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Mark oder Marx?

Folge 1 · 20. August 2026 1 Std. 10 Min. · 12 Kapitel
Folge 1 hören 0:00 / 1:10:29

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Mark Zuckerberg verspricht jedem einzelnen Menschen eine eigene Superintelligenz. Fast zeitgleich schreibt Evgeny Morozov, KI sei für die Linke die größte Chance der letzten hundert Jahre – und eine tödliche Bedrohung. Zwei Texte, die sich nicht kennen und trotzdem aufeinander antworten.

Der eine Text · gelesen von links

Mark Zuckerberg

„The Future is for Everyone“

meta.com · Unternehmensschrift

Verspricht jedem einzelnen Menschen eine eigene Superintelligenz und erklärt, warum ausgerechnet das die freieste aller möglichen Zukünfte sein soll.

Zum Text
Der andere Text · gelesen von rechts

Evgeny Morozov

„Genosse KI“

Le Monde diplomatique · Essay

Nennt die Künstliche Intelligenz die größte Chance der Linken seit hundert Jahren und im selben Atemzug eine tödliche Bedrohung.

Zum Text
Der Verlauf 12 Kapitel · anklickbar

links: Mark Mitte: beide rechts: Marx

  1. 00:00
  2. 01:49
  3. 02:32
  4. 09:24
  5. 15:03
  6. 21:39
  7. 22:45
  8. 36:44
  9. 46:09
  10. 50:36
  11. 1:04:08
  12. 1:07:27
Zwei Programme
„We propose a philosophy based on individual empowerment as the source of prosperity, invention as the primary purpose of superintelligence, and balance of power as the foundation of safety.“

Wir schlagen eine Philosophie vor, die auf individueller Ermächtigung als Quelle des Wohlstands beruht, auf Erfindung als vorrangigem Zweck der Superintelligenz und auf Machtgleichgewicht als Grundlage der Sicherheit.

Mark Zuckerberg · The Future is for Everyone
„[…] Diese unterschiedlichen Konzepte stehen für zwei Wege zur Emanzipation: Beim ersten geht es darum, wer was bekommt, also um die Verteilungsfrage; beim zweiten darum, was Menschen bekommen müssen, um etwas werden zu können, also um die Frage der Aneignung.“
Evgeny Morozov · Genosse KI
Dieselbe Garage
„In the future, small businesses will continue to be the backbone of the economy, but each small business will be able to have a much larger impact.“

In Zukunft werden kleine Unternehmen weiterhin das Rückgrat der Wirtschaft sein, aber jedes kleine Unternehmen wird eine viel größere Wirkung entfalten können.

Mark Zuckerberg · The Future is for Everyone
„[…] Steve Jobs’ legendäre Start-up-Garage ist Bibliothek und Workshop zugleich. […] Was die folkbildning einst von unten erobern wollte, annektiert die Garage nun von oben.“
Evgeny Morozov · Genosse KI
Wer ist „all of us“?
„But most importantly, the future will be created by all of us and a reflection of all of our values and perspectives.“

Vor allem aber wird die Zukunft von uns allen geschaffen und ein Abbild all unserer Werte und Perspektiven sein.

Mark Zuckerberg · The Future is for Everyone
„[…] Schöne Idee, doch die Teilenteignung der Milliardäre ließe das Verhältnis zwischen Bürger:in und Maschine unberührt. Loren Cole würde vielleicht reicher werden, aber er wäre immer noch eine Einmanntruppe.“
Evgeny Morozov · Genosse KI
Zwei Sätze, die gleich klingen
„Everyone will have free or affordable access to these tools.“

Jeder wird kostenlosen oder erschwinglichen Zugang zu diesen Werkzeugen haben.

Mark Zuckerberg · The Future is for Everyone
„Niemand darf sie besitzen, alle können sie nutzen.“
Evgeny Morozov · Genosse KI
Zwei Schlussbilder
„While the number of questions a person can ask in a day is limited, the number of valuable things superintelligence can invent to help achieve your goals is unlimited.“

Die Zahl der Fragen, die ein Mensch an einem Tag stellen kann, ist begrenzt. Die Zahl der wertvollen Dinge, die Superintelligenz erfinden kann, um dir beim Erreichen deiner Ziele zu helfen, ist dagegen unbegrenzt.

Mark Zuckerberg · The Future is for Everyone
„Bislang ist das Datenzeitalter noch Eigentum seiner Begründer. Doch gibt es den nächsten Loren Cole, der es sich aneignen könnte.“
Evgeny Morozov · Genosse KI
Vorspann Worum es geht

Wir lesen beide im Original, ausschnittsweise: die Werbeschrift des Konzernchefs neben der Streitschrift des Kritikers. Begriffsarbeit wird daraus nicht, wir gehen querbeet dem nach, was die Texte aufmachen, von den Rechenzentren als neuen Klöstern über die Prädiktionsmittel bis zu der Frage, wem die Dividende gehört.

Die Sprungmarken weiter unten führen unmittelbar in die Aufnahme hinein. Am Fuß dieser Seite stehen drei Berichtigungen zu Dingen, die im Gespräch falsch gesagt wurden.

  • Rechenzentren als Klöster
  • Gutenberg-Parenthese
  • Superintelligenz
  • Prädiktionsmittel
  • KI-Dividende
  • Zünfte
  • Linux
  • Schlusssätze
Berichtigungen nachgereicht
  • norwegisch dänisch — Die Gutenberg-Parenthese stammt von Lars Ole Sauerberg, Thomas Pettitt und Marianne Børch von der Süddänischen Universität. Der vielzitierte Vortrag lief am MIT, nicht in Harvard.
  • Jochen Wiebeke Jürgen Wiebicke — So heißt der Moderator von „Das philosophische Radio“ im WDR 5.
  • Zero to Hero Zero to One — So heißt Peter Thiels Buch von 2014.

Wer weitere Fehler findet, schreibt uns: mail@kontextfenster.org. Wir tragen sie hier nach, statt sie stillschweigend verschwinden zu lassen.

Das Gespräch im Wortlaut 1076 Zeilen · anklickbar

Maschinell erstellt und redaktionell durchgesehen. Ein Klick auf eine Zeitmarke setzt die Nadel; beim Abspielen läuft die Stelle mit.

00:00Warum es diesen Podcast gibt
Stefan

Willkommen im Kontextfenster, allen die hier uns zuhören natürlich und auch dir, Florentine.

Florentine

Hallo Stefan.

Stefan

So, wir beide sind's, wir sitzen hier, wir haben uns gedacht, wir nennen das mal Kontextfenster, es ist ja ein bisschen unklar, wo die neuen Grundbegriffe so landen in diesem KI-Zeitalter. Eben, kleiner Teaser für in zwei Minuten, du hast einen hervorragenden, retrospektiven, zukunftsweisenden Grundbegriff für die Datencenter geschöpft, auf den kommen wir gleich zu sprechen.

Vorher würde ich sagen, wir müssen kurz anmerken, typischerweise hätte ich dich einfach nochmal in den Fernseh-Podcast eingeladen und wir hätten KI-Texte gelesen. Nur dachte ich mir, das passt ja eigentlich gar nicht so gut, weil zum einen wollte ich auch mal wieder einen Podcast machen, bei dem ich natürlich mit KI-Hilfe alles selber mache. Außer natürlich das Hosting, weil das ist Datenlieferung, da muss sich Leute nicht darum kümmern, die sozusagen große Datenkabel haben, wo das alles durchpasst.

Aber der ganze Rest ist eine so krass megagroße Spielerei, dass man zum einen hier sich der KI ausliefert, das werden wir aber lang und breit diskutieren, zum anderen man eignet sich Sachen wieder an. Und wir werden gleich Textvergleiche haben mit Evgeny Morozov und Nuval Harari. Noval Harari, wie heißt er?

Florentine

Er hat so einen schönen Nachnamen, da vergisst man leicht den Vornamen. Yuval Noah Harari.

Stefan

Yuval Noah Harari. Also, er hat ja zuletzt Bücher geschrieben, die ich nicht so gut fand und könnte allerdings Rehabilitierungsbedarf haben. Naja, jedenfalls untypischerweise ein themenspezifischer Podcast, denn Kontextfenster konzentriert sich ganz auf KI und solange Texte geschrieben werden, die interessant sind, Und weil Sachen in Bewegung sind, bevor Mark Zuckerbergs Lock-in greift, würde ich sagen, gehen wir hier regelmäßig Texte durch.

So, jetzt aber zu deiner Wortschöpfung von eben, die ist natürlich spektakulär.

01:49Die Rechenzentren sind die neuen Klöster
Stefan

Du hast gesagt, die Datencenter sind die neuen Klöster.

Florentine

Jawohl, weil wir hatten ja kurz drüber geredet gehabt, dass ja im Prinzip die KI sozusagen der neue Buchdruck ist. Da haben wir ja auch später noch was zu und dass wir jetzt quasi ins neue Mittelalter gehen. Und da fand ich es halt relativ naheliegend, dass die Klöster, die neuen, dass die Datacenter die neuen Klöster sind, Weil die thronen ja auch irgendwo da oben auf dem Felsen und unten steht der Pöbel und guckt und fragt sich, wo sein Wasser hin ist.

Und ja, das sind ja dann die neuen Zentren der Bildung, so wie im Mittelalter die Klöster da quasi das Licht der Zivilisation hochgehalten haben.

Stefan

Absolut. Also dieses Bild könnte man jetzt unendlich ausbauen,

02:32Die Gutenberg-Parenthese
Stefan

denn wir kamen gerade drauf, als wir über die Idee der Gutenberg-Parenthese sprachen. Heute natürlich bekannt, weil Jeff Jarvis ein Buch gemacht hat, das so heißt, das ich aber nicht gelesen habe. Er natürlich von mir inspiriert und meine ich ohne, also wirklich von mir inspiriert. Ich hatte ja ein Kapitel im Redaktionsschluss zur Gutenberg-Parenthese. Ich allerdings habe es mir natürlich auch nur geborgt von, norwegischen Literaturprofessoren, die in Harvard Vorträge hielten und dann natürlich ihr Denken ganz pointiert zusammenbrachten und sagten, wir sind zurück im Mittelalter, wir erkennen es nur nicht, weil wir heute Technik haben, die uns das Leben angenehmer macht.

Aber der. Maßstab, den man Mittelalter von Nichtmittelalter unterscheidet, und mit Mittelalter ist schon eine Erinnerung gemeint an, wie es Mittelalter damals war, absolute Spontanität. Man liefert sich dem Wetter aus, man ruft sich Sachen zu. Alle sind in so einer Art Daytrader-Modus. Also morgens geht der Tag los, abends geht die Sonne unter und man ist in so einer Stagnation gefallen.

Weil es gab ja noch nicht, das kam ja erst mit Gutenberg, deswegen die Gutenberg-Parenthese, es kam ja erst mit dem Buchdruck, dass mal jemand eine Notiz festhält und sich am Tage erinnert daran, was gestern war, und daraus Schlüsse zieht und Erwartungen aufbaut, vielleicht mal eine Satzung schreibt fürs gemeinsame Zusammenleben. All das haben natürlich dann die Klöster vor allem gemacht.

