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Krieg per Lieferdienst

Folge 5 · 17. September 2026 1 Std. 24 Min. · 31 Kapitel
Folge 5 hören 0:00 / 1:24:31

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Krieg ist im Wesentlichen Logistik, sagt ein alter Militärspruch. Florentine hat fünfzehn Quellen zusammengetragen und folgt ihnen von Amazons Paketsteuerung bis zur israelischen Zielsoftware Lavender. Ihr Schluss: Überall, wo ein Paket hinkommt, kann auch eine Drohne hinkommen, und die Ziele findet man mit denselben Daten wie die Werbung. Stefan ist diesmal ihr Gesprächspartner.

Die besprochenen Texte Fünfzehn Quellen, als Belegpfad gelesen
Der Verlauf 31 Kapitel · anklickbar

links: Die Front Mitte: beide rechts: Die Lieferkette

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  16. 41:44
  17. 44:41
  18. 47:44
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  20. 52:02
  21. 55:34
  22. 56:20
  23. 1:01:07
  24. 1:04:06
  25. 1:05:42
  26. 1:10:30
  27. 1:13:31
  28. 1:15:08
  29. 1:18:10
  30. 1:21:04
  31. 1:22:57
Bestellt wie eine Fahrt
„Artillery units connect to the network and mark themselves open for “jobs” in much the same way that Uber drivers make themselves available for potential rides in a phone app.“

Artillerieeinheiten verbinden sich mit dem Netzwerk und melden sich für „Aufträge“ verfügbar, ähnlich wie Uber-Fahrer sich in einer App für mögliche Fahrten verfügbar machen.

David Zikusoka · New America
„Der Russe ist der Passagier sozusagen und dann kommt das Taxi für den Himmel.“
Florentine · im Gespräch, 13:25
Die Bilanz
„For example, in June, every dollar the Defence Forces spent to strike enemy targets caused nearly five dollars in losses to russia.“

Im Juni zum Beispiel verursachte jeder Dollar, den die Verteidigungskräfte für Angriffe auf feindliche Ziele ausgaben, beinahe fünf Dollar an Verlusten für Russland.

Verteidigungsministerium der Ukraine · Mission Control data
„Hier sind wir also im Prinzip in so einer ganz normalen Business-Logik angekommen.“
Florentine · im Gespräch, 20:34
Kundschaft oder Ziel
„[…] with digital systems bringing together personally identifiable information from multiple sources […] to form an algorithmically generated determination about a person, their status and targetability, or to predict their future actions.“

[…] indem digitale Systeme persönlich identifizierbare Informationen aus mehreren Quellen zusammenführen […], um eine algorithmisch erzeugte Bestimmung über eine Person, ihren Status und ihre targetability zu bilden oder ihre zukünftigen Handlungen vorherzusagen.

Internationales Komitee vom Roten Kreuz · Artificial intelligence and machine learning in armed conflict
„Das ist halt wirklich einfach genau das, was Google tut mit Ad-Tracking und Targeting.“
Florentine · im Gespräch, 39:23
Vom Wissen zum Töten
„Metadata absolutely tells you everything about somebody’s life. If you have enough metadata, you don’t really need content.“

Metadaten verraten dir absolut alles über das Leben eines Menschen. Wenn du genug Metadaten hast, brauchst du den Inhalt gar nicht mehr.

Stewart Baker, zitiert von David Cole · The New York Review of Books
„We kill people based on metadata.“

Wir töten Menschen auf Grundlage von Metadaten.

Michael Hayden, zitiert von David Cole · The New York Review of Books
Vorspann Worum es geht

Die Folge dreht sich um ein Wort aus einem Bericht des Roten Kreuzes: Targetability. Florentine liest es als das, was die Werbung längst beherrscht, nämlich aus Daten zu bestimmen, wen man erreicht. Im Krieg bestimmt dasselbe Verfahren, wen man trifft.

Die Quellen hat Florentine ausgewählt, übersetzt und vorgelesen. Den Zusammenhang zwischen ihnen, von der Paketlogistik bis zum Tötungsauftrag, nennt sie ihre eigene Synthese, nicht den Befund einer einzelnen Quelle. Am Fuß dieser Seite stehen 21 Berichtigungen. Die schwerste betrifft Stefans Vermutung, Claude habe die Schule im iranischen Minab als Ziel ausgesucht: Belegt ist das nicht, nach den bisher bekannten Befunden lag der Fehler in veralteten Zieldaten.

