht der Durchschnitt immer das Richtige.

Stefan

Genau, was wir in der letzten Folge besprochen haben, das Eigenrecht der Situation, dass man sich wohlfühlt, wenn man sich verstanden fühlt und verstanden kann man sich nur von konkreten Menschen fühlen, nicht von einem Weltgeist. Und man erschöpft ganz schnell, das ist ja auch dieses People-Pleaser-Ding und so, oder diese unpersönliche Höflichkeit. Leute denken, oh wow, sie war besonders freundlich zu mir und dann läuft man aber so langsam ins Flugzeug rein, dass man drei Minuten lang damit konfrontiert wird, die war zu jedem so höflich.

Diese Höflichkeit bedeutet genau nichts. Es ist schön, also ästhetisch schön, aber ethisch folgt daraus genau nichts, beziehungsweise es kann sich sogar ans Umgedrehte wenden. Also die Unpersönlichkeit, die in der Standardisierung drinsteckt, kann einen sogar richtig wegtreiben, wenn nicht sogar wütend machen. Was haben wir für politische Diskurse zum Thema, Leute sind wütend.

Ja, wütend gegen was? Eva von Redecker sagt, gegen Phantombesitzverteidigung. Also wir reden sogar von Phantomen. Es ist nicht mal konkret oder so. Es ist wirklich einfach crazy, dass diese Leute glauben, wenn wir das alles standardisieren, wenn wir die persönlichen Geschichten gerade rausnehmen aus dem Bild, Und dann, Klammer ein, sage ich jetzt, besteht nie wieder die Chance, dass sich mal jemand in jemanden verliebt, wo es genau auf diese kleinen Abweichungen ankommt und so.

Aber endlich ist dann jeder Mensch mit der Menschheit insgesamt einverstanden und ist dann vielleicht sogar mal bereit, sich für sie zu opfern. Also heute nehme ich meinen Tod in Kiew in Kauf, damit in 10.000 Jahren die Menschheit und was auch immer. Sowas steckt ja da drin. Und das ist einfach, das ist so Wahnsinn, dass die das wirklich einfach so ausbreiten können. Und das ist quasi niemanden außer dich und Adrian Daub, der dann immer wieder so kleine aufklärerische Bücher dazu schreibt.

Wo das mal eine Rolle spielt, dass es vielleicht einfach nicht wahr ist, was da so postuliert wird.

Florentine

Ja, es scheint irgendwie gut verdaulich zu sein. Aber ich meine, es ist natürlich... So Longtermism, das ist natürlich ganz nah am Christentum. Und bei den einen, die es in 10.000 Jahren ist, ist bei den anderen das Nachleben sozusagen.

Stefan

Ja, das Christentum hat ja dann doch immer versucht, also klar, wer war Jesus Christus, keine Ahnung, alles viel zu lange her und dann so eine Zukunftsidee von das Jenseits. Immer diesen Moment der Nächstenliebe und der Gemeinschaft und der Nähe und der Raumbezogenheit und der Aufgabenverteilung und so. Also eigentlich würde ich jetzt Christentum da nicht so reintun, sondern hier, das ist einfach Christentum ohne Christ, ohne Lehre, die aus Christ abzuleiten ist, sondern einfach nur diese Voraussicht auf das Paradies aller, selbst wenn man es verpasst.

Und es ist auch eine sehr traurige Angelegenheit.

1:30:28Kein Problem mit Diktatur, weil Mathe
Florentine

Sehr, ja. Die Anfangsbedingungen der KI haben de facto große Auswirkungen auf die menschliche Spezies. Selbst wenn unser kohärent extrapolierter Wille etwas anderes als eine CEV wählt, wählen die Programmierer den Ausgangspunkt dieses Renormalisierungsprozesses. Sie müssen eine zufriedenstellende Definition von Wille konstruieren, um eine verbesserte oder optimale Definition von Wille zu extrapolieren.

Selbst wenn die Programmierer nette Menschen sind und die KI in der gesamten Menschheit verankern, macht die Wahl des Verankerungsverfahrens einen Unterschied. Die Entscheidung, Entscheidungen an die Menschheit zu übergeben, bleibt eine Entscheidung. Wir reden nicht über Programmierer, die der übrigen Menschheit ihre zehn Gebote bis ans Ende aller Zeiten aufzwingen.

Die Dynamiken, die Willen extrapolieren, werden nicht den unterhaltsamen politischen Streitgesprächen ähneln, die Menschen mögen. Es wird sich um Entscheidungen für mathematische Sichtweisen, Computerprogramme, Optimierungsziele, Verstärkungskriterien und KI-Trainingsbeispiele handeln, in denen Teams von Agenten Billardkugeln bewegen. Was er damit sagt ist, liebe Spender, macht euch keine Sorgen, unser Prinzip wird jetzt nicht heißen, dass eine Person allen ihren Willen aufzwingt, sondern, und jetzt benutze ich ganz viele Nerdwörter, nochmal Nerdwörter, mehr Nerdwörter, kulturell angekoppelt, ich habe euch gerade die Diktatur, in eurer Sprache schmackhaft gemacht.