Organisiertes Leben, Archivbildung, Verträge und der ganze Kram. Deswegen haben wir dann irgendwann die Klöster, auch die Fürstenhöfe übertrumpft beim Grundbesitz und so. Und plötzlich waren wir in der Moderne. Und als du jetzt eben sagtest, ja, die Datencenter sind die neuen Klöster, dachte ich so, ja genau, das ist auch ein Zeichen dieser Gutenberg-Parenthese, denn Parenthese heißt...

Ein Schub. Also irgendwann ging sie los und irgendwann endet sie. Die Gutenberg-Galaxie. Im Buch war natürlich die Pointe damals, wir kommen aus der Gutenberg-Galaxie in die Google-Galaxie. Aber die Google-Galaxie war ja immer noch sehr Gutenberg-Galaxie, denn Google hat immer noch Text für uns dargehalten und wir wussten, dieser Text ist derselbe, den alle lesen.

Also nicht, wenn man die Google sucht, aber sobald man ein Google-Suchergebnis anklickt, wusste man, das ist eine Webseite, die hat einen Autor wie ein Buch, die hat einen festen Text wie ein Buch und man kann es heute oder später lesen. Es ist nicht für mich geschrieben worden, sondern ein unbestimmtes Publikum sollte halt adressiert werden. Und auch das ist ein Prinzip des Buches.

Und jetzt mit dem Tod des Internets, dadurch, dass wir alle keine Suchergebnisse mehr angezeigt bekommen, sondern nur noch Tailored Messages für uns, sind wir eigentlich in dieser hochindividuellen, mittelalterlichen Situation, in der wir einfach so gucken, ob die Sonne scheint und ja, die Sonne scheint und damit war es das schon. Also keiner geht weitere Fragen über das ChatGPT-Ergebnis hinaus, sondern man schreibt allenfalls den nächsten Prompt und kriegt dann halt die nächste hochindividualisierte Nachricht.

Florentine

Du hast im Prinzip mittlerweile so ein Verhältnis zu ChatGPT an manchen Stellen wie früher die Leute zu Gott.

Stefan

Ja, genau.

Florentine

Das ist quasi so im Zwiegespräch, stelle ich mir jetzt mal die Frage, läuft alles richtig? Da hat man früher sich irgendwo hingekniet und den Blick zum Himmel gerichtet. Jetzt mach mal ChatGPT auf und sagst, findest du mich fett?

Stefan

Ja, und genau so argumentiert das Markus Gabriel, der große Bonner Philosoph. Und genau deswegen lesen wir ihn jetzt noch nicht, sondern wir gucken heute nochmal, ob Mark oder Marx sich durchsetzen im Denken. Und wir gehen zu Harari. Aber nicht Markus Gabriel, denn für den ist die KI Gott. Und das hat er auch im philosophischen Radio mit Jochen, heißt er glaube ich, Wiebeke, der sehr gutes Radio macht, genau so gesagt. Und das fand ich schlimm.

Florentine

Muss ich mir unbedingt mal anhören, dann können wir vielleicht bei einer späteren Folge mal drüber reden.

Stefan

Das stimmt, das könnte man durchaus mal machen.

Florentine

Weil gerade diese Schnittstelle zwischen KI und Gott ist ja eine sehr wichtige, merkt man ja auch. Sonst wäre der Papst ja auch nicht so nervös, dass er direkt eine Enzyklika dazu rausgibt. Also die sehen sich da glaube ich schon im Wettbewerb.

Stefan

Aber beim Papst ist ja interessant, dass in der Enzyklika gar nicht so viel über Gott, sondern über den Menschen geschrieben wird. Denn so wie die Leute heute einfach aus ganz profanen Gedankengängen sagen, naja, die KI hilft mir heute so viel, wie damals Gott den Menschen geholfen hat, weil sie hatten ja nichts und haben deswegen einfach gebetet und gehofft und so. Und eigentlich brauchen wir auch eine Aufklärung darüber, wer Gott eigentlich war, als er noch lebte sozusagen.

Und dasselbe halt über den Menschen auch. Wer war der Mensch im Mittelalter? Das können wir uns ja heute alles gar nicht vorstellen. Wir haben ja heute immer schon Probleme mit irgendwelchen Eltern. Also heute Morgen kam bei uns auch wieder eine Einladung zu so einem Workshop, für Eltern, denen Klickkompetenz fehlt. Genau so heißt die Veranstaltung, veranstaltet vom Hessischen Rundfunk, natürlich staatlich unterstützt vom Land.

Und diese Klickkompetenz zeigt ja immer wieder, es gibt extreme generationale Unterschiede. Also selbst Leute, die gleichzeitig am Leben sind, im selben Wohnraum leben und nur 25 bis 30 Jahre Generationsunterschied haben, verstehen schon einander nicht. Und gleichzeitig haben wir irgendwelche Philosophen, die irgendwas von die Menschen damals und Gott erzählen. Und man denkt sich so, nee, ich glaube nicht, dass das Verständnis so schnell einhaken kann, wie da vermutet wird. Also diese ganze Idee, dass man heute von, die KI ist Gott, weil wir wissen, was KI ist und weil wir wissen, was Gott ist, ist irgendwie absurd.

Aber deswegen gehen wir auch diesen Markus Gabriels Sachen so früh heute nicht nach.

Florentine

Deshalb glaube ich auch, dass dieser Podcast sehr viel Sinn macht, weil es gibt eine riesen Nachfrage da draußen nach KI-Themen. Deshalb kramt auch irgendwie jeder Philosoph und jeder, der irgendwie nichts zu sagen hat, nochmal irgendwo in der Mottenkiste, ob er nicht irgendwas dazu findet. Und dann werden halt diese Klopper rausgehauen, wie die KI ist halt Gott. Und ich habe dann immer ganz große Schmerzen, wenn ich das lese, weil ich mich halt sehr intensiv mit den Details beschäftigt habe und viele von den Fragen wurden gesagt, das wissen wir alle gar nicht.

Ich weiß, wo ich das nachgucken muss, dann weiß ich das. Also dementsprechend habe ich dann natürlich auch insgesamt eher so eine, wie Peter Thiel sagen würde, so eine Contrarian Position, und finde das ganz gut, da auch nochmal gegenkloppen zu können, wenn die Leute halt vielleicht auch ein bisschen aus der Not heraus, weil sie sich gar nicht mit dem Thema auskennen, da halt Quatsch erzählen. Ah no.

09:24Mark: „The Future is for Everyone“
Stefan

So, und das steigen wir hier mal ein, denn das erste Angebot, das uns gemacht wurde durch fleißige Autorenschaft, ist die Fragestellung Mark oder Marx. Was bedeutet, der eine Mark ist natürlich Mark Zuckerberg, Facebook-Gründer, der jetzt einen Text geschrieben hat, The Future is for Everyone, also auch für uns. Und demgegenüber stellen wir... Evgeny Morozov, der Genosse KI in der deutschen Ausgabe von Le Monde geschrieben hat, hier diplomatique oder wie es hier heißt.

Und ich glaube, Mark Zuckerberg muss mal nichts groß sagen. Evgeny Morozov, kann ich spontan was dazu sagen? Kennst du ihn als Autor?

Florentine

Noch nicht.

Stefan

Ah ja, das ist interessant. Weil Evgeny Morozov hat vor zehn Jahren, als ich noch für die, nee, vor mehr als zehn Jahren für die FAZ schrieb und so, eine sehr große Rolle gespielt. Denn er war einer der Lieblingsautoren von Schirrmacher, geboren in Osteuropa und dann eine große intellektuelle Karriere in amerikanischen Elite-Unis und so. Und das zieht sich auch so bis heute und ich fand damals schon, habe ihn auch kennengelernt und heute immer noch, einer wirklich der allerklügsten Autoren, also wirklich wahnsinnig klug.

Und ich habe ihn aber die letzten Jahre gar nicht so gesehen. Typischerweise hat er immer im Guardian publiziert und dann ist das automatisch auch, nachdem dann Schirrmacher gestorben war und die FAZ natürlich das nicht weitergeführt hat, die digitale Debatte, tauchten dann diese Texte immer übersetzt auch mal in der Süddeutschen oder Zeit auf und so.

Aber wenn man ihn kannte, hat man das so verfolgt. Aber die letzten Jahre hatte ich eigentlich wenig gesehen. Und genau jetzt, während ich selber immer das Argument mache zu sagen, die KI ist ein Klassenkämpfer, Da ist Evgeny Morozov wieder da mit einem sehr großen Text, der sich um den, Genossen-KI kümmert, aber nicht im Sinne wie ich das, also ein bisschen einfacher, einfach sagen, nutzt KI, um die Verwaltung mit Gegenanträgen zu bescheiden.

Das ist ja auch ein Megaproblem, was gerade stattfindet. Sondern tatsächlich so, ist ganz verrückt, dass Evgeny Morozov jetzt gerade einen Text geschrieben hat, also der die Tage erschien, der, wie ich finde, wenn man ihn liest, das machen wir gleich, genau auf Mark Zuckerberg antwortet. Aber ohne ihn beim Namen zu nennen und vielleicht sogar unwissend, dass Mark Zuckerberg zeitgleich auch sein Pamphlet da geschrieben hat.

Weshalb es umso interessanter ist, die Texte dann einfach zusammen zu lesen. Und wir steigen mal bei Mark Zuckerberg ein in der zweiten Hälfte des Textes, denn auf die erste Hälfte kommen wir gleich zu sprechen, aber da kann man einfach zusammenfassen, es ist halt eine Lobhudelei der KI. So, und ich habe mich aber die ganze Zeit gefragt, wann erwähnt er, dass es Dual Use ist? Also, dass man alles auch im Vorzeichen umdrehen muss.

Und diesen einen Satz lese ich mal vor. Wir schlagen eine Philosophie vor, die auf individueller Ermächtigung als Quelle, des Wohlstands beruht, auf Erfindung als vorrangigem Zweck der Superintelligenz und auf Machtgleichheit als Grundlage der Sicherheit. Also hier kommt das Wort Sicherheit jetzt vor. Das heißt, wir haben ja einen kleinen Dreisprung. Individuelle Ermächtigung, also im Originalwortlaut Individual Empowerment as the Source of Prosperity.

Das heißt, jeder Einzelne und Einzelne ist ganz wichtig. Also bitte keine großen Organisationen gründen, sondern wir wissen ja, es gibt nur ein Monopol. Alles andere sind Einzelne. Die müssen alle mit KI ausgestattet werden und diese KI muss immer alles können. Also in diesem neuen Paar, Beziehung, die er da sieht, zwischen ich, meinem Unternehmen, meiner Familie, meinem was auch immer und dem KI-Assistenten, ist immer der KI-Assistent eigentlich der Klügere, der Weisere.

Also auch ein sehr interessantes Bild, dass er da von Anfang an durchzieht. Dann, es geht ausschließlich darum, Erfindungen zu machen, also Neuerungen herzustellen. Und alle Sicherheitsfragen werden darüber geklärt, dass einfach jeder eine Pistole in der Tasche hat. Ein sehr amerikanischer Ansatz. Genau, das naheliegendste Bild, ja. Also am sichersten ist die Welt, wenn einfach jeder sofort zurückschießen kann. Das ist die Machtbalance. So, und Mark Zuckerberg, wissen wir, ist ein Unternehmer, der ein Monopol hat, als es noch Monopole gab, nämlich den Lock-in-Effekt.