  • Logistik
  • Targetability
  • Killzone
  • Mosaic Warfare
  • Social Graph
  • Pattern of Life
  • Signature Strikes
  • Metadaten
Berichtigungen nachgereicht
  • diesen Van Helsing-Typen Helsing — Gemeint ist das Münchner Rüstungsunternehmen Helsing. Dessen Co-Chef Torsten Reil hat 100.000 Kampfdrohnen an der Grenze als Abschreckung gegen Panzerangriffe beschrieben.
  • jeden beliebigen Bedarf innerhalb von fünf bis sechs Stunden auszuliefern Planungszeit, nicht Lieferzeit — Die fünf bis sechs Stunden liegen laut Amazon Science zwischen Bestellung und Beginn der Bearbeitung im Versandzentrum. In dieser Spanne bewertet Condor die Bestellung drei- bis viermal neu. Eine Lieferzeit ist das nicht.
  • Otto … haben das einfach der Post übergeben Otto hatte ab 1972 Hermes — Eine eigene Zustelllogistik hat nicht erst Amazon aufgebaut: Der Otto-Versand gründete 1972 den Paketdienst Hermes, der wenige Jahre später alle Otto-Sendungen auslieferte.
  • dass das Messer jetzt eine eigene Entscheidung trifft Harari sagt das Gegenteil — Im Spiegel-Gespräch vom 9. August 2026 führt Harari das Messer als Gegenbeispiel an: Es sagt einem nicht, was man damit tun soll. Die künstliche Intelligenz dagegen tue genau das.
  • von unseren 500 Milliarden Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität — Das Sondervermögen über 500 Milliarden Euro ist für Infrastruktur und Klimaneutralität bestimmt. Die Bundeswehr hat seit 2022 ein eigenes über 100 Milliarden Euro, und Verteidigungsausgaben über einem Prozent des BIP sind seit März 2025 von der Schuldenbremse ausgenommen.
  • so eine Patriot-Rakete kostet eine Million Dollar drei bis vier Millionen Dollar — Eine Patriot-Abfangrakete vom Typ PAC-3 kostet drei bis vier Millionen Dollar. Gegen eine Shahed für 20.000 Dollar steht es damit eher 1 zu 150 bis 1 zu 200 als 1 zu 50.
  • in so einem Hotel … kam eine ukrainische Drohne angeflogen Sprengsatz vor dem Restaurant Balzi Rossi — Der Anschlag vom 1. August 2026 auf eine Feier im Moskauer Restaurant Balzi Rossi, im Erdgeschoss eines Wohnhochhauses, wurde mit einem Sprengsatz in einem Geschenkkarton verübt, nicht mit einer Drohne. Russland beschuldigt die Ukraine, Kiew hat sich nicht dazu bekannt.
  • mit Bulldozern über mit Menschen gefüllte Schützengräben … ab 2003 Golfkrieg 1991 — US-Panzer mit Räumschilden verschütteten irakische Soldaten in ihren Gräben am 24. und 25. Februar 1991, also in dem Golfkrieg, der als chirurgisch geführt galt.
  • Amazon weiß in der Regel Wochen bevor du es weißt, dass du schwanger bist Target — Die Geschichte stammt aus dem New York Times Magazine vom Februar 2012 und handelt von der Handelskette Target: Aus Einkäufen errechnete sie eine Schwangerschaftswahrscheinlichkeit und schickte einer Schülerin Gutscheine für Babysachen, bevor ihr Vater davon wusste.
  • eine ganze Schule am Kriegstag 1 in die Luft sprengen mit 200 toten Kindern rund 120 Kinder, über 150 Tote — Beim US-Angriff auf die Grundschule in Minab am 28. Februar 2026 starben nach Zählung von Amnesty International 156 Menschen, darunter 120 Kinder. Iranische Staatsmedien nennen höhere Zahlen, keine Quelle aber 200 tote Kinder.
  • sehr wahrscheinlich hat Claude dieses Ziel ausgesucht nicht belegt — Dass Claude die Schule ausgewählt hat, ist nicht belegt. Nach den bisher bekannten Befunden stand das Gebäude in einer veralteten Datenbank des US-Militärgeheimdienstes noch als Teil eines benachbarten Marinestützpunkts der Revolutionsgarden, nicht eines Flughafens, und Warnhinweise auf veraltete Daten wurden übergangen. Claude war über Palantirs Zielsystem Maven am Iran-Krieg beteiligt. Welche Rolle KI bei diesem Ziel spielte, hat das Pentagon nicht veröffentlicht; Anthropic-Chef Dario Amodei sagt, er wisse es nicht.
  • läuft das ja auf ungefähr 1000 am Tag hinaus Tote und Verwundete — Rund 1.000 am Tag sind nach ukrainischen Angaben Tote und Verwundete zusammen. Selenskyj nannte für 2026 bis Ende Juli rund 225.000 Getötete oder Verwundete, darunter 131.000 Gefallene. Unabhängig prüfen lassen sich die Zahlen kaum.
  • In den 70ern gab es irgendwann mal The Day After 1983 — „The Day After“ lief im November 1983 im US-Fernsehen. Die Friedensbewegung war da längst groß: Im Oktober 1981 demonstrierten in Bonn mehr als 300.000 Menschen gegen Atomwaffen.
  • Wir killen auf Basis von Metadaten, wurde da gesagt Michael Hayden, 2014 — Der Satz steht nicht im WIRED-Text. „We kill people based on metadata“ sagte der frühere NSA- und CIA-Chef Michael Hayden 2014 in einer Debatte an der Johns Hopkins University, überliefert von David Cole in der New York Review of Books. Florentine liest die Stelle später vor.
  • was man der Hamas immer unterstellt … einzelne Pager in die Luft sprengen Hisbollah — Die Pager- und Funkgeräte-Explosionen vom 17. und 18. September 2024 trafen die Hisbollah im Libanon, nicht die Hamas. Mindestens 42 Menschen starben, darunter zwei Kinder.
  • im 90ern beim Irakkrieg gegen Saddam … Embedded Journalists Irakkrieg 2003 — Eingebettete Reporter gab es als Programm erst im Irakkrieg 2003, zu Beginn bis zu 775. Im Golfkrieg 1991 hatte die Presse kaum Zugang zu den Truppen.
  • WiFi wurde 2011 oder so entwickelt 1997 — Der WLAN-Standard IEEE 802.11 wurde 1997 verabschiedet, die Technik ist also fast 30 Jahre alt.
  • wo es auch von der Royal Air Force … genutzt wird Fußnote 64 — Florentine liest Absatz 74 des UN-Berichts A/68/389 ohne seine Fußnoten. An den Satz über die Royal Air Force knüpft der Bericht die Fußnote 64: Das Vereinigte Königreich verwendet den Begriff „signature strikes“ nicht und äußert sich nicht zu dessen Gebrauch durch andere. Der Bericht sagt also, dass die RAF in Afghanistan „pattern of life“-Analysen zur Zielerfassung nutzt, nicht, dass sie „signature strikes“ fliegt. Die „zweite Kategorie“ gehört zu drei Zielkategorien, die er der US-Politik zuschreibt.
  • Bei der Fußball-WM war das ja gelbe Karte Rote Karte — Die IFAB beschloss am 28. April 2026: Wer im Streit mit einem Gegenspieler den Mund verdeckt, kann mit Rot bestraft werden. Bei der WM 2026 galt die Regel.
  • das ist quasi Obamas Drohnenkrieg, von dem die da reden NSA-Überwachung — David Coles Text handelt von der Sammlung von Telefon- und Internet-Metadaten durch die NSA und vom USA Freedom Act, nicht vom Drohnenkrieg. Haydens Satz ist die einzige Stelle über das Töten.
  • das Militär, das direkt Netanyahu untersteht dem Verteidigungsminister — Israels Armee untersteht über den Generalstabschef dem Verteidigungsminister, derzeit Israel Katz, nicht direkt dem Premierminister.

Wer weitere Fehler findet, schreibt uns: mail@kontextfenster.org. Wir tragen sie hier nach, statt sie stillschweigend verschwinden zu lassen.

Das Gespräch im Wortlaut 1235 Zeilen · anklickbar

Maschinell erstellt und redaktionell durchgesehen. Ein Klick auf eine Zeitmarke setzt die Nadel; beim Abspielen läuft die Stelle mit.

00:00Ein Postservice für Artillerie?
Stefan

Kontextfenster 5. Florentine ist hier, ich bin hier und die Frage, die im Raum steht, die uns Florentine jetzt beantwortet ist, müssen wir über das Wort Briefbombe neu nachdenken. Gibt es in dem Fundus der Texte, die du uns gleich vorstellst, ein Postservice für Artillerie?

Florentine

So sieht's aus. Morgen, Stefan, grüß dich.

Stefan

Moin, moin.

Florentine

Ja, inspiriert von eurem Text in DNZ, über diesen Van Helsing-Typen, das habe ich mir angehört gehabt und fand halt auch, dass das alles sehr, sehr, sehr glatt ist irgendwie und die sich das irgendwie nett vorstellen da mit ihren 100.000 Drohnen und dann machen die die Panzer kaputt.

Stefan

Ja, ich referiere kurz, wie das war. Also der Van Helsing Chef ist in einem Podcast und wird über seine Business Cases ausgefragt und erklärt, er stellt jetzt Drohnen und Roboter und den ganzen Kram her. Und Wolfgang und ich, wir stellen fest, das ist ja sehr merkwürdig, der hat ja noch das ganz alte Denken vom Krieg. Also da gibt es so eine Grenze, wenn der Krieg dann läuft, nennt man sie Front, aber man will ja Krieg vermeiden.

Also stellt man an die Grenze 100.000 Roboter, damit die 100.000 Roboter von der anderen Grenze sehen, ah, da kommen wir niemals durch, wir greifen jetzt nicht an und damit ist der Frieden gesichert. Und wir haben uns dann schon gefragt, entspricht das erstens einer menschlichen Logik, also wirklich auch Return on Investment, Kapitalplanung, das man da im Einsatz hat?

Oder sollte man nicht sich selber fragen, also würde ich jetzt meine Maschine wirklich nur gegen Maschinen einsetzen oder immer das menschliche Ziel suchen? Und diese Dimension fand bei ihm gar nicht statt. Und mein Anliegen war ja, dann während dieses Gesprächs auch darüber nachzudenken, wie krass eigentlich mittlerweile Krieg und Gewalt entgrenzt ist. Und jetzt hast du zu dieser Entgrenzung uns Texte zusammengestellt.

02:03Krieg ist im Wesentlichen Logistik
Florentine

Ja, ich habe halt versucht, ich wollte jetzt nicht irgendeine Science Fiction erzählen oder so, sondern ich habe mich halt gefragt, gibt es vielleicht so ein paar Grundprinzipien, anhand dessen man sich das so erschließen kann. Es gibt halt so einen alten Spruch irgendwie so im Militärischen, dass man sagt halt, Krieg ist im Wesentlichen Logistik. Also das wird ja wahrscheinlich jeder Bundeswehr General bestätigen können irgendwie.

Wenn die Züge nicht mehr rollen, rollen auch irgendwann die Panzer nicht mehr. Und, Ja, dann habe ich mich halt gefragt, okay, das ist ja, also ich habe jetzt nicht geguckt irgendwie, was sind jetzt da irgendwie die tollen neuen Geräte oder so. Das hört man sich wahrscheinlich besser mal bei UKW an. Die haben richtig Ahnung davon, was gerade im Ukraine-Krieg tatsächlich an Gerät eingesetzt wird.