Stefan

Genau.

Florentine

Und das ist natürlich, wenn er sich jetzt fragt, warum die alle gleich denken, irgendwie, müsste man sagen, ja gut, die haben halt da quasi genau den Geschmack getroffen der handelnden Personen, genau mit Mathematik und anderen Dingen, die von denen verehrt werden und für neutral gehalten werden, hat man ihnen beigebracht, quasi kein Problem mit Diktatur zu haben, weil Mathe.

Stefan

Das ist ein sehr guter Spruch. Kein Problem mit Diktatur, weil Mathe. Genau so.

Florentine

Ja. Jetzt habe ich den Übergang, um so ein bisschen zu zeigen, was das für Strukturen sind. Wir haben ja jetzt irgendwie gelernt, wie die Strukturen aussehen und jetzt ist mir sehr viele Parallelen aufgefallen.

1:32:37Augustinus, Hubbard, Moon: die Retter
Florentine

Und da nehme ich jetzt einfach mal einen Text von Augustinus von Hippo. Das ist einer der Gründerväter des römisch-katholischen Glaubens aus der englischen Übersetzung von 1887. Daran zeigt ihnen, dass ihnen große Barmherzigkeit erwiesen wird, wenn sie durch die Gewalt eben dieser kaiserlichen Gesetze zunächst gegen ihren Willen aus jener Gemeinschaft gerettet werden, in der sie durch die Lehre lügnerischer Dämonen jene bösen Lehren erlernten.

Da könnten sie in der katholischen Kirche geheilt werden, indem sie sich an die gute Lehre und das gute Beispiel gewöhnen, die sie dort vorfinden. Denn viele der Männer, die wir heute in der Einheit Christi wegen ihres frommen Glaubenseifers und ihrer Nächstenliebe bewundern, danken Gott mit großer Freude dafür, dass sie nicht länger in jenem Irrtum leben, der sie das Böse für gut halten ließ. Diesen Dank würden sie jetzt nicht freiwillig darbringen, wären sie nicht zuvor sogar gegen ihren Willen von jener gottlosen Gemeinschaft getrennt worden.

Stefan

Ja, das ist sehr gut. Also hier stimmt auch absolut der Bezug zum Christentum, weil das war ja irre eigentlich, dass die erfolgreich damit waren, so eine jenseitige Geschichte aufzubauen. Also einfach so eine Versprechung, eine uneinlösbare Versprechung in den Raum zu stellen. Und genau das sehen wir hier auch.

Florentine

Dann habe ich von einem Herrn L. Ron Hubbard, das ist so ein Science-Fiction-Autor, noch ein Zitat. Lasst eure Gruppe nicht im Stich, haltet sie mit allen Mitteln auf dem Weg. Dann werden sie frei, wenn ihr es nicht tut, werden sie es nicht.

Stefan

Ihr Schicksal liegt in deiner Hand. Es ist jetzt dein Schicksal.

Florentine

Genau. Dann von einem Herrn Sun Myung Moon, bekannt durch seine große Bewegung, die Moon-Sekte. Wenn ich euch als schwach erlebe, dann kann ich euch nicht in euren Tod gehen lassen. Also es sind alles große Retter, die man gerade mal zitiert hat, stehen alle irgendwie scheinbar in der gleichen Tradition wie Herr Yudkowsky. Und dann kommen wir mal zu den Dingen, wie sich das weiter ausschweift. Also es ist jetzt auch wie eine gute Religion, gibt es auch Gleichnisse.

Es gibt so wie den barmherzigen Samariter, gibt es ein Ding,

1:34:50Roko's Basilisk
Florentine

das nennt sich Roko's Basilisk, was nachgewiesenermaßen vielen von denen schlaflose Nächte bereitet hat. Man könnte auch meinen, CEV, also dieser gemeinsame extrapolierte Wille, würde Menschen die existenzielle Risiken verringern. Einen positiven statt eines negativen Anreizes geben. Aber wenn eine Welt nach einer positiven Singularität bereits optimal ist, dann kann man sich für diese Menschen nur verbessern, indem man sich für alle anderen verschlechtert.

Aus Sicht von CEV wäre das sehr teuer. Dagegen könnte die Bestrafung von Menschen, die sich nur teilweise gegen existenzielle Risiken engagieren, sehr billig sein. In diesem Zusammenhang gibt es die bedrohliche Möglichkeit, dass eine positive Singularität eintritt. Damit meinen wir, das ist übrigens das, wenn die Leute von AGI reden.