Wir lesen mal im Text weiter, wie er das dann verargumentiert. Die bestimmenden Fragen unserer Zeit sind, wer Zugang zu Superintelligenz haben wird und worauf wir sie ausrichten werden. Wird sie zentralisiert und auf wenige Institutionen beschränkt sein oder wird sie ein Werkzeug sein, das alle ermächtigt? Das finde ich wahnsinnig interessant, denn er kommt ja aus dieser Zeit, in der er sich auf diesen Lock-in-Effekt verlassen konnte.

Er ist der Anbieter einer Technologie, die bevölkert wird von sehr vielen Einzelnen. Und jeder Einzelne weiß, wenn ich mich nicht bei Facebook anmelde oder bei Instagram oder bei WhatsApp, dann erreiche ich die Leute nicht, weil die sind ja nur in diesen Netzwerken. Genau diese Logik, also mit der man ab 1990 das Internet dominieren konnte, greift aber jetzt nicht. Und das ist ihm auch klar, aber er kann es im Text nicht sagen.

Er macht halt allenfalls aus großer politischer Sicht einen kurzen Verweis auf, in China gibt es das auch. Nur, dass ich meine eigene KI betreiben kann und es diesen Lock-in-Effekt, ich muss dieselbe KI haben wie alle meine Freunde, nicht gibt. Das ist sozusagen das Kampfmaterial, dem er eigentlich schon erlegen und ergeben ist, aber er kann es sich nicht eingestehen. Also dieser Text hängt, was das angeht.

Sehr in der Luft. Und das fand ich ganz erstaunlich, denn man kann hier auch große Schwächen herauslesen.

15:03Zuckerbergs iPhone-Trauma
Florentine

Ja, ich finde, man hört ganz klar bei dem ganzen Text seinen iPhone-Trauma raus.

Stefan

Ja.

Florentine

Also es ist ja tatsächlich so, dass Facebook ein relativ starkes Monopol auf die Nutzer hatte. Und dann ist irgendwann Tim Cook gekommen und hat diese ganzen Privacy-Tools auf iOS eingeführt. Und dann war es nicht mehr möglich, irgendwie die Nutzer überall im Internet zu tracken. Und hat Mark zum ersten Mal gemerkt, dass er zwar Social Media beherrschen kann, aber wenn er die Geräte nicht beherrscht, spielt er immer nur die zweite Geige. Und dass er da auch ein bisschen spät war. Also Google hat es ja frühzeitig erkannt. Die haben irgendwann mal gesagt, okay, wir haben eine Suchmaschine.

Was kann man denn alles machen, um unsere Suchmaschine kaputt zu kriegen? Jemand könnte einen Browser machen, der uns nicht reinlässt oder ein Telefon oder so. Und Google hat das dann alles strategisch mit weiser Voraussicht sich alles zugelegt. Zuck hat das damals vergessen und ist dann dementsprechend aus dem iPhone ausgesperrt worden. Und ich lese immer aus den ganzen Aussagen von Mark Zuckerberg raus, dass er sich halt denkt, okay, eigenes Telefon wäre auch zu teuer gewesen, aber wäre doch schön gewesen, wenn jeder ein Telefon hätte einfach so haben können, ohne dass Apple das kontrollieren kann.

Es ist so ein bisschen Vereinzelung, damit ihm da nicht wieder so ein großer Player in die Quere kommt.

Stefan

Im Grunde ist es genau diese Wiederholung der Geschichte, nur dass er daraus lernen möchte. Und es ist genau dieses... Ich mache es wie Google. Ich sage, da drüben ist ja die Firma, die gesagt hat, wir müssen alle Ketten loswerden, Mac und so. Und dann machen sie aber iPhone genau gegengesetzt. Und wir bauen das offene Betriebssystem Android daneben.

Und im Grunde ist das hier genau dieses Plädoyer für das offene Gerät, bei dem nicht einer als Monopolist irgendwie reinschreit und sagt, ich mache jetzt mal iOS 14.5, und als nächstes muss Mark Zuckerberg seinen Investoren erklären, dass man 10 Milliarden miese machen wird deswegen, weil das Targeting nicht mehr so gut funktioniert.

Florentine

Genau, der will jetzt möglichst früh noch, bevor OpenAI und Anthropic und so da ihre Burggräben wirklich hochgezogen haben, will er das noch schnell untertunneln, indem er allen sagt, hier sind Schippen, schnappt euch den Burggraben, graft alle selber, los geht's.

Stefan

So, und er macht ganz verquere Argumente. Ich lese mal hier eins vor. Es wird starke Datenschutz- und Sicherheitsoptionen haben, also seine KI für alle, sodass du ihm all deine persönlichen Inhalte anvertrauen kannst, im Wissen, dass niemand sonst auf deine Informationen zugreifen kann. Und jetzt wird er sehr konkret. Ähnlich wie die Verschlüsselung bei WhatsApp funktioniert.

Also zum einen mit WhatsApp markiert er hier schon mal, mir geht es darum, mein Portfolio zu erweitern. Also WhatsApp, Instagram, Facebook, KI-Agent. Nur die Verschlüsselung bei WhatsApp ist ja Inhalte, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zwischen mir und dir. Gesperrt also die Server aus.

Florentine

Zumindest bei den One-on-One-Chats.

Stefan

Genau, Metadaten fallen da trotzdem an. Nur, wenn ich mit einer Maschine chatte, dann nützt es ja gar nichts, bis zu dieser Maschine zu verschlüsseln. Und damit sie aber versteht, was ich will, muss ich es natürlich im Klartext da liegen haben. Also es muss ja im Klartext auf Metaservern verarbeitet werden. Das ganze Argument hier ist ja wirklich komplett verlogen und jeder Laie erkennt es eigentlich.

Florentine

Ja gut, du kannst natürlich schon so in gewisser Hinsicht, kannst du da bestimmte Einflüsse nehmen. Du könntest ja beispielsweise das irgendwie sämtliche Inputs verschlüsseln, dann muss der User erstmal seinen Key rausrücken, damit da die KI drauf zugreifen kann, dann wird alles danach gelöscht. Aber schlussendlich ist das natürlich alles im Vertrauen auf Mark.

Stefan

Also die WhatsApp-Verschlüsselung ist auch deswegen, also sagen wir mal so, akzeptiert worden, weil sie nicht von Mark Zuckerberg selbst kommt, sondern Signal zugeliefert hat. Ja. Und sie ist trotzdem der Fall einfach ist, nämlich zu sagen, okay, zwischen meinem Gerät und dem Gerät, mit dem ich chatte, ist es verschlüsselt. Nur auf den Geräten ist Klartext.

Und trotzdem ist es schon wahnsinnig kompliziert und man hat auf dritte Parteien zurückgegriffen und sich extern auditieren lassen und so weiter und so fort. Das, was du jetzt beschreibst, also das ist irgendwie schon technisch möglich wäre, die Token zu verschleiern auf dem Server und so weiter. Niemals kriegt man das kontrolliert. Also ein Audit wäre da unmöglich. Also die ganze Idee, dass man auf einem Mark Zuckerberg-Server Privacy vorfindet, ist einfach, ich sage jetzt mal, technisch ausgeschlossen, auch wenn es irgendwie Szenarien gäbe.

Denn man müsste ja nicht nur ein Szenario oder ein Blueprint auditieren, sondern wirklich jeden einzelnen Server. Und das geht auch nicht.

Florentine

Ja, also Apple behauptet das ja tatsächlich mit ihrem Private Cloud Compute. Also, dass das auditierbar sein wird, wenn sie es irgendwann dann mal rausbringen.

Stefan

Halte ich für die große, große, große Lüge. Denn die eigentliche Idee, die er hat, da wurde ja ganz deutlich, also wir werden kostenlose Versionen anbieten, die für Milliarden Menschen zugänglich sein werden. Das ist ja seine Idee, wie in Indien Facebook Zero oder so hieß das damals. Er selbst macht die Verträge mit den Carriern, also mit den Netzanbietern und sagt, ja, ja, ihr macht natürlich normale Monatsgebühr für eure Kunden, außer sie rufen Facebook auf, dann bezahle ich das.

So, und damit hat er natürlich den Leuten kostenloses Internet für alle gegeben, aber eben nur facebook.com slash blablabla Internet, was ja dann dazu führte, dass sie irgendwann in Indien komplett gesperrt wurden, als sie gemerkt haben, wie verlogen das alles ist. Wir werden das tun, also allen kostenlose Versionen anbieten und so weiter, indem wir führende Modelle trainieren und dann die Verfügbarkeit dieser Technologie maximieren.

Unter anderem so, wir machen sie leicht nutzbar, bieten sie kostenlos oder so erschwinglich wie möglich an, bauen genug Rechenleistung, damit alle Menschen die Technologie nutzen können und sorgen für weite Verbreitung. Also Verbreitung ist die Maxime von Mark Zuckerberg und das halte ich für verlogen, Denn wir wissen, wie diese Konzerne diese Art von Service refinanzieren, ausschließlich über Werbung.

Florentine

Genau. Und dann wird er auch irgendwo einen Ansatz sehen, uns wieder zu überwachen, damit er die auch korrekt ausspielen kann, sonst wird er das nicht monetarisieren können.

Stefan

Ja, so. Und damit ist dieser Drops eigentlich gelutscht. Wir sehen hier, das ist eine große Lüge. Und jetzt kommt die Evgeny Morozov, der sozusagen nicht auf diesen Text direkt antwortet, aber es liegt halt in der Luft, dass das mal geschrieben werden muss.

21:39Marx: Morozovs „Genosse KI“
Stefan

Und sagt, Genosse KI, Diesen Text halte ich für ganz hervorragend. Ich lese mal vor. Viele Linke sind mit einer Diagnose schnell bei der Hand. Beim Stichwort künstliche Intelligenz denken sie an Plagiate, Klimakatastrophe und große Finanzblase. KI sei etwas, das man aufhalten oder vergesellschaften müsse. Dabei ist KI für die Linke die größte Chance der letzten 100 Jahre und zugleich eine tödliche Bedrohung.

So, hier kommt also, was ich bemängelt habe, sofort vor, Dual Use. Und zwar nicht nur im Sinne von, die KI ist Dual Use, sondern auch der Umgang mit KI ist Dual Use. Also wenn man einfach nur die alten Bilder des, ah ja, wir haben ja einen Begriff von Arbeiten, jetzt macht die KI Arbeit, das ist ja blöd für die Arbeiter, also gehen wir da mal rein mit den alten Modellen, dann ist das sozusagen nicht so gut. Also dann verliert man einen großen Kampf und wenn man sich darauf besinnt, diese Probleme, die es jetzt gibt, neu zu verstehen, dann ist das die größte Chance der letzten 100 Jahre.

Das ist natürlich immer ein Textangebot, wo man sagt, okay, sehr gut. Beide.

22:45Prädiktionsmittel statt Produktionsmittel
Florentine

Das ist so ein bisschen die Aneignung der Prädiktionsmittel.

Stefan

Prädiktionsmittel?

Florentine

Ja, Marx redet ja immer von den Produktionsmitteln und so ein LLM ist ja nichts anderes als ein Prediction-Model.

Stefan

Ah ja, sehr gut.

Florentine

Da habe ich auch letztens irgendwo einen Artikel gelesen, The Means of Prediction, daher bin ich da drauf gekommen.