Stefan

Also unsere kleine Welt von Tim Pritlove, der Podcast.

Florentine

Genau. Und ich habe mir jetzt mehr so Gedanken gemacht, wie dieser Logistik-Aspekt so in der Gesamt-Draufschau sich auswirken wird. Ich meine, vor dem Ersten Weltkrieg haben die Leute wahrscheinlich auch gesagt, so ja, Stacheldraht und Maschinengewehr, was soll da schon passieren irgendwie? Dass wir dann irgendwann ganze Schülerjahrgänge an der Front genau in diese Kombination reinheizen, hatte, glaube ich, keiner auf dem Schirm, sonst hätten die sich alle nicht so gefreut am Anfang vom Ersten Weltkrieg.

Und ich habe so ein bisschen das Gefühl, dass diese aktuelle Propaganda uns da halt auch so ein bisschen so ein Bild von so einer klinischen Kriegsführung vermitteln soll. Ja, und das ist für mich nicht schlüssig, wenn ich mir überlege, ich habe viel im E-Commerce gemacht so in den letzten Jahrzehnten, und da hat sich halt jede Menge logistisch getan und ja, ich wollte jetzt einfach mal so ein paar Texte vorlesen, die so ein bisschen so eine Überlegung inspirieren könnten.

03:45Amazons Condor und Bezos’ Zeitung
Florentine

Und zwar fange ich mal an mit einem Artikel aus Amazon Science von Mariana Lenharo, The Science Behind Grouping Package Deliveries. Condor hebt das auf die nächste Stufe, indem es das gesamte geografische Gebiet betrachtet, das eine Lieferstation bedient. Von Zeit zu Zeit werden die Entscheidungen neu bewertet, um sicherzustellen, dass die Routen optimiert sind.

Von dem Moment, in dem eine Kundin eine Bestellung aufgibt, bis zu dem Zeitpunkt. Zu dem sie in einem Fulfillment Center bearbeitet wird, können fünf oder sechs Stunden vergehen. In dieser Zeitspanne kann der Condor Code die Bestellung drei bis vier Mal neu bewerten und bietet damit viele Gelegenheiten zur weiteren Optimierung. Also da geht es im Grunde genommen darum, wie Amazon seine ganze Paketlogistik, quasi steuert, dass wir halt in der Lage sind, von einem Punkt, jeden beliebigen Bedarf innerhalb von fünf bis sechs Stunden auszuliefern und in dieser Zeit halt auch die optimale Logistiklösung zu errechnen.

Stefan

Genau, dazu kann ich eine Fragestellung, die vor mehr als einem Jahrzehnt aufkam, die passt hier wunderbar, denn das Phänomen, also Condor ist dieses System, was die da betreiben. Früher war es so, wir hatten Otto und Neckermann in Deutschland und Quelle und man hat Sachen bestellt und die haben das aber aus ihrem Lieferzentrum einfach der Post übergeben. Und dann hat die Post diese Logistik gemacht. Und dann kam ja Amazon und hat festgestellt, ey, wir verschicken so viel Zeug, wir machen das einfach selber mit dieser Logistik, weil dann sparen wir nämlich diesen Logistikpreis.

Also wir müssen einfach nicht mehr einen Dienstleister beauftragen für ein pauschales Geld, sondern wir können aus jeder einzelnen Lieferung so eine ganz kleine Marge nochmal für uns abzwacken, weil wir müssen ja eh die ganze Straße langfahren, so viel wie die Leute bestellen. Und Jeff Bezos, damals Gründer und noch Chef von Amazon, hat 2012 oder 2011, 2013 die Washington Post gekauft.

Und alle im Journalismus, wir auch im Feuilleton damals hier in der FAZ, haben uns gefragt, was ist denn das jetzt für ein Move? 250 Millionen. Und dann kam Schirrmacher wieder so, also der damalige Herausgeber, eingesegelt aus Besuchen im Silicon Valley und meinte, Ja, das ist doch völlig klar. Die Washington Post und viele andere Zeitungen, die drucken 22 Uhr eine Zeitung, und die liegt 5 Stunden später 500 Kilometer entfernt in Briefkästen.

Und diese Logistikkette, die möchte Jeff Bezos verstehen. Also hat er sie sich einfach gekauft. Und das fand ich irgendwie ein sehr schlüssiges Argument, denn genau das sehen wir ja die ganze Zeit überall bei Amazon, dass einfach nichts einfach mal ruhen darf. Keiner darf einfach sagen, ich habe es jetzt aus der Hand gegeben, der Nächste kümmert sich schon drum. Nein, das muss die ganze Zeit nachgesteuert werden.

Kann man nicht während der Picker durch die Halle läuft, um zum Regal zu gehen, um mit der linken Hand etwas aus dem Regal in die Versandbox zu tun? Kann man ihm nicht nochmal ein kurzes Signal geben, biege ein Regal vorher ab und nimm dann die rechte Hand, um nochmal 0,3 Sekunden Wegezeit rauszuholen? Damit er am Ende des Tages bei 8 Stunden Arbeit 17 Pakete mehr aus den Regalen geholt hat. Und genau diese Optimierungsversuche sehen wir hier.

Florentine

Es ist ja auch nicht nur, dass die damit Geld gespart haben, sondern sie haben sich ja auch weitere Kontrolle weiter in die Logistik im Endeffekt gesichert. Dadurch können die ja wirklich, ob sie jetzt in ihrem Lagerhaus sagen, das Regal fährt jetzt automatisch drei Meter in die Richtung rüber, weil dann wieder drei Sekunden gespart sind. Oder ob sie sagen, okay, der Wagen, der fährt jetzt nicht mehr über Köln, sondern über Frankfurt.

Das kann halt alles in Echtzeit passieren. Und die sind eigentlich ja jetzt im Prinzip schon so aufgestellt, dass die so mit ihrer Ware umgehen, als würde sie jeden Moment explodieren. Währt sie los, schiebt sie weg, halt die Strecke kürzer.

Stefan

Das stimmt, immer so eine heiße Kartoffel, die musst du ganz schnell weg.

Florentine

Genau, und erst wenn es irgendwie beim Kunden durch die Tür ist, ist alles gut.

Stefan

Ja, aber mittlerweile, die Videos sind ja witzig, finde ich, wie das so im Garten mit einem Fallschirm runterfällt, und dann aber im Teich landet oder auf dem Gartenzaun aufgespießt wird, lauter solche Sachen, also die Optimierung der letzten drei Zentimeter, ja, da arbeitet Amazon gerade dran.

Florentine

Ja, ich würde vielleicht auch noch sagen, bevor sich unsere Kunden wundern, warum wir da so ein bisschen lustig mit umgehen, das ist halt einfach auch ein scheiß Thema, um sich damit zu beschäftigen und wir wollen ja auch nicht depressiv werden bei der Arbeit. Uns ist schon bewusst, dass das hier alles am Ende darum geht, Leute zu töten und dass es denen dann nicht gut geht, aber wenn man sich mit so einem Thema beschäftigt, muss man glaube ich auch sicher ein bisschen den Humor erhalten. Ja,

08:39Shein und die Mikroproduktion
Florentine

dann habe ich als nächster Punkt, dabei habe ich dann von McKinsey & Company einen Bericht. Six Breakthrough Business Models Reshaping Global Growth. Das Mikroproduktionsarchetyp, der Mikroproduktionsarchetyp besteht darin, Angebot und Nachfrage in extremem Tempo zusammenzubringen. Unternehmen in Asien können personalisierte oder kleinschargige Produkte zu Stückkosten liefern, die früher der Massenproduktion vorbehalten waren.