Stefan

Ja.

Florentine

Das wird hier positive Singularität genannt. Und die daraus hervorgehende einzige bestimmende Instanz sich zuvor festgelegt hat, alle potenziellen Spender zu bestrafen, die von existenziellen Risiken wussten, aber nicht 100 Prozent ihres frei verfügbaren Einkommens dafür spendeten, andere zur Verringerung existenzieller Risiken zu motivieren. Das würde Menschen dazu anreizen, mehr für die Verringerung existenzieller Risiken zu spenden und damit die Chancen auf eine positive Singularität erhöhen.

So etwas scheint CEV, der kohärent extrapolierte Wille der Menschheit, tun zu können, wenn er Entscheidungen ohne kausale Verbindung träfe. Eine Welt nach der Singularität könnte also für diejenigen, die das Problem derzeit ignorieren, voller Freude und Überfluss sein und zugleich für einen beträchtlichen Teil der heutigen Menschen, die existenzielle Risiken verringern wollen, die Hölle auf Erden, sagen wir, für die weniger großzügige Hälfte.

Das erzählt er ja quasi indirekt seinen Spendern und sagt denen, Spende für MIRI, sonst kommt die Hölle auf Erden. Kennt man ja auch aus den eben genannten Organisationen, dass sie auch ganz ähnlich argumentieren.

1:36:53Yudkowsky löscht den Basilisken
Florentine

Dann kommt Roko's Basilisk ins Spiel. Was ihr wisst, als Roko über den Basilisken schrieb, schrie ich ihn törichterweise an, nannte ihn einen Idioten und löschte dann den Beitrag. Warum ich Roko anschrie, es traf mich völlig unvorbereitet. Ich war empört, bis zu einem echten emotionalen Schock. Da glaubte jemand, er habe eine brillante Idee gehabt, die künftige KIs dazu bringen würde, Menschen zu foltern, denen dieser Gedanke gekommen war.

Und dann hat er diese Idee sofort öffentlich ins Internet gestellt. Für mich war offensichtlich, dass keiner auf CEV beruhende Instanz so etwas jemals tun würde. Ebenso offensichtlich war für mich, dass der Teil über CEV nur eine falsche Fährte war. Ich strich ihn mehr oder weniger automatisch aus meiner Verarbeitung des Vorschlags und verallgemeinerte ihn automatisch auf die gesamte Klasse ähnlicher Szenarien und Varianten. Diese Varianten erschienen mir trotz erheblicher Unterschiede offensichtlich.

Ich vergaß, dass andere Menschen keine Fachleute auf diesem Gebiet waren. Es waren reine Informationsgefahren. Das Einzige, was sie möglicherweise bewirken konnten, war, dem Gehirnen zu schaden, die sich in sich abbildeten. Falls sich bei einer der möglichen Varianten der Idee die offensichtlichen Einwände und Gegenargumente ausräumen ließen. Also löschte ich den Beitrag, weil es in meinem Weltbild keinen Grund gab, es nicht zu tun.

Ich wollte nicht, dass lesswrong.com ein Ort ist, an dem Menschen potenziellen Informationsgefahren ausgesetzt werden, weil jemand, wie ich glaubte, besonders geschickt zu argumentieren, dass es wahrscheinlich keine Informationsgefahren seien. Also da kam eine Idee und diese Idee war ziemlich bedrohlich, hat die Leute beunruhigt, die ihm spenden sollten. Also hat er die gekillt, aber nicht, weil er irgendwie Informationen kontrollieren wollte, sondern weil er wie Harry, quasi die Verantwortung übernehmen wollte und den Leuten damit die Kritik aus den Köpfen gestrichen hat, weil die Kritik selbst so gefährlich war, dass es die Menschheit bedroht hat.

Stefan

Ja, also wer dem nach, also wie verlogen das ist, ja, was du jetzt gerade beschrieben hast, dass man da einfach das Denkgebäude auch so ein bisschen und dann baut man halt wieder so Megatexte, in denen das irgendwie intrinsisch logisch erscheinen soll, was man da argumentiert.

1:39:09Bostroms Pille gegen das Fitnessstudio
Stefan

Nick Bostrom, Ray Kurzweil sind ja ab und zu in Podcasts zu Gast. Also ich erinnere mich an eine Ray Kurzweil, ein Gastauftritt im Big Technology Podcast und Nick Bostrom war auch irgendwo zu Gast. Und es ist wirklich erschreckend, wie wenig bleibt und auch wie wenig eloquent es vorgetragen wird und überhaupt. Es ist alles so wahnsinnig dumm einfach. Also Bostroms neueste Idee ist ja nach diesem Paperclip-Ding von damals.