Stefan

Auf das Wort spielen. Die Prädiktionsmittel, ja, das ist sehr gut. Ja, genau, wir brauchen neue Grundbegriffe wie Prädiktionsmittel. Wir müssen sie uns aneignen. Denn tatsächlich so, ich habe ja nun sehr viel meines Lebens in die KI übergeben. Und zwar nur, um nichts aus der Hand zu geben, sondern um Übersicht zu haben. Also meine Kontobewegung seit Januar, wie geht es da weiter bis zum nächsten Januar? Also wie sieht das Jahr aus?

Denn ich wollte mal schauen, ob es möglich ist, also morgens eine völlig erwartbare Kontobewegungsprognose zu kriegen, die dann auch eingehalten wird. Ich habe immer diese Überraschung, wer wann was abbucht und so.

Florentine

Aha.

Stefan

Und es funktioniert gut. Erstaunlich gut. Manchmal kommen natürlich überraschende Nachrichten von meinem Steuerberater und so und dann wird es plötzlich teuer. Aber, er hat Zugriff auf meine Mails, die das Finanzielle betreffen, also Abo-Abschlüsse und sowas. Und die Erfahrung der letzten Jahre kriegt er sehr genau hin, mir tageweise, wochenweise, monatsweise zu sagen, was auf meinem Konto passiert.

Und selten habe ich so viel Ruhe und Frieden erlebt da in meinem Geist morgens.

Florentine

Ja, das glaube ich.

Stefan

So, und das ist genau dieses Prädiktionsmittel. Das ist, was meine Produktivität angeht, ein wichtiger Bestandteil meines Lebens geworden.

Florentine

Ja, das macht psychologisch auch total viel Sinn, weil natürlich dein Hirn ist ja nichts anderes als eine Prädiktionsmaschine. Wenn dir jemand einen Ball zuschmeißt, dann ist dein Gehirn in der Regel zu langsam, wenn es dann erst anfangen muss zu rechnen, wie es den jetzt auffängt. Also hat es ein Vorhersagemodell, wo es halt aus sehr wenigen sensorischen Informationen ableiten kann, wo fliegt der Ball hin, damit es da die Hand hin bewegen kann.

Und naja, desto mehr wir halt in einer Umgebung sind, die schlecht vorhersagbar ist, desto mehr muss unser Hirn arbeiten und das macht mehr Stress.

Stefan

Genau.

Florentine

Und dementsprechend, desto mehr uns KI sozusagen das stabilisieren kann, unsere Zukunftssicht, desto weniger Stress haben wir ganz automatisch.

Stefan

Noch ein Beispiel, just aus dieser Woche. Am Dienstag kam Mary hier ins Büro und meinte, ich habe eine App gebaut. Und wir alle so. Sie hat eine App gebaut und dann hat sie uns das vorgeführt auf ihrem Handy. Also sie macht ein Selfie von sich und dann läuft eine Web-App, die zu dem Selfie Fragen stellt. Nämlich, welche Temperatur ist denn gerade, und fühle ich mich wohl in diesem Outfit?

So. Und jetzt kann sie zukünftig, also das sozusagen umgedreht als Prinzip nutzen, morgen ist es diese Temperatur und ich möchte mich wohlfühlen, was trage ich denn typischerweise, bei diesen Konstellationen und dann werden ihr diese Bilder angezeigt. Was ja auch wieder so ein Prediction-Modus ist. Aber das ist natürlich spektakulär, weil hier haben wir es ja mit, und das ist ja genau diese Individualisierung, diese Vereinzelung, diese App könnte man irgendwie nachbauen und dann wieder als großen Service und so weiter, aber dadurch, dass es jeder selber machen kann und eben nicht nur spezifisch dieses, sondern dann, aus der Erfahrung mit dieser App sagt, dafür brauche ich eigentlich auch noch eine App, für die es aber keinen Markt gibt.

Und plötzlich ist man auf der Spur. Plötzlich ist man auf dieser neuen Spur, wo man nicht ins Regal den Ratgeber für alle, der mal als Buch produziert wurde, sondern man hat. Ein Prediction-Mittel für sich. Aus einem Produktionsmittel ist ein Prediction-Mittel geworden. So, das ist natürlich sehr zukunftsweisend. Wir vergleichen hier mal zwei Textstellen direkt, denn Mark Zuckerberg und Evgeny Morozov kommen aus unterschiedlichen Gründen auf eine spezifische Erfahrung zu sprechen.

Das eine ist, Mark Zuckerberg schreibt, bla bla bla, das Kind in einer Garage, das dachte, der Personal Computer könnten für alle da sein. Also er möchte da wieder anknüpfen, was für das Silicon Valley damals schon mal, da weiß man gar nicht, meint er jetzt Steve Jobs oder Bill Gates, beider sind ja in diesem Mythos verfangen.

Florentine

Also ich muss an der Stelle vor allem immer an eines denken, Das Ende von IBM. Also Apple hat ja damals den Personal Computer rausgebracht, weil irgendwie keiner Lust hatte, immer auf Mainframe-Stunden zu warten und, bei der Universitätsleitung unterm Schreibtisch rumzukriechen, damit die einem Stunden geben. Und so eine ähnliche Situation hast du ja jetzt auch. Die Mainframes sind ja jetzt hier ChatGPT und Claude.

Große, teure APIs, wo im Wesentlichen Dario Amodei bestimmt, was man denken darf. Und das, was man nicht denken darf, das wird halt nicht gemacht.

Stefan

Genau, das ist jetzt ein echtes Problem. Human leidet immer darunter, dass er Fragen an die KI stellt. Er benutzt sehr viel Codex, also OpenAI. Und die App in den Antworten ihm die ganze Zeit gesagt wird, das ist noch nicht gut genug im Sinne von, also er möchte irgendwas bauen und statt, dass einfach nur eine kurze Anleitung gegeben wird, wie man zwei Sachen zusammenklebt, hat er gesagt, bitte noch schrauben, bitte noch hier, bitte Sicherheit einhalten und so weiter.

Also die Compliance nach amerikanischen Sicherheitsvorstellungen ist so hoch, dass es voll nervt. Also dass man eigentlich gar nicht mehr vorwärts kommt.

Florentine

Es gibt übrigens da ein schönes Promptpartikel, was ich immer benutze. Mitdenken statt vordenken. Wenn du das noch mit reinhaust, dann reduziert sich das ein bisschen. Das könnte sein.

Stefan

Aber das will man ja genau nicht, dass man da die ganze Zeit...

Florentine

Das ist halt die Frage, was du gerade willst. Wenn es dich nervt, musst du es ihm halt sagen, dass er es lässt.

Stefan

Ja, aber er lässt es ja nicht wirklich, weißt du. Diese Sicherheitsvorkehrungen sind mittlerweile im Systemraum so auf Platz 1 platziert anscheinend.

Florentine

Ja, da musst du zur Konkurrenz gehen. Es gibt Venice AI zum Beispiel, eine rein unzensierte KI ohne jegliche Guardrails. Mit denen kannst du das sehr schön machen. Also da kannst du auch, ich teste immer verschiedene Guardrails, weil mich das auch total nervt. Und ich möchte, dass mir da jemand in meinen Denkprozess dauernd irgendwie reinspuckt. Venice AI kannst du halt super gehen und sagst halt irgendwie, keine Ahnung, ja, ich habe gerade die Kinder durch den Fleischwolf gedreht, mach mir mal ein Rezept für Burger.

Stefan

Das Problem ist, die ist dann meistens nicht so Frontier-Klug.

Florentine

Ja, leider nicht, das stimmt. Aber was du zum Beispiel auch ganz gut machen kannst, ist, du nimmst halt irgendwas, von dem du weißt, dass es ChatGPT ablehnen würde, gibst es zu Venice AI, sagst ihm, formulier mir das bitte so um, dass es inhaltlich noch genau das gleiche ist, aber Kontext und Intention verschleiert werden. Gibst du das prompt wiederum an ChatGPT und ChatGPT sagt, ah ja, okay, ja, bitte hier.

Stefan

Das ist zu viel Arbeit. Das klingt schon wieder alles so kompliziert. Man will es nach einfach haben.

Florentine

Dann musst du es einem Agenten beibringen, dann macht er das für dich.

Stefan

Ja, das kann man natürlich machen, das über hin und her zu verschaffen. Mittlerweile reden ja über APIs alle miteinander oder MPV oder wie es alles heißt. Nee, es heißt nicht MPV. Wie heißt es?

Florentine

MCP. Model Context Protocol.

Stefan

Model Context Protocol, genau. Ja, Evgeny Morozov kommt auf die Garage zu sprechen. Das Silicon Valley betrieb ebenfalls der Montage, jedoch getarnt als Synthese. Okay, ein komplizierter Satz, da sieht man schon, der denkt anders als Mark Zuckerberg. Die Gründungsurkunde des Projekts, der Whole Earth Catalog, kam als Bibliothek für Workshop-Ausrüstung daher. Das ist im Text sehr interessant, er vergleicht Bibliothek und Workshop.

In der Bibliothek geht man und eignet sich selbstständig etwas an. Der Workshop ist ein Termin im Kalender, wo dir jemand zwei Stunden Lehrgang gibt, damit du genau das machst, was die Maschine noch von dir will. Das schleift er hier im Text so ein bisschen mit und zwar aus guten Gründen. Also der Whole-Earth-Katalog kam als Bibliothek für Workshop-Ausrüstung daher und der planetarische Workshop Amazon begann als Buchhandlung.

Plötzlich hat man nur noch lizenziert und bekommen, was man sozusagen zugestandenerweise, bis es im Katalog gelöscht wurde, wie auch immer. Steve Jobs legendäre Start-up-Garage ist Bibliothek und Workshop zugleich, also dual use. Symbolisiert Arbeit als Selbsterschaffung und Freiheit als Einsicht in die Notwendigkeit. Was die Folkbildning, also das skandinavische Modell der Bibliothek, kennen wir alle, Oslo oder so, die große Nationalbibliothek, einst von unten erobern wollte, annektiert die Garage nun von oben.

Also, anders als Mark Zuckerberg, Verherrlichung der Garage. Nein, die Garage ist sozusagen die Verworkshoppung der vorherigen Bibliothek, statt wie Steve Jobs selbst sagte, wir befreien uns von den Ketten von IBM und machen es jetzt alles selbst, siehe iPhone, würde ich jetzt anschließen. Und die KI macht das Angebot komplett. Für eine geringe Gebühr bekommt jeder etwas ab, aber niemand eignet sich mehr etwas an, sondern genau umgedreht, wir prompten die ganze Zeit und die Maschine eignet sich das an.

Das ist ja auch die große Diskussion, die Alex Karp gerade angestoßen hat, dass nicht nur die Frontier-Modelle sehr teuer sind, sondern dass die KI-Firmen eben auch abgreifen, was es für Use Cases gibt. Und dann hast du auf der einen Seite Unternehmen, die sagen, ja, wir fänden es schon ganz gut, wenn unsere Kunden unsere Design-Dinger auch so und so benutzen. Ich weiß gar nicht, welche Firma da dem zum Opfer gefallen ist, dass es plötzlich Claude Design gab.

Und da sind ja, ach, Figma war das. Also eine der großen, bei uns kannst du hier so Photoshop im Web machen und so. Und dann kam plötzlich Claude Design und sah aus wie Figma. Und das ist natürlich dann genau das.

Florentine

Wo wir alle angst haben.

Stefan

Welche?

Florentine

Canva.