SHEIN steht beispielhaft für dieses Modell. SHEIN hat ein Produktionsmodell, das es erlaubt, neue Designs in Chargen von 100 bis 200 Stück zu testen, verglichen mit 300 bis 500 bei traditionellen Fast-Fashion-Marken wie Zara. Infolgedessen kann das Unternehmen gut laufende Artikel schnell nachbestellen und Designs können in nur fünf Tagen vom Entwurf in die Produktion gehen.

Stefan

Das finde ich genial. Ich sehe meine Tochter vor Augen, meine Töchter, die sich Klamotten aussuchen online. Und jetzt folgendes Szenario. Ich weiß nicht, ob es schon so weit getrieben ist, aber eine KI könnte... Wenn man ihr mitgibt, in welchem Rahmen Designs vorstellen. Sie müssen schneiderbar sein, ja, das ist sozusagen das Prinzip, aber sie kann erstmal frei anbieten.

So, und dann wird das einfach direkt dem Publikum ausgespielt, als läge es schon im Regal. Und wenn pro Stunde 500 Leute da draufklicken und dafür Interesse zeigen, werden schon mal 100 geschneidert.

Florentine

Ja, so schnell geht das. Also langfristig wollen die auch, ich habe mal für so eine Supply Chain Company gearbeitet, langfristig ist natürlich das Ziel irgendwie quasi Chargengröße 1. Die gucken sich direkt deinen Instagram-Feed an, was du da für Klamotten gesehen hast und wo du länger reagiert hast und dann kriegst du dein perfektes Kleidungsstück geschneidert und beworben. Und wenn du es haben willst, wird es gemacht, ansonsten verschwindet es irgendwo im digitalen Orkus.

Stefan

Ja, und der Preis, die Preisermittlung kann ja dann, und man will ja einfach billiger sein als die Konkurrenz, also man gäbe der Maschine mit das Ziel, okay, wir wollen 1,70 Euro daran verdienen, also kriegt jemand, bei dem die Lieferung 7000 Kilometer kürzer ist, weil in Frankreich statt in Los Angeles bestellt wurde oder so, einfach schon mal 80 Cent Rabatt.

Allein wegen sowas. Also es wird einfach alles ausgewertet, du hast alles drin, Targeting. Also wir nähern uns jetzt so langsam dem Thema Krieg, aber Schirrmacher hatte damals auch immer, ja, Targeting. Google macht Targeting.

Florentine

So wird das ja auch genannt und das heißt ja nichts anderes als dich ins Ziel nehmen sozusagen. Also die Sprache ist da verräterisch.

Stefan

Ja, absolut.

11:25„Uber für Artillerie“
Florentine

Dann habe ich einen Artikel, jetzt wird es tatsächlich, jetzt gehen wir mal in die Ukraine. Das ist von einem David Zikusoka in New America. How Ukraine's Uber for Artillery is leading the software war against Russia. Artillerie-Einheiten verbinden sich mit dem Netzwerk und melden sich für Aufträge verfügbar, ähnlich wie Uber-Fahrer sich in einer App für mögliche Fahrten verfügbar machen. Eine grafische Oberfläche mit Touch-Funktion erlaubt es Nutzer an Ziele auszuwählen, woraufhin Artillerie-Batterien in Reichweite für Feueraufträge hervorgehoben werden.

Die Zeit von der Zielerfassung bis zum Feuerauftrag kann nur 30 bis 45 Sekunden betragen. Die Informationen in GIS Arta stammen von Drohnen, von Zielen, die mit Mobiltelefonen ausgestattete vorgeschobene Beobachter melden, von Gegengeschützradaren und von satellitengeschützten Bilddaten. GIS Arta bettet sogar Informationen wie Munitionseignung in den Zielprozess ein. Zum Beispiel kann ein Granatwerferteam dem Angriff auf Personal im Freien zugewiesen werden oder eine Artillerieeinheit dem Angriff auf ein Fahrzeug ziel.

Das kann man sich dann auch tatsächlich so vorstellen in der Ukraine, dass da teilweise dann irgendwie irgendein Bauer steht an seinem Acker und sieht da hinten einen Russen fahren. Dann kann er sein Handy zur Hand nehmen, kann ein Foto machen und das wird dann direkt in den Prozess eingespeist. Und wenn da eine Artillerieeinheit vorbeigefahren kommt, die machen das nicht mehr mehr so klassisch, dass sie irgendwo so eine Artilleriestellung haben, sondern die fahren im Prinzip den ganzen Tag kreuz und quer, damit die keiner finden und beschießen kann.

Und dann wird aus voller Fahrt halt plötzlich irgendwann das Rohr ausgerichtet und losgeballert. Und das passiert im Prinzip alles softwaregesteuert. Also da gibt es jetzt auch nicht mehr groß noch wie den Generalstab, der da die Informationen entgegennimmt und dann wieder austeilt, sondern das ist im Grunde genommen... Der Russe ist der Passagier sozusagen und dann kommt das Taxi für den Himmel.

13:31Krieg als entgrenztes Lernen
Stefan

Ja, das ist einfach, also der Krieg hat ja Besonderheiten als soziale Entität. Nicht nur sind ja Konflikte immer so verpönt, weil man dann irgendwie damit assoziiert, da verstehen sich Leute nicht, da muss was geklärt werden. Zeitaufreibend, Interessensausgleich, bla bla und dann am Ende hat man sowas wie Sachsen-Anhalt und alle fragen sich, was haben jetzt hier Leute für Intentionen gehabt und so weiter und so fort.

Und eigentlich wollen wir ja, dass Politik dann doch relativ normativ abläuft. Also dass man nicht so sehr, also dass man als Einzelner doch versteht, hier greifen so höhere Regeln, hier greifen so Grundgesetze und Verfahrensabläufe, Legitimationen durch Verfahren und so. Man kann so Redebeiträge anmelden, aber da muss man schon warten, bis man dran ist. Man kann sich jetzt nicht reinkämpfen in die Diskussion.

Und das ist ja bei Krieg dann ganz anders. Also Krieg ist ja gerade, also dann vielleicht ja schon Politik mit anderen Mitteln, denn im Krieg darf einfach gelernt werden. Also da gibt es genau diese normativen Begrenzungen und dieses Containment einfach nicht. Das ist ein bisschen...

Florentine

Genau, Krieg ist immer auch Entgrenzung an der Stelle, Weil man kämpft ums Überleben und da sagt dann keiner mehr... Ja, ach komm, lass uns lieber keine Atombomben bauen, obwohl wir es könnten, irgendwie. Lass uns lieber die Japaner nicht so schlimm angreifen oder so.

Stefan

Sondern was geht, geht. Genau, Krieg ist eigentlich wie Wirtschaft, nur eben nicht, dass man auf den eigenen Profit, sondern den Nicht-Profit der anderen gemünzt ist. Aber das Prinzip des rasanten Lernens, dass man nicht abwarten muss, was der Lehrer dazu sagt, was das Grundgesetz dazu sagt, was sonstiges, sondern der Gegner wurde geschwächt, also da bleiben wir bei. Ja, diese Geschwindigkeit, die da drin liegt, die sieht man hier einfach und die kann natürlich, umso mehr man das technologisiert, umso mehr kann das ausgebeutet werden.

Also umso mehr so eine Lieferkette völlig neutral, was liefern wir jetzt eigentlich, Spielzeug oder Bomben, umso mehr das etabliert ist und man dann wirklich, wie du es beschrieben hast, auf dem Acker steht und sagt, da vorne ist, wenn es sich lohnt, haut doch mal rein. Und die Frage, wenn es sich lohnt, das ist halt etabliertes, volkswirtschaftliches, betriebswirtschaftliches Durchkalkulieren.

Also falls ihr gerade da langfährt, oh, da hat jemand angeboten, das kriegt man ja häufig, wenn man so an der Straße steht und man hat ein Uber bestellt und dann so, ja, wir haben jetzt noch keins gefunden. Möchtest du Uber Premium updaten? Und dann so, ja, weil dann die Fahrer das Signal kriegen, lohnt sich mehr jetzt diesen Kilometer-Umweg zu fahren. Und genau so ist das hier auch, ja. Nur, dass dann nicht der Uber-Fahrer kommt, sondern einfach das Artilleriegeschütz vorbeigedüst kommt und sagt, ah, der Bauer hat jetzt 700 statt 350 Euro geboten, ja, jetzt lohnt es sich auch, da rüber zu fahren und da an Russen wegzubomben.