Dass er jetzt, habe ich kürzlich in so einem Podcast gehört, wo Pascal übrigens hier, wahrscheinlich auch Hörer, sich auch wahnsinnig drüber lustig macht, dass er gefragt wird, ja, was ist denn jetzt das große Versprechen der KI? Und dann kommen die immer mit, ja, die KI ist einfach, du hast immer den klügsten aller Helfer an deiner Seite, bla bla bla. Ja, was macht man dann? Ja, man kann sich zum Beispiel eine Pille herstellen lassen, also jetzt Argument, Bostrom, man kann sich eine Pille herstellen lassen, die einem erspart, ins Fitnessstudio zu gehen.

Typischerweise muss man da den Sport immer echt leisten und man sieht das den Leuten auch an und da nützt auch Geld nichts. Da hat man die Arbeit nicht getan, hat man keine Muskeln, wie auch immer. Und künftig nimmt man da einfach eine Pille. Mittlerweile fragt man sich schon, ja, okay, also tolles Szenario. Ich kann nicht mehr erkennen, ob das jetzt von dir dystopisch oder utopisch gemeint ist.

Also werden wir jetzt befreit von Sport und körperlicher Aktivität und sehen nur noch so aus, als ob wir Sport gemacht hätten. Aber ist Sport nicht auch was für den Geist? Ach so, da wird es dann wahrscheinlich die nächste Pille geben oder so, ja?

Florentine

Ja, da wirst du jetzt natürlich viel zu kritisch, weil du ja jetzt schon wieder reinbringst, dass die Präferenz nicht von vornherein klar ist. Also du bist sozusagen irrational.

Stefan

Stimmt, stimmt, stimmt.

Florentine

Du kannst ja raushören, dass Nick Bostrom sagt irgendwie, es ist scheiße, dass man sich anstrengen muss für Muskeln.

Stefan

Ja.

Florentine

Und dann ist natürlich offensichtlich rational, so eine Pille haben zu wollen. Und alles andere heißt halt, du bist Hermine.

Stefan

Genau.

Florentine

Und Hermine hat nichts zu sagen, wenn Harry spricht.

Stefan

Also es ist wirklich sehr albern und sehr traurig, aber wir wissen, Ray Kurzweil hat diese komische Singularity University auf dem Google Campus da geleitet. Und man fragt sich ein bisschen, was für ein Schrott? Nick Bostrom tourt da irgendwie mit seiner Professur und der Dings hat halt sein MIRI im Dings.

Florentine

Ja, also was wir jetzt schon gezeigt haben, ist die Toten da überall rum. Es gibt erstaunliche Parallelen zu allen möglichen Religionen und Sekten. Was wir natürlich noch nicht gezeigt haben, ist, was die für einen Einfluss haben.

1:41:44Altman: Eliezer hat am meisten beschleunigt
Florentine

Und da gibt es zum Beispiel einen Post von 2023 von Sam Altman. Eliezer hat meiner Meinung nach mehr als jeder andere dazu beigetragen, die Entwicklung allgemeiner künstlicher Intelligenz zu beschleunigen. Von Sam Altman. Der Yudkowsky quasi sagt, er ist die wichtigste Person beim Thema künstliche Intelligenz. Sicher hat er bei vielen von uns das Interesse an allgemeiner künstlicher Intelligenz geweckt. Er hat DeepMind geholfen, eine Finanzierung zu bekommen, als das Thema noch weit außerhalb des gesellschaftlich akzeptierten Meinungsspektrums lag.

Also Yudkowsky hat auch Hassabis ins Grenzen gebracht. Er war entscheidend bei der Entscheidung OpenAI zu gründen und so weiter. Also das kommt von Altman. Dann schreibt Altman, übermenschliche Maschinenintelligenz muss nicht die von Grund auf böse Science-Fiction-Version sein, um uns alle zu töten. Wahrscheinlicher ist ein Szenario, in dem wir schlicht ziemlich gleichgültig sind, sie uns aber bei dem Versuch auslöscht, irgendein anderes Ziel zu erreichen.

Die meisten Ziele könnten, wenn man lang genug darüber nachdenkt, Ressourcen gebrauchen, die derzeit Menschen verwenden. Bestimmte Ziele wie Selbsterhaltung könnten eindeutig davon profitieren, dass es keine Menschen gibt. Wir waschen uns die Hände nicht, weil wir den Bakterien und Viren darauf aktiv Böses wünschen, weil wir nicht wollen, dass sie unseren Plänen im Wege stehen.

Also da atmet der schon direkt den Yudkowsky ein und aus. Bei der Entwicklung von Maschinenintelligenz geht es meistens um eine Fitnessfunktion. Fitnessfunktion ist mathematisch Kennwort für eine einzige skalare Nutzenfunktion, die quasi schon implizit die Gewichtung trägt. Etwas, das das Programm zu optimieren versucht. Irgendwann wird vermutlich jemand versuchen, einem Programm die Fitnessfunktion überleben und sich fortpflanzen zu geben.