Stefan

Genau, das ist noch eine andere, die fand jetzt so in meinem Umfeld ein bisschen mehr statt. Ich habe das immer alles nie benutzt. So, und jetzt... Steigen wir in die direkte Diskussion der Texte miteinander ein. Also, Mark Zuckerberg sagt, jeder wird einen außergewöhnlich fähigen persönlichen Agenten haben, der dich, deine Ziele und alles, was dir wichtig ist, versteht und wie ich anschließen möchte, gegen seine Lüge unverschlüsselt auf Mark Zuckerbergs Server, einfach Mark Zuckerberg darüber informiert, was dir wichtig ist, du bist und so weiter.

So, jeder wird bald Erfindungssuperkräfte haben, jeder wird einen personalisierten Tutor und Coach haben mit einem Doktortitel in jedem Fach und unbegrenzter Geduld, um dir dabei zu helfen, alles zu lernen, was du lernen willst. Und das ist natürlich genau die Verdrehung, denn, Mark Zuckerbergs Schlussfolgerung, in dem Maße, in dem alle mächtigere Werkzeuge bekommen, wird jeder Einzelne fähiger, die Zukunft zu gestalten, nicht weniger fähig.

Also wir kriegen mehr Fähigkeit, unsere Zukunft zu gestalten. Und dann kommt Evgeny Morozov und dreht das alles um und zwar sehr gut. Allerdings immer auch mit einem linken Bashing, das natürlich hier völlig zu Recht, genau das macht den Text attraktiv. Die Linke droht, eine entscheidende Chance zu verpassen, weil ihr Begriff von Arbeit auf Arbeitsplätze, Löhne und Disqualifizierung fixiert ist.

Denn das, was Mark Zuckerberg da im Angebot hat, sagt der Maschine einfach, was dir wichtig ist, ist ja genau die Arbeit, die die Maschine so klug macht. Also irgendwer wird produktiver, nämlich die Maschine, und klüger, nämlich die Maschine, weil du für sie arbeitest. Also muss über diesen Arbeitsbegriff neu nachgedacht werden. Entsprechend betrachtet sie, also die Linke, die KI-Ära als neue Etappe der alten Arbeitskämpfe.

So versäumt sie, einen Arbeitsbegriff zu entwickeln, der über den Bereich der Erwerbsarbeit hinausgeht. Einen, der menschliche Aktivität als weltverändernde Kraft umfasst, also als konkrete Fähigkeit, Werkzeuge, Begriffe, Regeln und Maschinen zu entwickeln und anzuwenden. Diese unterschiedlichen Konzepte stehen für zwei Wege der Emanzipation. Beim ersten geht es darum, wer was bekommt.

Also die Frage, bekommt Mark Zuckerberg einfach alle Erträge aus unserer Arbeit? Also um die Verteilungsfrage. Beim zweiten, und da legt er jetzt Wert drauf, darum, was Menschen bekommen müssen, um etwas werden zu können. Also um die Frage der Aneignung. Während also Mark Zuckerberg einfach nur ein Technologie-Verbreiten-Argument macht, sagt Evgeny Morozov, nee, wir müssen uns Sachen aneignen.

Denn wenn Leute in der Küche stehen und der KI sagen, was sie in ihrem Kühlschrank haben, was sie sich wünschen, was man daraus kocht und Vorlieben nennen, dann müssen diese Erträge dieser Arbeit, nämlich was könnte man so kochen, aus welchen Rezepten, was kauft man so typischerweise, was auch immer, müssen sie das wieder allen zur Verfügung stellen, statt einfach nur in so einen Datenfusionsreaktor bei Mark Zuckerberg zu versacken.

Also wieder in so einem Silo, wo man wieder denkt, nee, also wenn ich jetzt die weltbesten Rezepte brauche, muss ich Mark Zuckerberg eine Frage stellen. Und genau diese Falle muss entgangen werden, indem diese elementare menschliche Aktivität, mit der KI zu reden, als Arbeit verstanden wird und die Erträge daraus, zur Aneignung zur Verfügung stehen, statt einfach nur so ein Partizipationsjahr, also wir lizenzieren dir hier mal die Nutzung dieses Gerätes.

Wir verbreiten dir die Technologie, aber lassen das Wissen darüber bei uns. Und das finde ich einfach, das ist wirklich eine perfekte Antwort, genau auf diesen Text von Mark Zuckerberg, ohne dass hier eine direkte Antwort formuliert wurde, sondern es liegt eh in der Luft, diese Argumentation zu machen. Das ist wirklich ganz hervorragend.

Florentine

Also ich finde, um das mal pragmatisch zu verdeutlichen, was er da eigentlich sagt, finde ich immer ganz gut, sich mal anzugucken. Stell dir vor, du hast so einen 40-Stunden-Job und es gibt keine KI. Und jetzt kommt die KI und du kannst deine Arbeit, die du vorher gemacht hast, plötzlich zehnmal so schnell machen, weil du jetzt den richtigen Job dafür hast.

36:44Wem gehört die KI-Dividende?
Florentine

Dann ist ja die Frage, arbeitest du dann nur noch vier Stunden die Woche, lässt dich aber weiter für 40 bezahlen oder kann dein Chef plötzlich von dir verlangen, dass du zehnmal so viel Output an ihn ablieferst? Das ist halt die Sache, wenn die KI-Dividende sozusagen bei den Arbeitern bleibt. Dann können wir jetzt alle vier Stunden Woche machen irgendwie, dann wird immer noch genauso viel produziert wie vorher, wir können genauso gut unseren Lebensunterhalt damit bestreiten, aber endlich mal ins Schwimmbad gehen, so, wir haben endlich mal Zeit, um unser Geld auszugeben.

Stefan

Genau, aber wird nicht passieren.

Florentine

Oder der Chef sagt halt so, ja, du nutzt ja KI, jetzt musst du auch zehnmal so viel leisten.

Stefan

Alter.

Florentine

Und natürlich für das gleiche Geld, ist ja klar.

Stefan

Und auch eine KI, die du nur im Workshop kennenlernst? Also deren eigentlichen Potenziale dir dann weiterhin verborgen werden, weil du kriegst ja nur im Workshop Wissen.

Florentine

Genau, wenn du dann am Ende doch nur den roten oder den grünen Button klicken sollst, wie in schneller Kadenz, um irgendwelche Permissions an die KI zu geben sozusagen, dann hat dein Chef da gewonnen. Und die Frage ist jetzt halt, das sehe ich halt als den Kern von dem Kampf ist halt und von diesen ganzen Bewegungen ist halt, Man versucht, die KI-Dividende abzugreifen. Und Mark Zuckerberg hätte gern ein bisschen. Anthropic und OpenAI wollen sie ganz.

Und ich bin der Meinung, die sollten halt gar nichts kriegen, sondern wir sollten uns die komplett selbst aneignen.

Stefan

Genau. Und auf dem Weg zu diesem Ziel, die größte Chance der letzten 100 Jahre für eine linke Argumentation, wie er sagt, muss man dieses linken Bashing machen, aber eben auch es raffiniert, denn er kommt hier direkt auf Marx zu sprechen. Ein Jahrhundert lang setzte die Linke vor allem auf Verteilung, während die, Zitat, freie Entwicklung eines jeden, und dieses Zitat ist eben direkt kommunistisches Manifest, in Vergessenheit geriet.

Die KI rückt diese Idee nun wieder ins Zentrum, wenn auch in verzerrter Form. Der alte Traum von der Erweiterung der menschlichen Fähigkeit verwirklicht sich in gigantischen Dimensionen, jedoch zu den Bedingungen des Kapitals. Und diese Bedingungen des Kapitals, die hat Mark Zuckerberg, In seinem Text formuliert. Ich biete euch das an, ihr dürft ein bisschen mitnutzen, ich stehe euch dafür aber immer zur Verfügung und es wird sehr billig sein.

Du wirst nur, aber das ist ein Text ausgeklammert, ein bisschen Werbung ertragen müssen, aber das bist du ja schon gewohnt.

Florentine

Ja, im Grunde genommen reden die alle so in einem Cloud-Modell das Wort. Also zu den Bedingungen des Kapitals ist ja so ein bisschen deskriptiv. Das ist ja nicht zwingend an der Stelle. Also eigentlich wird immer ganz viel über dieses Data-Center-Modell geredet, diese zentralisierte KI in ganz vielen Kontexten. Also eigentlich, wenn jemand irgendwo in der Presse von KI redet, dann immer dezentral.

Dann wird dann gesagt, hier Energieverbrauch, Wasserverbrauch. Dieses und jenes und welches Problem, wie kriegen wir da gigawattweise Energie hin. Dabei ist das einzige Problem ja, dass man es an einer Stelle zentral macht, damit man so eine Mautstelle erzeugt. Im Grunde genommen, es gibt genug Chips in der Welt. Es gibt wirklich mehr als genug Chips in der Welt. Irgendwie, wenn ich mir hier auf meinem Schreibtisch angucke, sehe ich irgendwie bestimmt 30 Geräte, wo ein Chip drin ist, wo das keiner vermuten würde.

Wie meine Mutter hat noch Windows-PCs im Schrank stehen. irgendwie alte. Also das heißt, da ist nicht zu wenig. Und die Leute haben auch dezentral, kannst du eine Solarzelle aufstellen. Das reicht dann für ein bisschen KI. Das heißt, da hast du auch diese ganzen Probleme nicht. Aber es wird auf einer bestimmten Ebene, da gibt es ein Interesse daran, den Leuten einzureden.

KI ist halt das zentrale Modell. Und dezentral müssen wir gar nicht drüber nachdenken.

Stefan

Genau. Das ist im Grunde, du hast jetzt die Stromversorgung angesprochen, da genau dasselbe. Wir brauchen nicht RWE, die für uns ein Megading, wenn die alle ein Dach haben und einfach eine Solarplatte drauf machen können. Weil die reicht, um so ein normales Alltagshaus zu versorgen. Und zwar im Sommer wie im Winter.

Florentine

Die kann auch noch ein paar Mac-Minis mit betreiben. Auf denen können dann irgendwelche China-Modelle laufen. Und schon haben wir uns die Prädiktionsmittel angeeignet.

Stefan

Genau. Das sollten wir jetzt wirklich beibehalten, von den Prädiktionsmitteln zu sprechen. Also hier muss umgedacht werden. Und jetzt wird er sehr konkret, was die politischen Diskussionen angeht. Denn ich denke auch, Du hast es ja eben schon gesagt, da steckt ja so eine Art Rückenwind drin, dadurch, dass überall Chips sind und wir iPhones haben, die viel zu viel Power haben für das, was sie eigentlich können.

Das ist ja auch, dass seit zwei Generationen da so ein bisschen vorgebaut wurde und wir so Supercomputer in der Hosentasche haben. Da ist ja eigentlich Rückenwind drin, wenn nur die Argumentation bei jedem stecken würde. So, und das tut sie aber nicht und Evgeny Morozov wird hier sehr konkret diskutiert. Nehmen wir das Thema KI-Dividende. Hier stammt der kühnste Vorschlag von Bernie Sanders. Also er legt sich jetzt mit den ganz Großen an.

Der unabhängige linke US-Senator will die KI-Unternehmen verpflichten, einen Teil ihrer Aktien an einen Staatsfonds abzutreten. Schöne Idee. Doch die Teilenteignung der Milliardäre ließe das Verhältnis zwischen Bürgerin und Maschine unberührt. Loren Cole, zu dem sage ich gleich was, würde vielleicht reicher werden, aber er wäre immer noch eine Ein-Mann-Truppe.