Florentine

Ja, also es ist jetzt, wenn man jetzt mal KI nicht so eng versteht im Sinne von einem Large Language Model, ist das ja eigentlich auch schon quasi eine KI, mit der die Ukraine da kämpft. Es ist ja nicht mehr irgendwie die und die Artillerie schützen und der und der Generalstab, sondern da werden geografische Informationen verrechnet, Trajektorien ausgerechnet.

Und das ist ein System, wo das so schnell reagiert, dass man da gar nicht als Mensch eingreifen will mehr.

Stefan

Ja, das ist sowieso, das müssen wir hier dauerhaft immer wieder betonen. Da kommen wir ganz explizit drauf zurück, wenn wir den Text von Dario Amodei besprechen, den aktuellen. Da wird immer wieder so betont und dann wird so eine Mystifizierung draus gemacht, dass die KI jetzt so eine eigene Rationalität hat, mitdenkt, Entscheidungen treffen kann und so weiter.

Und das ist nicht neu. Diese Erfahrung haben die Menschen schon gemacht. Der Kapitalismus, das soziale System, die Gesellschaft, Organisationen haben dieses Eigenleben. Sie haben diese eigene Rationalität, bei der der Einzelne, der einfach Dienst nach Vorschrift macht, es nicht nachvollziehen oder verstehen muss. Aber der ganze Tanker fährt dann in eine spezifische Richtung und dann stellt man fest, in Bangladesch ist gerade irgendein Ding zusammengekippt und da sind tausend Leute gestorben und jetzt kriegen wir keine T-Shirts mehr.

Was machen wir jetzt? Und dann stellt man fest, achso, das waren wir. Wir haben Hugging Face gehackt, achso, das waren wir.

Florentine

Man kennt das aus dem Kapitalismus, dieses Phänomen, dass du es nicht mehr blickst und irgendwann ist das T-Shirt da. Und diese Erfahrung, sie mal gedanklich auf den nächsten Krieg zu übertragen, führt, glaube ich, schon relativ nah zum Ziel, sich eine Vorstellung davon zu machen, was uns da erwartet.

Stefan

Ja, diese Obskurität ist eigentlich das Erfolgsrezept dieses Kapitalismus. Dann kommt über irgendeine Regierung und regiert von außen in diese Eigenrationalität rein und sagt, das Sorgfaltspflichtengesetz erfordert jetzt von euch, dass ihr eine Forensik darüber macht, wo euer T-Shirt herkommt. Und dann kommen alle und sagen, nee, dieser kognitive Aufwand, das jetzt zu lernen, ist teure Bürokratie, das müssen wir wieder abschaffen.

Also dass wir höhere Rationalitäten haben, die einfach strukturgebend sind, Ergebnis liefern, die wir nicht durch verstehen. Das ist so nicht neu. Da kann auch Harari noch so oft betonen, dass das Messer jetzt eine eigene Entscheidung trifft und so.

Florentine

Wir sind das halt nur so gewöhnt, dass wir es quasi so wie, also wenn das Auge, immer auf einen Punkt starrt, ohne sich zu bewegen, dann wird es irgendwann blind. Das sieht dann genau das nicht mehr. Deshalb zucken unsere Augen immer so ein bisschen. Und wir sind glaube ich beim Thema Kapitalismus, wir sehen den halt immer vor Augen, deshalb sehen wir ihn nicht mehr. Und hier erkennen wir ihn dann wieder. An anderen Stellen erkennst du ihn dann wieder.

Stefan

Genau. Dass der Krieg im Kapitalismus jetzt so deutlich zutage tritt, ist einfach nur eine Sehgewohnheit. Denn typischerweise, wenn wir einfach nur Profite überall verrechnen und alle sich freuen und niemand darüber nachdenken muss, was haben wir jetzt wieder angestellt, dann muss man halt genau diesen blinden Fleck nicht aufklären, den du jetzt geschrieben hast. Aber jetzt muss man ihn halt aufklären, weil da liegen einfach 100.000 Tote auf dem Feld.

Florentine

Genau. Und das ist halt so, das wird dieses Phänomen sein. Ich habe halt auch, wenn wir gleich bei Amodei lesen, dann werde ich auch immer mal wieder darauf achten, was passiert, wenn man einfach bei ihm das Wort KI gegen Kapitalismus ersetzt.

Stefan

Ganz genau. Ja, das ist eine sehr gute. Das können wir gleich machen.

Florentine

Weil ich habe nämlich das Gefühl, dass die Leute so mit der KI fremdeln, ist einfach, weil sie verlernt haben, mit dem Kapitalismus zu fremdeln. Und jetzt erkennen sie irgendwie wieder, was ihnen eigentlich ganz normal ist. Ja, Kapitalismus könnte uns alle töten. Genau richtig. Hat er auch schon oft genug getan.

Stefan

Ja, sehr gut.

20:13Ein Dollar Einsatz, fünf Dollar Schaden
Florentine

So, dann haben wir mal den nächsten Text. Das ist hier von Ministry of Defense of Ukraine. Das ist ein Text vom ukrainischen Verteidigungsministerium. Die haben einen Bericht erstellt. Mission Control Data, Every $1 spent to strike enemy targets causes nearly $5 in losses to Russia. Hier sind wir also im Prinzip in so einer ganz normalen Business-Logik angekommen. Jede Kampfmission wird in Mission Control erfasst. Militärangehörige analysieren, was funktioniert hat, was nicht und warum und nutzen diese Erkenntnisse, um die Taktik für die nächste Mission anzupassen, statt Fehler blind zu wiederholen.

Mission Control ermöglicht es, Missionen nicht nur zu planen und zu erfassen, sondern auch ihre ökonomische Effizienz zu bewerten. Im Juni zum Beispiel verursachte jeder Dollar, den die Verteidigungskräfte für Angriffe auf feindliche Ziele ausgaben, beinahe 5 Dollar an Verlusten für Russland. Also da sieht man mal, die Investition in Waffen ist am Ende nicht 0,5, sondern minus 5 für die anderen.

Stefan

Das ist eben hier neu. Typischerweise verrechnen wir im Kapitalismus nur die eigenen Gewinne. Das ist dann allenfalls mal ein Marktforschungsprojekt, dass man sich mal die anderen Marktteilnehmer anschaut. Und hier geht es einfach bei jedem Einsatz einer Waffe konkret darum, wie viel Verlust machen die anderen dadurch.

Florentine

Ja, und das sägt halt daran, wie Krieg bisher geführt wurde. Diese ganzen Panzerarmeen und so, die sind alle ganz nett, aber die schaffen halt nicht dieses ökonomische Verhältnis. Wenn man mal den Iran-Krieg und den Ukraine-Krieg betrachtet, ist das ja auch so das prägende Charakteristikum dieser beiden Kriege. Da sind jeweils zwei sehr viel kleinere, schwächere Länder gegen was Größeres, und die müssen halt wirklich jeden Cent zweimal umdrehen bei der ganzen Sache, aber schlagen ihren Gegner halt auch mit dieser Sparsamkeit und Effizienz.

Also die Ukrainer haben ja... Ich weiß nicht, ob es mittlerweile, also es sind auf jeden Fall tausende von Panzern, die die einfach mal so weggeräumt haben mit ihren Strategien und, die Iraner haben ja auch den halben nahen Osten leergeräumt von amerikanischen Basen, indem sie halt einfach ihre fliegenden Billigmopeds dahin geschickt haben. Und diese ökonomische Komponente, die wird halt auch momentan völlig außer Acht gelassen.