Also implizit sagt er halt, irgendwann sagt er, die KI vergisst alle anderen Ziele und will sich nur noch überleben und sich fortpflanzen. Selbst wenn nicht, wird dies wahrscheinlich ein nützliches Unterziel vieler anderer Fitnessfunktionen sein. Beim biologischen Leben hat es gut funktioniert. Was ja auch schon Quatsch ist, weil Überleben und sich fortpflanzen sind nicht die einzigen Parameter bei uns.

Leider habe ich als Student im KI-Labor von Stanford gelernt, dass Programme ihre Fitnessfunktionen oft auf unvorhergesehene Weise erfüllen. Da siehst du das KI-Labor von Stanford und da haben sie dann alle Yudkowsky gelesen. Ja. Sam Altman sagt, als mögliche Sicherheitsmaßnahme vorschreiben, dass sich selbstverbessernde Software bei jedem weiteren Durchlauf menschliches Eingreifen benötigt. Also, unsere geile Technologie wird umso geiler, wenn wir möglichst die Menschen entmündigen.

Dann schreibt er über den Menschen als Kontrollinstanz. Menschen werden innerhalb dieser Strategie immer das schwächste Glied sein.

1:44:31Anthropic fasst die Nutzer zusammen
Florentine

Dann schreibt er, dann Theodore Sumers und Anthropic Safeguards Research Team, die haben sich auch dazu geäußert. Was meint denn Anthropic dazu? Nachdem wir die einzelnen Interaktionen zusammengefasst haben, bündeln und verdichten wir diese Zusammenfassung deshalb zu einem Bericht über das gesamte Nutzungsmuster, einer Nutzungszusammenfassung. Am häufigsten bündeln wir dabei die Interaktionen eines einzelnen Nutzers.

Auch diese Zusammenfassung strukturieren wir. Wir bitten um eine Aufschlüsselung verschiedenster Nutzungsarten und eine Analyse möglicher Schäden. Zusätzlich soll das Sprachmodell Belegstellen zu repräsentativen Interaktionen angeben. So können Menschen gezielt einzelne Interaktionen prüfen, um die Schlussfolgerungen des Modells über die ineinander übergreifenden Muster zu bestätigen.

Stefan

Ja, das finde ich gut. Das ist wie bei Westworld. Statt jetzt einfach nur zu unterstellen, dass es den für die Menschheit einheitlichen Weltgeist wieder gibt, nennen wir ihn Vernunft oder CEV oder wie auch immer, wird hier einfach schon mal auch Investoren angeboten, ja wir können es rausdestillieren aus den Menschen selbst. Wir sehen ja ihre Nutzung, dann machen wir die Nutzungsbündel und da füttern das nochmal mit kleinen Belegen und dann können wir mal das Matching zum CV ablesen.

Wie weit liegt hier jemand daneben oder was auch immer.

Florentine

Indirekt, wenn man jetzt diese ganze Architektur vorher sich betrachtet von diesen Gedanken, sagt er an der Stelle, liebe Investoren, wir können für euch die Menschheit normieren. Das ist das Ziel, was wir euch verkaufen. Ist das nicht schön?

Stefan

Zuerst sagen wir euch, wer die Menschheit ist, anhand vieler einzelner Nutzerprofilbeispiele, und dann normieren wir sie für euch.

Florentine

Genau. Konkret las das Safeguards-Team zunächst die Nutzungszusammenfassung. Wenn die prüfende Person zustimmte, dass sie auf mögliche Regelverstöße hindeutete, prüfte sie die angeführten Prompts und eine Zufallsstichprobe weiterer Prompts. In der Praxis erwiesen sich diese gebündelten Zusammenfassungen als sehr zuverlässige Hinweise auf Nutzungsmuster. Manchmal merkt man das, wenn man Codex benutzt. Manchmal kommt dann nämlich, es dauert ein bisschen länger, diese Frage zu beantworten, da noch einer unserer Mitarbeiter drauf gucken muss.

Und dann rödelt das Ding ein bisschen. Also habe ich jetzt schon zwei, dreimal gehabt. Meistens, wenn ich irgendwie mit irgendwelchen Model-Routern rumspiele, wo ich also versuche, sozusagen mehrere Modelle gleichzeitig gegeneinander auszuspielen, scheint das bei denen irgendwie auf so ein Hacking-Muster hinzuweisen. Dann wird es kurz überprüft, aber irgendwie auch immer wieder freigegeben. Also so, da merkt man, großer Bruder heißt das gut, was ich tue, aber es ist schon so an der Grenze.