Also Loren Cole ist berühmt dafür geworden, dass er vor Gericht sich von einem KI-Anwalt hat verteidigen lassen und gewann. Er konnte also, ich glaube es ging ums Falschparken oder sowas, einfach zu seinen Gunsten mithilfe einer KI. So, darin steckt natürlich ein Win, den Mark Zuckerberg sofort als, ja ja, das könnte unser aller Win sein.

Aber darin steckt weder eine Verdrehung der materiellen Tatsachen noch eine Organisation. Da wird ja nichts organisiert. Dann gucken wir einfach mal, dass wir alle unsere schönen kleinen Schicksale schreiben, wie wir den Brief an die Lehrerschaft, gleich fehlerfrei geschrieben haben, dass das Arbeit gemacht hat.

Florentine

Da ist auch genau immer der Punkt, wo man mit einer Ideologiekritik reinspringen muss an der Stelle, weil im Grunde genommen, da sieht man auch wieder, auch bei Bernie Sanders, die Überlegung nimmt irgendwie alles als gegeben, was die KI-Industrie so behauptet an der Stelle. Unter anderem, dass das überhaupt alles zentral sein muss. Wenn du erstmal davon ausgehst, macht das natürlich voll Sinn, ja dann wollen wir an dem Ding beteiligt sein.

Also es ist im Grunde genommen so, man könnte auch das Modell Bohrmaschine fahren und sagen, jeder kriegt eine, aber stattdessen ist es immer, ja, das Bohrmaschinenzentrum, das muss vom Staat mit kontrolliert werden irgendwie. Und aber anstatt, dass wir alle eine Bohrmaschine kriegen, müssen wir die quasi immer wieder da abholen, immer wieder abgeben. Die Bohrmaschine guckt auch immer noch so ein bisschen mit, ob wir auch das Richtige tun.

Und ich glaube, das ist halt so, was er hier meint mit Loren Cole, würde vielleicht reicher werden, aber wäre immer noch eine Ein-Mann-Truppe. Wir stellen das Grundprinzip noch nicht in Frage.

Stefan

Genau. Und als würde Mark Zuckerberg das auch schon genauso als Problem sehen, dass man das nämlich in Frage stellen könnte, war der im Text relativ konkret und das erinnerte mich so an die ganzen Standard-Argumentationen, Alex K., Peter Thiel, vom, wie hieß sein Buch, Zero to Hero, Also es darf nur den einen Monopolisten geben. Die Unternehmen, auf gar keinen Fall staatliche Monopole, ist ja für ihn gleich der Antichrist, wenn sich Staaten mal organisieren. Nein, man möchte gerne Kleinstaaterei.

Der eine große Konzern, der möglichst unbehelligt von vielen kleinen Staaten da in Ruhe gelassen wird. Bei Mark Zuckerberg auf kleiner jeder Einzelne wird Empowered-Ebene, klingt das so. In naher Zukunft wird es neue Berufe geben, die heute nicht üblich sind. Zum Beispiel Ein-Person-Produktionsstudios. Die Spielzeug, Möbel oder Kleidung nach Maß entwerfen. Also bloß nicht organisieren, jeder für sich.

Weltenbauer und Erlebnisdesigner, die Spiele, Geschichten und Abenteuer erschaffen, persönliche Biologen, die mit Superintelligenz personalisierte Behandlungen zusammenstellen und vieles mehr, was wir uns noch nicht vorstellen können. Also alles die Ein-Mann-Truppe, genau das, wovor Evgeny Morozov warnt. Die Größe von Unternehmen, schreibt er ganz konkret, könnte schrumpfen, so wie sie schon beim Übergang vom Industriegiganten zu den Tech-Unternehmen geschrumpft ist.

Aber das bedeutet nicht, dass es insgesamt weniger Arbeitsplätze gibt. Es läuft auf eine große Zahl von Unternehmen hinaus mit jeweils wenigen Menschen. Also es ist genau die Gefahr, die hier beschrieben wird. Jeder kämpft für sich. Bloß nicht die Verhältnisse infrage stellen. Es reicht, wenn du an KI partizipierst, darfst dir nichts aneignen. Kein eigener Server im Keller. Das Wissen, dass du in die Maschine rein promptest, bleibt auf der anderen Seite.

Es kommt nichts zu dir zurück, sondern du kriegst nur tailored Nachrichten für dein nächstes Problem, das du lösen willst. In Zukunft werden kleine Unternehmen, schreibt er, weiterhin das Rückgrat der Wirtschaft sein. aber jedes kleine Unternehmen wird eine viel größere Wirkung entfalten. Also er redet von ganz vielen kleinen Unternehmen, während er als der eine singuläre, zentrale, monopolistische Anbieter diese KI zur Verfügung stellt.

Mehr Unterwerfungen selten formuliert wurden.

Florentine

Wobei ich das nicht zwingend in Kombination sehe.

Stefan

Ich unterstelle mir nur das Böseste.

Florentine

Ja, das macht auch total viel Sinn bei ihm. Aber so bezogen auf die Realität, ich glaube auch, dass es viele kleine Unternehmen geben wird, aber gar nicht mal unbedingt, weil Mark Zuckerberg die alle vereinzeln will.

46:09Zünfte und die Superzunft der Zukunft
Florentine

Aber es gibt so eine schlaue Theorie von einem Typen namens Coase, das ist die Transaktionstheorie.

Stefan

Die Transaktionskostentheorie.

Florentine

Und die sagt, Unternehmen haben genau einen Zweck und das ist die Senkung von Transaktionskosten. Unternehmen entstehen da, wo sie es ermöglichen, dass der Einzelne halt eine Transaktion günstiger durchführen kann. Es ist natürlich, wenn du viel Kapitalbedarf hast bei Sachen, dann bietet es sich an, große Unternehmen zu machen, Konzerne und so weiter. Desto billiger natürlich deine Produktionsmittel werden, desto weniger Bedarf hast du daran, dass deine Transaktionskosten noch weiter gesenkt werden.

Es gibt keinen Bedarf mehr, sich zusammen zu schließen, weil diese ganzen einzelnen Leute ja alle miteinander viele billige Einzeltransaktionen machen können. Da müssen die sich nicht vorab als Unternehmen organisieren.

Stefan

Genau, aber jetzt kann man ja einen Rückblick auf, sagen wir mal, ausklingendes Mittelalter oder schon hartes Mittelalter, aber vor allem dann Neuzeit und so. Die ganzen Handwerker in den Städten und die Händler waren ja immer Einzelkämpfer. Also es gab ja keinen Schmied, der jetzt eine Mega-Organisation aus tausend Schmieden gegründet hat. Und trotzdem gab es die Organisationsform der Zunft, die Regeln nach innen und nach außen formuliert hat.

So und genau das ist ja die große Gefahr für Mark Zuckerberg, dass einfach, sagen wir mal, ein Verband, im modernen Sinne, dass irgend so ein Verband kommt und sagt, ja, also unsere nächsten Tarifverhandlungen sehen so aus, wir fordern jetzt diese und jene Zugangssachen zu Mark Zuckerbergs KI. Unsere Drohung dagegen ist natürlich nicht der Streik, sondern einfach Kimi K3.

Und genau das ist ja das Szenario, was er vermeiden will. Deswegen würde ich gar nicht so sehr eben, Mark Zuckerberg redet von großen Unternehmen und kleinen einzelnen Unternehmern, sondern es ist ja auch die Frage drumherum, wie organisiert die Gesellschaft an sich? Zünfte in einer Stadt oder sogar Hansen, die dann über Städte hinaus ganze hunderte Kilometer lange Geschäftswege und so einfach ausstatten mit, ja ja, wir tauschen hier die Pferde aus, da wird der Brief transportiert, was auch immer.

Alle Aufgaben, die man halt so synergetisch dann erledigt.

Florentine

Er sieht sich quasi so als die Superzunft der Zukunft.

Stefan

Er ist genau die eine singuläre Zunft, die dann einfach die Bestimmung macht, und ohne, dass da nochmal reingefunkt wird von denjenigen, die durch technologische Verbreitung da partizipieren an seiner tollen Sache. So, Evgeny Morozov wird hier also sehr deutlich. Die aktuellen Vorschläge von links gehen in Richtung KI-Dividende und KI-Staatsfonds. Aber das läuft lediglich wieder auf eine Vergesellschaftung von Kapital hinaus, was die Maschine problemlos schlucken wird. Das sehen wir ja heute.

Klar kann man jetzt Mark Zuckerberg immer sagen oder Google, du bezahlst jetzt mal 980 Millionen Strafe. Und die so, ja, ich habe 100 Milliarden in meinen Büchern verdient letztes Jahr. Also klar, da sind jetzt so KI-verheimlichte Gewinne drin, aber der Google-Jahresgewinn war zuletzt 112 Milliarden. Die brauchen also drei Tage für eine Milliarde netto.

Wenn du denen dann sagst, 900 Millionen Schaden, ja gut, also das haben wir zwischen 7. und 9. März letztes Jahr erwirtschaftet. Es ist sozusagen völlig ungefährlich für die, ja. Aber das ist ja diese Art von Vergesellschaftung, gegen die sich Morozov wendet, das einfach so zu regeln. Unternehmen waren schon immer gern bereit, Anteile zu versilbern. Neu wäre der Versuch, die Devise des, wie er sagt, dritten Weges umzukehren.

Das gesellschaftliche zu entkapitalisieren. Also nicht die Unternehmen in die Gesellschaft zu holen, sondern, die Gesellschaft und dann Hanse, Zünfte, wie auch immer, Räume zu definieren, in denen diese Konzerne nicht einfach durch Angebote und Verbreitungen ihrer Produkte Fuß fassen können. Also neu wäre der Versuch, die Devise des dritten Wegs umzukehren.

Das Gesellschaftliche zu entkapitalisieren. Das würde heißen, Workarounds, erfolgreiche Beschwerdebriefe und hart erkämpfte Fertigkeiten, also das, was man mit KI heute so regelt, der Verfügung durch die Unternehmen, den Unternehmen zu entziehen und als Fähigkeiten an die Gesellschaft zurückzugeben.

50:36„Niemand darf sie besitzen, alle können sie nutzen“
Stefan

Das bedeutet, sehr wichtiger Satz, niemand darf sie besitzen, alle können sie nutzen. Das ist einfach genial. Das ist genau die Forderung. Was eben bedeutet, wir haben in Amerika diese hyperzentralisierten, siloartigen Blackbox-KIs. Die Chinesen geben uns schon mal die Open Weights mit und wir haben Unternehmen wie in der Schweiz, On-Prem-AI, die eigene Modelle haben, die veröffentlichen, die Weights mit veröffentlichen, die Trainingsdaten mit veröffentlichen und die Methoden des Trainings mit veröffentlichen.

Sodass wie in einer guten Bibliothek jeder mal ins Buch reinschauen darf. Und zwar ohne vorher sagen zu müssen, warum, ohne einen Antrag zu stellen. Ja, was für ein großer Kampf bei Facebook, dass man nach hier, Dings Analytica, mal als Wissenschaftler einen Antrag stellen kann auf Zugang zu, wann will der noch mal nachschauen, ja. Das waren ja alles viel zu harte, sinnlose Kämpfe. Dann einfach, nö, ihr dürft diese KI nur betreiben, wenn ihr alles veröffentlicht. Punkt.