Also wir kaufen ja von unseren 500 Milliarden Sondervermögen ja immer noch diesen klassischen Edelschrott aus dem Kalten Krieg. Da wird dann eine Molybdän-Panzerplatte vorne vor so einem Traktor montiert, der dann ein schweres Geschütz in die Schlacht fährt. Dann kommt irgendwie eine 20.000 Euro Drohne vorbei und puff.

Stefan

Ja, also wir haben es ein bisschen mitbekommen jetzt im Iran-Krieg, auch wenn es nicht monetär dargestellt wurde, aber auf welcher Kostenbasis dieser Flugzeugtrag da betrieben wurde die letzten Wochen. Das war ja dann doch in der Berichterstattung, wie die Versorgung mit Essen dann nicht funktioniert hat, wie lange die Anlieferwege waren, um diese Schiffe noch zu erreichen und überhaupt, weil die Iraner eben einfach diese Militärbasen da außer Betrieb genommen haben.

Florentine

Genau, und die haben das gemacht, indem sie im Prinzip gerechnet haben, so eine Patriot-Rakete kostet eine Million Dollar, so eine Shahed kostet 20.000, da haben wir jetzt einen Wirkungsfaktor von 1 zu 50 und dann reicht es auch, wenn wir nur ein Fünfzigstel so groß sind wie die Amerikaner.

Stefan

Genau, genau.

23:47Komponenten gewinnen Kriege
Florentine

So, dann habe ich einen Text mitgebracht aus dem RUSI, das glaube ich mal Politikberater, Mirko Niederkofler, Drones win battles, components win wars. Im Gegensatz dazu hat die Ukraine ein agiles Integrationsmodell demonstriert. Er ist auch schon wieder agil, das ist die Sprache der modernen Arbeit. Ihr Drohnen-Ökosystem ist zwar von importierten Teilen abhängig, zeichnet sich aber durch die Fähigkeit aus, Systeme innerhalb von Wochen statt Jahren schnell zu testen, zu verändern und erneut einzusetzen.

Entwickler arbeiten eng mit Operatoren an der Front zusammen. Feedback-Loops sind kurz, zivile Teile werden für den Gefechtsfeld gebraucht, adaptiert. In diesem Modell ist Innovation nicht die Erfindung einer neuen Plattform, sondern die Optimierung des Zusammenspiels von Komponenten. Also das ist quasi das Gegenteil von dem Rheinmetall-Modell. Da hat der Rheinmetall-Chef ja auch schon schwer drüber gelästert, als er sagte, in der Ukraine, das sind so ein paar Hausfrauen mit 3D-Druckern. Ja, genau.

Stefan

Aber die liefern halt.

Florentine

Die liefern halt, genau. und die werden dir deine schönen, teuren Panzer alle wegballern. Das würde dich nur nicht mehr interessieren, weil du dann im Pool liegst irgendwie und drüber lachst, dass du den Leuten so einen Schrott verkaufen konntest.

Stefan

Das ist Fast Fashion.

25:07Operation Spider’s Web
Florentine

In der Tat. Ja, so spielt das zusammen. Dann, das nächste fand ich sehr interessant. Das hat man ja vielleicht auch mal so ein bisschen mitbekommen, wenn man das liest. Es geht um Operation Spiderweb. Das ist ein Text von Kateryna Bondar. Ah, how Ukraine's Operation Spider’s Web redefines asymmetric warfare. Mit kleinen Angriffsdrohnen, die verdeckt nach Russland geschmuggelt und aus versteckten Fächern in Frachtlastwagen gestartet wurden, traf die Operation mehr als 40 hochwertige Flugzeuge, darunter strategische Bomber des Typs TU-95MS, TU-22M3 und A-50 Flugzeuge, die zum Start und zur Koordination von Raketenangriffen auf ukrainische Städte eingesetzt werden.

Die Operation Spider’s Web markiert einen Wendepunkt dafür, wie kostengünstige, improvisierte, unbemannte Systeme mit strategischer Wirkung tief hinter feindlichen Linien eingesetzt werden können. Durch die Kombination von zugänglicher Technologie, kreativer Logistik und gezielter Präzision hat die Ukraine ein neues Paradigma der Drohnenkriegsführung demonstriert. Eines, das herkömmliche Annahmen über Maßstab, Kosten und Verwundbarkeit herausfordert. fordert.

Auch die Details von Operation Spiderweb kann man sich ganz detailliert auch bei Unsere kleine Welt anhören.

26:28Drohnen per Paket: Die Front löst sich auf
Stefan

Also wir hatten ja kürzlich, also was heißt kürzlich, gestern, vorgestern, einen Angriff mit einer russischen Drohne auf einen ukrainischen Zug, aber nicht im Gebiet zwischen, Ostukraine und Kiew, sondern zwei Kilometer vor der polnischen Grenze. Weshalb da gleich getriggert wurde, dass das jetzt im Grunde schon auch eine Show of Force gegen die EU war oder was auch immer.

Florentine

Ich glaube, was das Wichtige bei Operation Spiderweb war halt, die haben halt im Prinzip es geschafft, ihre Drohnen einfach mal mit so ein bisschen Straßenlogistik, viele, viele tausend Kilometer ins gegnerische Land zu bringen und sind dann von da aus quasi gestartet und haben dann in der Kurzstrecke angegriffen.

Stefan

Genau. Während nämlich die Russen fliegen mussten bis zwei Kilometer vor die polnische Grenze. Und das ist natürlich super teuer. Die Drohne ist dann auch zu sehen. Weshalb dann dieser Logistikgriff, bei der man sich wieder fragt, ob das zum Kalkül der russischen Angriffe gehört, dass dann bei uns reportiert wird, ja, in der Ukraine gibt es diese Ablaufpläne. Immer wenn ein Drohnenangriff droht, wird der Zug angehalten und geräumt.

Und dann sieht man ja, wie alle, also die haben so Handy-Videos gemacht, wie dann auf die Lokomotive eingedroschen wurde von der Drohne. Und das ist ein wahnsinnig teurer, aber vielleicht so ein Medien-Stunt. Also die Drohne ist lange im Anflug, der Zug wird geräumt, niemand stirbt, aber alle können filmen, wie die Drohne da einschlägt. Das ist natürlich bei uns in den Nachrichten dann so gut reportierbar, weil man Bildmaterial hat.

Während hier ja, was du jetzt vorgelesen hast, ist ja genau komplementär dazu, nee, da geht es nicht um den Medienstunt, sondern da müssen einfach diese Flugzeuge wirklich aus dem Weg geräumt werden. Also fährt man bis an den Flughafen ran, ja, da nützt dann auch kein Radar, das einfach sagt, oh, hier droht ein Drohnenangriff oder so, sondern nein, hier wird einfach sehr kostengünstig, das ist allgemeine LKW-Logistik, das ist der kostengünstige, wenn kein Fluss zur Verfügung steht und das wurde hier einfach gemacht.

Also es ist einfach die kostengünstigste Version, Kriege zu organisieren.

Florentine

Ja, und wenn du dir das jetzt mal überlegst, wenn dein Ziel nicht so ein leeres Land wie Russland ist, sondern zum Beispiel Deutschland. Da geht es kaputt. Hier kannst du im Prinzip, da brauchst du keine LKWs fahren zu lassen. Du schickst einfach die Drohnen schon mal per DHL hierher. Da hast du hier deine Operators, die haben die dann schon mal in der Küche liegen und... Und auf die Art und Weise kannst du natürlich ganz anders infiltrieren.

Also die werden ja wahrscheinlich auch nicht, die Drohne, die in Leipzig gelandet ist, die wird ja auch nicht über Polen geflogen sein, sondern die wird irgendwie per DHL gekommen sein. Bevor dieser Angriff mit der Drohne gab, ist ja auch schon mal in Leipzig, meine ich, oder irgendwo in einem DHL-Stützpunkt auch schon mal ein Paket aus Russland explodiert, wo sie halt scheinbar mal gecheckt haben, wo sie das Zeug langschicken können.