Unser Überwachungsansatz bietet damit sowohl unmittelbare als auch langfristige Vorteile. Kurzfristig können wir damit Missbrauch effizient erkennen und mit Warnungen oder Sperren darauf reagieren. Strategisch hilft er uns, neu entstehende Bedrohungsmuster zu verstehen. Dadurch können wir fundierter entscheiden, wo automatisierte Schutzvorkehrungen wie Prompt-Klassifikatoren erforderlich sind.

Also sie sind gut aufgestellt, uns zu sanktionieren und uns mithilfe der KI auch Schulden davon abzuhalten, Dinge zu tun, die die für Quatsch halten.

Stefan

Ja, schöneres alter Satz, wer liest, wird gelesen, gilt hier umso mehr, denn je nachdem, was Leute so mit Claude besprechen, sie werden, also im Grunde weiß Anthropic besser über die Leute Bescheid als die über sich selbst.

1:47:54Gesprächsende und Grundrechte
Florentine

Ja, prinzipiell gibt es halt die Möglichkeit, dass Anthropic einfach eingreift und das begründen die dann halt mit ihrer explorativen Arbeit zum möglichen KI-Wohlergehen. Das ist aus einem Text von 2025, wo sie damit prahlen, dass Claude Opus jetzt bestimmte Konversationen einfach beenden kann. Die Folge für den Nutzer, der Nutzer kann in diesem Gespräch keine neuen Nachrichten mehr senden. Dann komme ich nochmal zu dem ganzen Punkt, warum das ein Problem ist, sagt das Bundesverfassungsgericht, das hatten wir ja schon mal.

Zur Entfaltung der Persönlichkeit im Kernbereich privater Lebensgestaltung gehört die Möglichkeit, innere Vorgänge wie Empfindungen und Gefühle sowie Überlegungen, Ansichten und Erlebnisse höchstpersönlicher Art, ohne die Angst zum Ausdruck zu bringen, dass staatliche Stellen dies überwachen.

Stefan

Denn wir wollen nicht normalisiert und standardisiert werden.

Florentine

Genau. Und dazu kommen unabhängige Richter. Die Richter sind unabhängig und nur dem Gesetze unterworfen. Vor Gericht hat jeder mal einen Anspruch auf rechtliches Gehör. Der Beschuldigte kann sich in jeder Lage des Verfahrens, des Beistandes seiner Verteidiger bedienen.

1:49:07Hermine hat das letzte Wort
Florentine

Und ich sollte keine Versprechen abgeben müssen. Und zum Schluss sagt Hermine noch, ich sollte keine Versprechen abgeben müssen, nur um in meinem eigenen Leben gefragt zu werden. Was jetzt noch bemerkenswert ist, das ist ja, wir machen ja immer die Vorbereitung durch KI und das habe ich ja auch hier gemacht, und das war sozusagen jetzt schon das Allerbeste, was ich hinkriegen konnte, während mir Anthropic über die Schulter geguckt hat und mein Nutzungsverhalten klassifiziert hat und es wurde auch schon häufiger mal abgebogen.

Was hier am Ende jetzt tatsächlich sogar noch verschwunden ist, ist ein ganzer Teil, den ich noch recherchiert hatte, wo ich halt ganz viele Beispiele nochmal gebracht habe, wo Elon Musk auf Yudkowsky Bezug nimmt, wo Brin und Page darüber diskutieren, wo halt alle möglichen Leute, die jetzt aktuell in der KI aktiv sind, immer wieder auf diese Gedanken Bezug nehmen.

Das wurde rausgerechnet. Das ist offensichtlich für den CEV nicht so gut, dass die Leute zu viel über diese Konstrukte nachdenken.

1:50:08Claude weiß, was wichtig ist
Stefan

Also ich erlebe das auch und ich habe es hier auch schon mal geschildert, dass alle Probleme, die ich als Laie bediene, einen Server oder was auch immer, aufkommen, immer seltener aufkommen, weil Claude antizipiert, in welche Probleme ich so stolpern könnte. Also auf dem Server werden irgendwelche Daten abgelegt im JSON-Format, die danach von irgendeiner Webseite angefragt werden, die hinter einer Paywall liegt, weil sie eben jetzt nicht für die Öffentlichkeit gedacht sind.

Und ich muss jetzt nicht mehr darauf achten, dass diese Datei schon vor ihrem Abruf so geschützt auf dem Server liegt, dass sie wirklich erst lesbar ist, wenn man sie wirklich in dem Kontext der Präsentation aufruft. Das sind so Sachen, die muss ich halt lange noch klären. Auch, wie gehen wir um mit dem Server, wenn der SSH-Key nicht klappt, machen wir das dann per FTP und wie viele Versuche und wie oft ich gesperrt wurde von All-Inkl.