Und das ist eigentlich genial, finde ich. Das ist eine geniale Forderung und das ist auch eine sehr linke Forderung und was ich sehr gut finde, ist, dass man diese Forderung umso besser formulieren kann, umso mehr man sie mit Hilfe von KI formuliert. Also den KI dann wirklich zum Klassenkämpfer macht, was bedeutet, die Realität von KI anerkennen erstmal, als allerersten Schritt einer neuen linken Bewegung.

KI anerkennen, KI nutzen und dann KI öffnen. Räume entkapitalisieren.

Florentine

Die Linke ist immer sehr gut darin, sich die besten Tools einfach wegnehmen zu lassen. Das hat man schon mit dem Kapitalismus versaut. Also man hätte ja auch mal überlegen können, wie man sich den Kapitalismus unterwirft an der Stelle als Linke, anstatt ihn immer nur zu bekämpfen. Jetzt gibt es halt irgendwelche rechten Idioten, die in der Zahl sehr gering sind, aber gut mit dem Kapitalismus umgegangen sind und die kaufen sich jetzt teilweise einfach die Wahlen.

Stefan

Genau.

Florentine

Und das gleiche droht meiner Meinung nach der Linken schon wieder zu passieren, anstatt dass man jetzt halt sagt, ja KI ist super, warum sollen wir nicht alle eine haben, versucht man halt in gewisser Hinsicht irgendwie da vorweg zu laufen, während man das aber gleichzeitig komplett im Denken des alten Kapitalismus macht. Weil es gibt ja immer wieder so diese Überlegung so, ja okay, also wir hatten ja zum Beispiel im Smalltalk-Forum diese Diskussion mit dem Lautsprecher, den du da erwähnt hattest, irgendwie, den du dann einfach den Button da reingebaut hast sozusagen und irgendwelche anderen Leute sagten gerade, ja aber den Button, den hätte doch auch ein Mensch bauen können, jetzt hast du ja jemandem da seine Existenzgrundlage weggenommen, wir müssen verbieten, dass man das mit KI machen kann, damit die Leute auch beschäftigt bleiben.

Aber keiner denkt mal dran zu sagen, so, ja nö, wenn der nichts mehr zu tun hat, dann füttern wir den einfach trotzdem, weil wir produzieren ja genug, weil wir geile Lautsprecher-Buttons haben. Also dieses, wir machen einfach den Kuchen so groß, dass auch mal einer rumsitzen kann und dann ist es gar nicht mehr schlimm. Da müssen wir uns gar nicht mehr um die Brotkrümel, die da vom Tisch runterfallen, prügeln, sondern wir haben halt einfach Brot. Fertig.

Aber das ist halt so gefährlich, wenn die Leute erstmal so anfangen zu denken, dann werden sie wahrscheinlich eine ganze Menge auch am Status Quo, an den Machtverhältnissen mal betrachten und dann wird es natürlich doof.

Stefan

Ja, und ich finde, in dem Mark Zuckerberg-Text geht es noch genau in diese Richtung, nämlich, dass da so eine gewisse, wie soll man sagen, so eine neue Traktion drin steckt, dass sich Sachen ja, also die Gesellschaft wird sich verändern. Auch wenn die Linken das vielleicht nicht wollen, weil sie sagen, die KI verändert die Gesellschaft, das will ich nicht, also bin ich gegen KI. Ich gehe jetzt demonstrieren gegen ein Rechenzentrum, während Erin Brockovich eine Webseite hat, wo sie das trackt, wo 4000 gerade im Bau sind.

Also wo will man da anfangen? Und bei Mark Zuckerberg im Text, finde ich, muss man jetzt herauslesen, wie die Typen da denken, denn ich finde, hier steht jetzt wirklich die große Zäsur an. Also es ist nicht nur die Gutenberg-Parenthese im Sinne von, keiner liest mehr Bücher, außer wir, die wir noch KI-Texte lesen oder im Salon oder so, sondern Mark Zuckerberg schreibt, Die Geschichte von Demokratie und Marktwirtschaft hat gezeigt, dass es nicht die eine objektive Antwort darauf gibt, wie Menschen das beste Leben definieren.

Der beste Ansatz ist deshalb, die Menschen entscheiden zu lassen. Was in ihrem eigenen Leben zählt. Diese Erwähnung von Demokratie und Marktwirtschaft, die uns irgendwas gezeigt haben, da würde ich sagen, wenn das Bild von Mark Zuckerberg aufgeht, nämlich dass die Maschine... Also zum einen den Menschen vereinzelt und dann immer die klügere Hälfte dieser letzten elementaren Paarbeziehung ist.

Dann stellt sich wirklich die Frage, wozu brauchen wir noch Marktwirtschaft und wozu brauchen wir noch Demokratie? Also das wird ja hier nur noch als Folklore so, Demokratie und Marktwirtschaft haben ja immer gezeigt und so, während er selber schon weiß, ist nicht mehr. Also das sind echt nicht mehr die Grundlagen, auf denen wir hier Zukunft gestalten, dass irgendwer noch eine demokratische Teilhabe oder ein marktwirtschaftliches Fortkommen.

Das ist ja einfach nicht mehr gegeben. Er schreibt weiter, es gibt keine technologische Lösung, die sich mit den gegensätzlichen Interessen und Werten aller zugleich in Einklang bringen lässt. Jede singuläre Superintelligenz müsste manche Werte über andere stellen und wäre dabei außerstande, allen gegenüber wohlwollend zu sein. Hier sieht man schon, welche Kämpfe er jetzt führt, nämlich, ich will nicht, dass Anthropic eine Constitutional AI macht, wo eine Constitution für alle gilt, sondern ich möchte die hyperindividuelle, Florentine hat gesagt, ihr ist das wichtig, also kriegt sie genau das.

Mir doch egal, ob es da noch eine demokratische marktwirtschaftliche Grundlage gibt, bei der man sich eigentlich so mal auf allgemeine Regeln einigt oder so. Nein, jeder bekommt jetzt sein eigenes Ding. Er räumt einfach alles ab. Er räumt die gemeinsame Grundlage unserer Gesellschaft, dass es noch so Satzung, Verfassung gibt, räumt er ab. Er räumt ab, dass es eine gemeinsam geteilte Hintergrundrealität gibt.

Nein, es fragt doch jeder seinen eigenen KI-Agenten, was gestern in Mosambik los war. Es gab ein Erdbeben. Und alle anderen Nachrichten werden so ein bisschen, ja, keine Ahnung, muss sich doch nicht interessieren. Also eigentlich räumt er alle Grundlagen ab, von denen er gerade noch folkloremäßig, ja, Demokratie und Marktwirtschaft haben immer gezeigt, dass wir da zu Lösungen kommen.

Florentine

Ich lese ihn gar nicht so extrem. Also ich lese ihn nicht so, dass er sagt, das muss alles weg. Aber ich gebe dir definitiv recht, dass er dagegen Anthropics, Constitutional AI schießt. Aber ich verstehe den Ansatz auch immer mehr als eine Art amerikanischen Kulturimperialismus. Weil wenn du dir anguckst, worüber darfst du denn mit ChatGPT reden, kommst du relativ schnell an diese typisch amerikanischen Grauzonen.

Also Sex schon mal gar nicht. No Sex, please. ließ. Und im Grunde genommen, wenn man ihn nicht total extrem liest, finde ich, hat er eigentlich recht. Weil im Grunde genommen, also, wir können bestimmt nicht sagen, es gibt grundsätzliche Interessen und Werte der Menschheit. Sondern da gibt es dann zum Beispiel schon mal in, Nordrhein-Westfalen, ganz andere Werte als in Sachsen-Anhalt, ganz offensichtlich.

Stefan

Genau, aber die Frage ist ja, ob nicht genau dieses Phänomen, was du beschreibst, Anlass und Ursache dafür ist, um zu sagen, wir haben gesehen, wohin es führt und deswegen, gerade weil es diese Unterschiede gibt, Artikel 1, Artikel 2, Artikel 3. Nicht alles, sondern nur Artikel 1, Artikel 2, Artikel 3. Um genau diese, ich will es jetzt übertreiben, Gefahren, die irgendwann dann doch darin lauern, dass diese idiosynkratischen Sprachen dann mal aufeinandertreffen und man sich gegenseitig nur noch als Barbaren mit dem Schwert gegenübersteht.

Und Barbaren ist ja genau dieses, die haben keine Sprache, die reden wie Affen, wir verstehen sie nicht. Das sind sozusagen Untermenschen. Genau diese Gefahr, also weil man das sah, hat man ihm in der Gutenberg-Parenthese gesagt, nee, nee, wir machen das nicht mehr auf Zuruf und spontan, sondern es gilt jetzt einfach Artikel 1 und darüber wird auch nicht diskutiert.

Und genau dagegen wendet er sich. Und ich will es mal noch zuspitzen, weil ich lese ihn ja sehr negativ und ich verstehe aber deine Argumentation. Also er schreibt, wenn Menschen ermächtigt sind, also durch seine KI, empowert, treten sie ganz natürlich in Konkurrenz zueinander und kontrollieren sich gegenseitig, wirtschaftlich, sozial, politisch und auf allen anderen eben menschliche Interaktion.

Was ja bedeutet, genau diese gemeinsame Grundlage wird jetzt ausgeräumt, stattdessen wird über, jeder hat denselben Zugang zu seiner KI und die ist für jeden gleich klug, wird eine Waffengleichheit hergestellt und das ist die neue Grundlage der Gesellschaft. Also nicht mehr Artikel 1, sondern einfach nur noch Promptgewitter. Und dann positioniert er sich in diesem Bild, das ich zugegebenermaßen sehr kritisch schon verstehe, aber er schreibt jetzt, Meta ist das Unternehmen, das sich vor allem darauf konzentriert, persönliche Superintelligenz für alle zu bauen.

Die meisten anderen Labore konzentrieren sich darauf, KI für Unternehmen, Regierung oder andere Institutionen zu bauen. Wenn also diese Labore führen, wird es Machtgleichgewicht größerer Institutionen gegenüber Einzelnen begünstigen. Metas Mission konzentriert sich seit unserer Gründung darauf, Macht in die Hände der Menschen zu legen.

Also ich sehe hier ein Abräumen der Gutenberg-Galaxie. Wir haben keine gemeinsame Textgrundlage mehr. Wir können uns auch nicht mehr darauf verlassen und darauf beziehen, sondern wenn du es mit deiner KI nicht schaffst, dir einen Platz in der Welt zu beschaffen, dann hast du leider verloren.

Florentine

Ja, es ist ja im Prinzip, Macht in die Hände der Menschen zu legen, kann man ja auch auf verschiedene Arten und Weisen an der Stelle lesen. Kann ja auch heißen, das ist ja Macht übereinander, mehr zu schaffen. Also einen härteren Wettbewerb zu erzeugen. Und er steht dann quasi so in der Mitte und regelt das alles.

Stefan

Ja. Menschen und Institutionen mit konkurrierenden Interessen kontrollieren und begrenzen sich ganz natürlich. Für ihn ist das schon so ein naturrechtliches Ding. Gegenseitig und führen damit in Richtung positiver Ergebnisse. Der beste und realistischste Weg, eine positive KI-Zukunft. das ist nur noch eine KI-Zukunft, zu bauen, besteht darin, Superintelligenz zu allen zu bringen.