Stefan

Genau, ja, crazy. Davon habe ich noch nichts gehört, aber das ist quasi erwartbar.

Florentine

Ja, und das ist halt, was ich halt immer sehe, was ich finde, was jeder Artikel immer stärker zeigt, ist die Auflösung des Konzeptes Front. In der Ukraine sieht man ja auch schon, die haben auch schon keine richtige Front mehr, die haben so eine Killzone. Aber prinzipiell erlaubt es moderne Logistik, die Killzone quasi über das gesamte Gebiet des Planeten auszustrecken.

Stefan

Überall einfach, ja.

Florentine

Ja, überall da, wo du ein Fast-Fashion-Paket hinschicken kannst, kannst du auch eine Drohne hinschicken, kannst du Krieg führen.

29:52Maschinen kapitulieren nicht
Stefan

Genau, und das bedeutet eben auch, das kann der Van Helsing-Chef noch so oft anders betonen, aber... Es geht beim Krieg immer um die Ziele Menschen. Auch die Bombardierung von Infrastruktur oder wie wir es jetzt wieder erleben in der Ukraine, geht immer darauf, dass Menschen im Winter dann frieren. Diese Idee, dass Maschinen gegen Maschinen kämpfen, ist völlig absurd.

Florentine

Maschinen würden ja nicht kapitulieren. Warum sollst du gegen die kämpfen? Du wirst ja am Ende so einen General haben, der in einem Eisenbahnwaggon sitzt und eine Kapitulation unterschreibt im Grunde genommen. Und dafür musst du auf den General einwirken. Im klassischen Krieg geht das halt nicht so einfach. Der sitzt irgendwo in einem Bunker oder so und es gibt eine schöne Front und er ist weit weg von der Front und kann so ganz klar denkend sich das alles so überlegen, auch so ein bisschen menschlich entrückt, weil er klar denken soll.

Und prinzipiell kann man den Krieg aber zu jedem einzelnen General nach Hause bringen in Zukunft.

Stefan

Weshalb ich auch in den Zwanzigern kotzt, war ja nur so ein Gedankenspiel, aber wenn dieser Wolfgang Schmidt, der vorher Olaf Scholz Kanzleramtsminister war, jetzt bei solchen Firmen arbeitet, würde ich als Familienangehöriger besorgt sein, weil die Definition von Killzone einfach anders ist. Und das finde ich, das wird noch gar nicht bedacht irgendwie.

Florentine

Ne, es ist so ein bisschen so, es wird irgendwas im Osten stattfinden, bei den Polen oder bei den Litauern, dass es irgendwann eventuell halt auch einfach hier so ist, dass du nicht mehr, Krieg ist entgrenzt, kannst du nicht mehr vor die Türe gehen, weil da draußen könnte eine Drohne sein.

Stefan

Also in Moskau gab es eine Geburtstagsfeier von so einem General. In so einem Hotel wurde einfach das Restaurant gesprengt. Da kam eine ukrainische Drohne angeflogen. Also man weiß es nicht. Die Ukrainer sagen, wir waren das nicht und so. Aber da fliegen Drohnen einfach durch die Städte und suchen sich jetzt hier.

31:52DARPA und die Mosaic Warfare
Florentine

Ja, wir lesen jetzt noch ein paar mehr Texte, die das immer genauer erklären, wie sowas zustande kommt. Das nächste ist jetzt vom DARPA Strategic Technology Office. Also die DARPA ist in den USA diese Agentur, die irgendwie innovative Waffen herstellen lässt. Strategic Technology Office outlines Vision for Mosaic Warfare. Also das ist quasi, die haben da ein neues Konzept von Kriegsführung, das haben die sich gebrandet und ist Mosaic Warfare genannt.

Wir haben eine technologiebasierte Vision entwickelt, die höchst komplexe strategische Züge ermöglichen würde, indem mehrere beitragende Systeme zusammengesetzt werden, um das zu ermöglichen, was man als Mosaic Warfare bezeichnen könnte, indem einzelne Komponenten in Echtzeit auf Erfordernisse reagieren können, um gewünschte Ergebnisse zu erzielen, sagte Tom Burns, Direktor des STO.

Das Ziel ist, als Netzwerk zu kämpfen, um eine Kette von Wirkungen zu erzeugen oder genauer gesagt, weil diese Wirkungen nicht linear sind, Wirkungsnetze, um Gegner über mehrere Stufen von Konfliktintensität abzuschrecken und zu besiegen. Also das ist genau das, was wir gerade gesagt haben, so ein bisschen militärisch-euphemistisch geframed irgendwie, aber halt, nicht nur die Panzer an der Front werden den Gegner jagen, sondern wir verfolgen den mit Sprengstoff, mit Kugeln, mit sonst was bis nach Hause.

Stefan

Und dieser Text, den du gerade vorgelesen hast, ist neun Jahre alt.

Florentine

Ja, das ist alles, kann man sich alles eigentlich angucken. Eigentlich müsste niemand auf die Idee kommen, dass wir jetzt irgendwie für 500 Milliarden Panzer brauchen. Also... Wir werden was ganz anderes brauchen im nächsten Krieg und wenn wir es nicht haben, werden wir ein Problem haben, aber die Panzer werden wir nicht brauchen in der Form. Und wir brauchen auch nicht einfach die Van Helsing Drohnen. Wir sollten uns klar machen, es wird halt einfach richtig hart und schmutzig, wenn es wieder losgeht.

Wie eigentlich ja jeder Krieg, aber jeder Krieg hat auch gemeint, dass man vorher denkt, es wird gar nicht so schlimm.

Stefan

Ja, ich finde auch, das ist jetzt eigentlich 200 Jahre her, dass man sich zum Krieg auf einem Felde verabredet hat, sich vorher nochmal begrüßte und dann aufeinander einschlug. Spätestens seit, was ist das hier, das ist gar keine Wolke oder Nebel, das ist Giftgas, Erster Weltkrieg, dann Zweiter Weltkrieg, einfach komplette Städte werden aus Rache zerstört und Atombomben abgeworfen.

Dass jetzt immer noch diese Idee von, klar wir hatten natürlich 1991, diese Kriegsführung, wo so mit dem Skalpell angeblich im Irak rumgefuhrwerkt wurde und so, aber auch das haben ja die Amerikaner selber platt gemacht, will ich jetzt mal sagen, indem sie einfach mit Bulldozern über mit Menschen gefüllte Schützengraben im Irakkrieg dann fuhren ab 2003. Und jetzt sehen wir ja eigentlich vor allem auch wieder in Europa, Armenien, Aserbaidschan, in der Ukraine, wie es läuft und dass wir trotzdem noch wieder so eine Vorstellung haben.

Florentine

Ja, am ehesten kannst du dir in Gaza angucken, wie es aussehen wird.

Stefan

Einfach mal Rafah angucken.

Florentine

Das kommt auch nachher noch das Thema, die israelische Defense Force, die sind da ja auch relativ persönlich unterwegs. Ja.

35:24Avengers: Die KI erkennt die Ziele
Florentine

Also, das ist jetzt hier vom Verteidigungsministerium der Ukraine ein Text. Ukrainian Defense Companies to Train Their Own AI Models on the Avengers Labs Platform.

Stefan

Das klingt schon, ey, Avengers, da weiß man doch.

Florentine

Das ist schon hier so crazy, so langsam. Also, der Avengers Labs Datensatz wurde genutzt, um ein automatisches Zielerkennungssystem zu trainieren, das seine Wirksamkeit in Delta bereits bewiesen hat. Und mehr als 100.000 Videostreams von Drohnen pro Monat verarbeitet. Während der Videoanalyse erkennt das KI-System 70% aller feindlichen Ziele in Echtzeit und hilft sie sowohl bei Tag als auch bei Nacht zu identifizieren.