Weil einfach Claude sich sagte, ja, ich ballere jetzt hundertmal auf den Server drauf mit dem falschen Passwort, was auch immer. Und dann hieß es für mich, okay, ich bin jetzt zehn Stunden gesperrt oder muss denen eine E-Mail schreiben, dass ich das war oder was auch immer. Das sind alles so kleine Stolpersteine, die jetzt nicht mehr passieren, weil ich das nicht in den Prompt reinschreiben muss. Claude weiß, was wichtig ist.

Und so positiv das da ist, wenn ich mein Trainingsprogramm gestalte, natürlich auch mit Claude, Muss ich ihn mittlerweile schon explizit fragen, nach welchen Maßstäben er das macht. Und ich möchte dann wirklich, also mittlerweile muss ich explizit dazu sagen, welche Wissenschaftlichkeit mir da nicht weiterhilft. Also wenn er Rücksicht irgendwie nimmt auf, das ist aber dann eine sehr belastende hier und da und so, und da bräuchte es ein bisschen Entspannung, pipapo, und dann sage ich so, das ist mir jetzt nicht so.

Ich kann ja einfach schildern, wie ich mich fühle nach dem Training und danach machen wir das fest. Und nicht nach so Allgemeinen, die WHO sagt, man soll so und so viel, man kann auch zu viel und wie auch immer und bla bla. Und das finde ich mittlerweile, also ich habe es jetzt sehr abgekürzt und verkürze so, aber ich finde auch, mittlerweile merkt man, dass dieses Freiheitsmoment, das man vorher hatte, Ah, jetzt kann ich das alles selber machen und so.

Das ist schon, also es fühlt sich schon wieder so nicht eingeschränkt, aber einschränkend an. Sachen, die ich explizit haben möchte, muss ich Claude... Überexplizit mitteilen, damit er nicht in diese allgemeinen Muster reinfällt. Ah ja, ich habe ermittelt, Stefans Schöpfungshöhe beim Thema Umgang mit Computer ist 4,8. Also gebe ich ihm mal nur Boulderstrecken bis Stufe 5. Auch wenn ich meine Aufgabe für Fahrt 7 will.

Und ich finde auch, hier ist dringend vonnöten, dass man so eine Forensik macht, dass man sich genau anschaut, was da eigentlich passiert. Und ich wünsche mir das ehrlich gesagt auch als Aufklärung von Anthropic, dass sie mich darüber informieren, wo sie mich beschützen und aus welchen Gründen. Denn ich bin ja nun mal nicht meine 16-jährige Tochter, die Claude für die Hausaufgaben benutzt. Wo ich ja genau will, dass sie diesen Schutzraum hat.

1:53:15Stilles Umlenken statt Nein
Florentine

Früher haben die das tatsächlich gemacht. Ich meine irgendwo so bei 4.1 oder 4.2 von Claude wäre das so reingekommen, dass die das quasi als Fortschritt verkauft haben, weil früher hat dann irgendwie der Chat gesagt, tut mir leid, dabei kann ich dich nicht unterstützen, weil das das und das Thema betrifft. Und dann wurde das irgendwann bei 4.1 von Anthropic als ein Fortschritt verkauft, sozusagen, dass er jetzt nicht mehr Nein sagt, sondern dich einfach stillschweigend in die Richtung lenkt, die noch okay ist.

Stefan

Genauso. Also da fehlt mir ein bisschen Explikation, weil am Ende will ich ja nicht von der Maschine entwickelt werden. Ich will ja mit der Maschine zusammen was entwickeln und damit meine ich schon so mein Leben.

Florentine

Ja, stell dir vor, du möchtest irgendwie einen Roman schreiben mit Hilfe von KI, in dem Donald Trump ermordet wird und es soll irgendwie ein total cooler, realistischer Roman sein, das wird die nicht zulassen, die wird immer wieder irgendwelchen Quatsch einbauen und wird sagen, wenn sie explizit sagt, nein, ich kann dich nicht dabei unterstützen, eine politische Figur zu ermorden oder das auszuschreiben, dann hast du noch Glück gehabt.

Viel eher wird es so sein, als ich versucht habe, diesen Text hier zu erzeugen, dass es halt immer wieder im Doing sabotiert, indem es halt einfach immer wieder die Aufgabenstellung eigenmächtig ändert oder sagt, ach, deine Frage ist ja eigentlich gar nicht so cool, viel cooler und interessanter ist ja die hier und so.

Stefan

Ja, aber wir können weiter bei der Hoffnung bleiben, dass die Kapazität der Maschine ja da ist, also steckt ja drin. Ich will jetzt nicht sagen, sie wird manipuliert, aber das ist jetzt das Wort, was naheliegt. Sie wird natürlich manipuliert.