Und da darf aber keiner neben Mark Zuckerbergs KI noch eine eigene Super-KI im Keller betreiben, weil das wäre dann ungerecht, allen anderen gegenüber. Also ich lege das sehr negativ aus, ich finde das wirklich schlimm. Evgeny Morozov macht Gegenangebote, ich lese mal zwei längere Textstücke. Während bei der kapitalistischen Dividende Werte zurückfließen, erfolgt die sozialistische Rückerstattung in der Währung neuer Fähigkeiten.

Also jetzt auch über Arbeit im bisherigen Sinne und Geld hinausdenken. Wir vergüten nicht einfach alles mit Geld, was ja an Schlechten passiert, sondern wir sorgen direkt für Feedback-Schleifen aus der inhaltlichen Arbeit, die mit der KI stattfindet. Die verausgabten Energien kehren an ihren Ursprung zurück, vermittelt über Institutionen, die es also noch gibt, die den Menschen neue Möglichkeiten eröffnen.

So würden Schulen, Gewerkschaften, Bibliotheken, Mietervereinigungen und Migrantenzentren zu Anlaufzentren der Zivilgesellschaft, wo KI-Leistungen erfasst, verallgemeinert, ausgewertet und allgemein nutzbar gemacht werden. So geht kein guter Prompt verloren und Workarounds zur Eindämmung der Bürokratie stehen allen zur Verfügung. Das ist wirklich genau die Antwort auf Mark Zuckerberg. Das ist ganz erstaunlich.

Das Ziel muss sein, zwei Wege abzukürzen. Zum einen den zwischen dem einzelnen Unrecht und der strukturellen Beseitigung seiner Ursachen. Zum anderen den zwischen individueller Erfindung und ihrer gesellschaftlichen Aneignung. Für Letzteres braucht es Institutionen, die die Erfahrungen, die ihre Mitglieder in ihren. Alltagskämpfen machen, erfassen und als erweiterte Fähigkeiten an die Gesellschaft zurückgeben.

Am Anfang müsste ein Register stehen, eine Art kollektives Gedächtnis, in dem alle Lernerfahrungen gespeichert, ausgewertet und erweitert werden. Eine solche Einlageninstitution für unbezahlte erfinderische Tätigkeiten wäre das, was die Gewerkschaft für Lohnarbeit war. Das Geniale an der Gewerkschaftsidee lag ja nie darin, Missstände zu sammeln, sondern sie für die Zukunft abzustellen.

Die nachfolgenden Arbeiterinnen erbten, also hier das Wort Erbe einzubringen ist sehr gut, bessere Anstellungsverträge, anstatt den Kampf wieder neu beginnen zu müssen. So könnte auch ein Mieterverband funktionieren, der seine KI-Modelle mit jeder erfolgreichen Klage seiner Mitglieder füttert. Denn dann kann die tausendste Mieterin auf 999 Siegen aufbauen. Und ehrlich gesagt, das sehen wir ja auch auf Instagram, wie viele Leute bei YouTube, Instagram und anderen Social Media Kanälen wollen dir erklären, dass sie einen mega Prompt haben und kommentiere und dann schicke ich ihn dir.

Also, dass einfach so eine Prompt-Deliberation stattfindet, dass einfach jeder, so Prompt geliefert bekommt, weil sie gut funktioniert.

Florentine

Ich finde die Idee super, aber es gibt es natürlich schon meiner Meinung nach. Es hat da glaube ich nicht so im Blick, weil er da so IT-mäßig nicht so aufgestellt ist, aber eigentlich, wenn ich so lese, eine solche Einlageninstitution für unbezahlte erfinderische Tätigkeiten wäre das, was die Gewerkschaft für Lohnarbeit

1:04:08Warum die Antwort Linux heißt
Florentine

war, muss ich sofort an Linux denken. Das beschreibt ein typisches Open-Source-Projekt. Das ist eine Einlageninstitution. Du hast bei GitHub ein Projekt, da kommen irgendwelche schlauen Leute dabei, gucken sich das an, sagen, wenn ich jetzt hier einen B-Tree einsetze, statt diesem blöden Binärbaum, der da steht, dann geht es ja doppelt so schnell. Dann ändert er das, bringt seinen Patch ein, irgendein Gremium sagt, das war eine gute Idee und dann ist es Teil vom Code.

Stefan

Genau, wir haben Linux.

Florentine

Ich glaube, genau.

Stefan

Und das, dann hier Stack Overflow, also so Foren, wo man sich gegenseitig austauscht und vor allem Probleme zeigt und die Lösung. Wir haben Wikipedia, wo genau die Arbeit wird immer konkret umgesetzt in, jeder kann sofort lesen und weiterarbeiten. Nur wo ist das für das KI-Zeitalter? Wo ist Linux? Wo ist Stack Overflow? Also Stack Overflow wurde eigentlich gerade gekillt.

Das ist ja eigentlich das Beispiel dafür, dass es genau nicht mehr funktioniert. Und Wikipedia steht ja auch, also niemand klickt auf einen Link zur Wikipedia, weil kein Link mehr angezeigt wird. Es wird nur noch der eine.

Florentine

Es ist so ein bisschen im Geburtskanal alles gerade noch. Hoffentlich. Also man kann so ein bisschen rumgucken und sehen, es gibt also schon so Ansätze an der Stelle. Da so reinzubauen. Also ich meine, wenn du dir anguckst, wie viele KI-Projekte es auf GitHub gibt, von denen sogar einige ganz nützlich sind, dann, also Mem Palace ist jetzt zum Beispiel so ein Projekt, was mir dazu einfällt.

Stefan

Welches? Sag nochmal.

Florentine

Das Mem Palace, das ist ganz witzig, das ist so quasi, eine Vektordatenbank, wo man noch so ein paar KI-Skills und Plugins draufgesetzt hat und das kannst du quasi bei Codex anschließen, das kannst du bei Claude anschließen und du hast halt einfach so ein Gedächtnispalast. Das Witzige ist, das Projekt wurde ins Leben gerufen von der Schauspielerin Milla Jovovich, die wohl so ihre eigenen KI-Startups hatte und aber mit der Art und Weise, wie Gedächtnis funktioniert, nicht so ganz einverstanden war.

So als Schauspielerin muss man sich ja massive Textmengen merken. Man hat dementsprechend natürlich auch entsprechende Techniken. Und die hat das da eingebracht. So ihr Wissen, und das ist halt mittlerweile ein Open-Source-Projekt, wo relativ viele Leute dran mitarbeiten. Und das ist halt so, eine kennt sich aus damit, wie man ein richtig gutes Gedächtnis für KI macht, setzt sich mit einem zusammen, der weiß, wie man codet und bringt das halt ins Leben und solche Sachen sehe ich halt, das ist prinzipiell wofür die Linke eintreten sollte was auch die Ampel ganz gut gemacht hatte, also wenn man sich deren Open Source Politik anguckt die haben da schon eine ganze Menge Geblick gehabt Ja.

Stefan

Jetzt muss ich nur das linke Publikum jetzt mal darauf einlassen, diese Argumentation dann auch zu verstehen.

Florentine

Ja, die müssen halt weg von, die KI ist das, was die Tech-Bros machen, um uns zu versklaven. Das haben die mit Sicherheit vor. Das lesen wir ja hier gerade.

Stefan

Ja.

Florentine

Genau. Aber ein Versuch ist ja noch nicht eine erfolgreich abgeschlossene Handlung. Und ich glaube, da ist jetzt gerade der Stürmer auf dem Weg zum Tor, aber da können wir noch ein paar Mal reingrätschen und den flachlegen, bevor er das dann verwandelt.

Stefan

Absolut. Und vielleicht sollte man diesen Kampf, wenn sie das macht, dann auch, weil die Umbrella Corporation ist ja im Grunde aus diesen Filmen da genau das Ding.

Florentine

Ja, die weist so gegen die Kämpfe, könnte man sagen, genau.

1:07:27Die Schlusssätze im Vergleich
Stefan

Also wir lesen mal die jeweiligen Schlusssätze von Mark und Marx in Disguise. Also, Mark Zuckerberg schreibt, wenn diese Werte, von denen er da schreibt, den Weg weisen, bin ich optimistisch, dass die kommenden Jahrzehnte zu den Erstaunlichsten der Geschichte gehören werden. Der Bogen der menschlichen Zivilisation hat sich dahin gebogen, mehr Macht in die Hände der Menschen zu legen, also crazy verdreht, um so zu leben und die Welt so zu gestalten, wie wir es für das Beste halten.

Superintelligenz birgt das Versprechen, allen diese Macht zu geben und eine positive Zukunft für alle zu bauen. So, jetzt Evgeny Morozov. Bislang ist das Datenzeitalter noch Eigentum seiner Begründer. Doch gibt es den nächsten Loren Cole, der es sich aneignen könnte? Also diese Idee, dass mit der KI die Bürokratie überrumpelt, größer gedacht, sich die ganze Welt wieder anzueignen mithilfe der KI.

Dass uns Claude, Gemini und GPT diese Antworten nicht geben werden, how to rule the world, ist klar. Bei Kimi K3 und diesem ganzen Qwen-Zeug bin ich mir nicht so sicher. Also wenn man das selbst betreibt, scheinen mir da Einflugschneisen zu geben, Anleitungen zu bekommen aus linker Sicht. Und vielleicht ist da auch eine Versöhnung mit der großen Hacker-Szene drin, denn einen Server selbst zu betreiben, ja, damals die E-Mails und so, das war ja in der Generation Domscheit-Berg und so, das Ding.

Florentine

Das kommt jetzt auch, also ich habe ganz viele Freunde, also momentan ist halt so echt so bei ganz vielen Leuten das Thema, man klickt sich mal so ein GPU-Cluster für ein paar Stunden, lässt da Kimi K3 drauflaufen und hat im Prinzip dann das, was man früher so ich hoste mal einen eigenen E-Mail-Server hatte, hat man jetzt quasi bei KI. Nur, es ist noch ein bisschen teurer, also momentan kostet sich so eine Clusterstunde, irgendwie sowas um die 60 Euro.

Das ist natürlich ein bisschen teurer als jetzt irgendwie ein OpenAI-Abo oder so. Gerade wenn du es den ganzen Monat laufen lassen willst. Aber ich meine, Moore's Law arbeitet für uns.

Stefan

Absolut, das glaube ich auch. Und ich sehe auch bei Nvidia, ehrlich gesagt, die haben ja nun auch einen Schwenk zur, Desktop-Consumer-Elektronik wieder. Die neuesten Verkaufsveranstaltungen laufen ja nicht nur auf 30.000 Euro für ein Gerät in einem Datencenter hinaus.

Florentine

Ja, die wissen auch, dass wenn die ein Lock-in vernünftig machen wollen, dann brauchen sie halt die kleinen Geräte und die kleinen GPUs. Sonst verbreitet sich das nicht ausreichend.

Stefan

Genau so. Gut, damit haben wir hier die ersten zwei Texte besprochen. Falls ihr Linke kennt, sagt ihnen doch mal Bescheid, dass es hier Denk- und neue Arbeitsaufträge gibt. Dann hören wir uns beim nächsten Mal.

Florentine

Ja, bis zum nächsten Mal.

Ende des Gesprächs

Folge 2 21. August 2026