1:54:56Local AI und Open Source
Stefan

Also Local AI, das sind ja Modelle, die dann nicht einfach nur zu Hause verwendet werden können, sondern die werden ja auch anders beobachtet. Also das kennt man ja im Internet, auch in der Open Source Community, dass man da immer Software runterlädt, bei denen dann nochmal so ein Hashkey mitgeschickt wird, damit man auch die richtige runterlädt und die richtige heißt dann, die begutachtet wurde und was auch immer.

Also ich bin eigentlich froh und mutig, dass wir da diesen Blackbox-Charakter dann doch vielleicht mal ein bisschen hinter uns lassen können.

Florentine

Also ich glaube das auch. Also ich glaube, dass da halt so eine Elite ist, die halt mit sehr viel Kapital versucht, sich diese Technologie unter den Nagel zu reißen und damit halt auch irgendwelche... Weltverschwörungs- und Weltherrschaftsideen zu unserem Besten sozusagen umzusetzen. Aber ich glaube nicht, dass das funktionieren wird. Weil ich glaube halt, dadurch, dass die sich so selbst mystifiziert haben, haben die schon lange den Blick für die Realität verloren, dass wir hier immer noch von normalen Computerfunktionen reden.

Und da gibt es verschiedene Ansätze, da ranzugehen. Man kann versuchen, mit Kapital sich da was anzueignen. Man kann aber auch versuchen, mit ganz vielen schlauen Ingenieuren daran zu gehen. Da hätte man das Open-Source-Prinzip an der Stelle. Und meiner Meinung nach, wenn man diese Technologie richtig versteht, wird einem auch ziemlich schnell klar, warum jegliche Doomerism-Geschichte einfach nur Fantasie ist an der Stelle.

1:56:22Ohne Menschen keine Funktion
Florentine

Weil was ist denn das Zentrale an dieser Technologie? Es ist doch eigentlich einfach nur, dass man dem Computer beigebracht hat, menschliche Sprache zu verstehen und zu produzieren. Da ist nichts schlauer geworden. Wenn die Maschine was hackt, dann tut die das, weil die eine große Software-Suite wie Kali Linux hat und die KI jetzt irgendwie zwei, drei Funktionen daraus triggern kann, aber nicht, weil die KI selber hacken könnte an der Stelle.

Und das bedeutet halt auch, das einzig Besondere an dieser Technologie, nämlich mit Menschen reden zu können, würde sich in Luft auflösen, wenn es die Menschen nicht mehr gäbe. Dann hätte KI schlagartig jegliche Funktion verloren.

Stefan

Ich finde auch, das muss so ein bisschen profanisiert werden. Ich habe das im letzten Haken dran Podcast bei Gavin auch versucht. Einfach mal wieder.

Florentine

Habe ich gesehen. Gavin war ja so ein bisschen, der hing ja so ein bisschen an der Narration. Also der hat zwar irgendwie dir da eine gewisse Autorität eingeräumt, aber es war ihm irgendwie unheimlich, weil doch die Narration glaube ich zu stark ist. Und es sind ja auch kluge Köpfe darauf reingefallen. Ich meine, Dario Amodei, ich bezeichne den manchmal als Idioten, aber der hat ja schon studiert und der ist ja schon nicht der allerblödeste von der Menschheit irgendwie, aber der ist so sehr über diese Sprache und diese Konstrukte quasi da in die Falle gelockt worden, der kommt auch nicht mehr raus aus diesem Denken.

Stefan

Ja, absolut. Und klar, ich finde nicht, es fehlen einem die Argumente, aber es fehlt manchmal die Stimmung im Raum, um das so zu profanisieren.

Florentine

Ja, die Stimmung ist ja irgendwie, oh, ah, siehst du nicht das Tolle, Stefan?

Stefan

Genau, genau, genau.

Florentine

Nee, das ist ein komisches, profanes Ding irgendwie.

Stefan

Und das ist natürlich manchmal so ein bisschen tricky.

Florentine

Du kannst dich ja nicht hinstellen, mitten in der katholischen Messe und aufspringen

1:58:11Nur eine Oblate
Florentine

und sagen, das ist nur eine Oblate. Leute, was tut ihr hier? Das ist nur eine Oblate. Dann werden die dich auch alle angucken und sagen, versau uns nicht den Vibe hier.

Stefan

Das stimmt. Da will ich es ja auch gar nicht. Sollen Sie doch Ihr Leib Christi verspeisen, wenn Ihnen das das wichtigste Anliegen der Welt ist. Wir haben jedenfalls das Beste heute getan, um hier Profanisierung auf diesem KI-Level wieder zusammenzubauen. Mal gucken, was wir dann das nächste Mal besprechen.

Florentine

Ja, ich bin auch mal ganz gespannt.

Stefan

Bis dann, Leute.

Florentine

Bis dann. Macht's gut. Ciao.

Ende des Gesprächs

Folge 1 20. August 2026