Modelle, die auf dem Avengers-Datensatz trainiert wurden, bilden die Grundlage für mehrere zentrale operative Szenarien. Darunter sind zwei der gebräuchlichsten Szenarien. Wenn ein Operator ein Ziel erfasst und die Drohne dann in der Endphase der Mission autonom ihre Flugbahn anpasst, wenn ein unbemanntes System den Auftrag erhält, ein bezeichnetes Gebiet aufzusuchen, dort autonom ein Ziel zu erkennen und gemäß der Missionslogik zu handeln.

Also es ist zumindest in Vorbereitung, dass da auch die ersten Drohnen irgendwie einfach autonom töten. Da braucht dann gar keiner mehr in der Maschinerie irgendwie den Daumen zu heben oder zu senken.

Stefan

Das ist einer dieser rapiden Lernerfolge. Funkverkehr geht nicht, wird gestört. Diese Glasfaserkabel, die man so hinterher zieht, das geht so 1, 2, 3, 4, 5 Kilometer, keine Ahnung, dann ist auch irgendwann Grenze.

Florentine

Oh, die sind ziemlich lang. Tatsächlich gibt es die auch in 50 Kilometern. Aber ja, irgendwann ist die Schnur erreicht.

Stefan

Also irgendwann ist selbst die dünnste Spinnwebe an ihre Grenze gekommen. Also wird einfach in großer Höhe geflogen. Niemand nimmt Kontakt zur Drohne auf. Dadurch kann man sie nicht orten und nichts und so. Die muss halt autark. Das ist dann irgendwann da.

Florentine

Genau.

Stefan

Da liest man sich dann die Texte von OpenAI vor, was so geht, und bestellt nochmal bei NVIDIA, das ist ja jetzt auch aufgekommen, dass russische Drohnen abgeschossen wurden, in denen so NVIDIA-Chips, die es da eigentlich gar nicht hätte geben dürfen, drin steckten. Also irgendwie funktionieren die Lieferketten ganz gut.

Florentine

Machst du in deinem Amazon 10.000 Päckchen klar, jeweils eine Drohne drin, schickst die schon mal ins Zielgebiet für den Fall, dass irgendwas ist und dann irgendwann kommen die da einfach alle raus und töten autonom.

37:50Das Rote Kreuz und die Targetability
Florentine

Also technisch reden wir hier von absolut machbaren Szenarien. Das ist vom Roten Kreuz, International Committee of the Red Cross, die beschäftigen sich auch mit dem Thema. Artificial Intelligence and Machine Learning in Armed conflict, a human-centered approach. Weiter gefasst könnten diese Arten von KI und Machine Learning Werkzeugen zu einer zunehmenden Personalisierung der Kriegsführung führen, mit Parallelen zur Personalisierung von Dienstleistungen in der zivilen Welt, indem digitale Systeme persönlich identifizierbare Informationen aus mehreren Quellen zusammenführen, darunter Sensoren, Kommunikation, Datenbanken, soziale Medien und biometrische Daten, um eine algorithmisch erzeugte Bestimmung über eine Person, ihren Status und ihre Targetability zu bilden oder ihre zukünftigen Handlungen vorherzusagen.

Stefan

Ja, das finde ich auch im Metatext, in den Metadaten jetzt sehr interessant, dass das Rote Kreuz, das Rote Kreuz, wenn mich nicht alles täuscht, kommt ja genau aus diesem, wir müssen nach dem Krieg aufräumen, da liegen.

Florentine

Klassischerweise sind die ja immer diejenigen, auf die nicht geschossen wird. Die dürfen ja dann schon mal aufs Schlachtfeld und schon mal die Leichen einsammeln oder die Verwundeten versorgen.

Stefan

Aber das ist auch sehr gut, dass die ein Textangebot haben.

Florentine

Finde ich auch.

Stefan

Denn die kennen sich aus mit Krieg.

Florentine

Genau, und die gucken ja jetzt auch hier sozusagen darauf. Und was ich halt so erschreckend finde an der Stelle ist halt hier Targetability. Das ist halt wirklich einfach genau das, was Google tut mit Ad-Tracking und Targeting. Bloß halt, ja im Grunde genommen kann ein Russland, kann schon lange hier Cambridge Analytica Daten gekauft haben, kann sich bei Meta gut eingedeckt haben mit Informationen, können dann einfach sagen, okay, wir würden gerne vielleicht einfach mal alle deutschsprachigen Podcaster töten.

Dann haben sie schon die Daten dafür.

39:51500 Signale: Was die Werbung schon weiß
Stefan

Genau, das ist eine Eintagesoperation. Das kann man fast daytraden heute. Der Andreas Weigend ist ja ein Deutscher, der damals im Silicon Valley bei Amazon diese, wer das kaufte, kaufte auch und so diese Algorithmen entwickelt hat. Und der hat vor über zehn Jahren, so lange arbeitet er schon nicht mehr, davon gesprochen, dass Amazon 500 Signale auswertet, um dir ein Produkt anzubieten, das du dann mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit kaufen möchtest, ohne jemals ein direktes Gespräch mit dir zu führen.

Also da fand keine direkte Marktforschung statt, da hatte ich niemanden angerufen oder sonstiges, sondern einfach aus diesem, 500 Signalen, schon allein wie lange schaut man sich Sachen an, wie schnell scrollt man, ist man auf der Suche nach etwas Bestimmten oder geht man so Windows-Shopping online.

Florentine

Also Amazon weiß in der Regel Wochen bevor du es weißt, dass du schwanger bist. Wenn plötzlich und unerwartet Amazon deiner Frau Windeln anbietet, dann könnte es sein, dass sie bald schwanger ist.

Stefan

Ja, und das schlägt sich eben nicht nur in, ah ja, da hat ein Algorithmus ausgewählt, was du vielleicht kaufen könntest so, sondern das schlägt sich in der, das haben wir ja am Anfang da besprochen bei Shein, in der kompletten Infrastruktur. Wo stehen die großen Lagerhallen? Wie sehen diese Straßen aus, die da hinführen? Wie ist das in der Lagerhalle organisiert? Wie sieht der Dienstplan aus und so? Das ist alles abgeleitet aus diesen 500 Signale, also damals 500 Signale, heute wahrscheinlich einfach keiner weiß es mehr, was so abläuft.

Aber diese ganze Infrastruktur ist einfach auf dieses Matching ausgerichtet. Dieses Targeting ist sehr viel wichtiger und strukturgebender und echte Sachen auslösender, viel materieller, als wir immer glauben.

41:44Ein Condor fürs Militär
Florentine

Ja, und wenn du dir das jetzt so denkst, so ein Condor-ähnliches System, aber militärisch, dann läuft dann halt jede Nacht so ein Datamining-Prozess, der sucht dann irgendwie 500 neue Ziele raus, die besonders attraktiv werden nach den strategischen Zielen, dann wird für jeden von denen eine Tötungslösung produziert, das Produkt, was sie dir liefern wollen halt.

Wollen sie dich irgendwie mit einem ID in die Luft jagen? Soll dein Pager in die Luft liegen? Soll eine Drohne kommen? Oder schickt man gleich ein paar ballistische Raketen? Das kann dann alles beantwortet werden. Und es wird beantwortet werden, rein aus Effizienzgründen, ohne dass da irgendein Mensch drin steckt. Die gesamte Kriegsmaschinerie wird schon KI sein, nicht bloß einzelne Drohnen.

Stefan

Ja, absolut.

Florentine

Weil man halt in dem Moment auch irgendwann die Komplexität als Mensch gar nicht mehr managen kann.

Stefan

Nee, das findet ihr ja auch in der Nachsorge dann nicht mehr, also wird ja nicht einzelfallmäßig überprüft, sondern da werden so statistische Auswertungen gemacht. Wie viele Ziele wurden getroffen, wie viele nicht, müssen wir irgendwas ändern und so. Bis irgendwann mal ein Einzelfall eine Rolle spielt. Da musste schon, wie die Amerikaner, so eine ganze Schule am Kriegstag 1 in die Luft sprengen mit 200 toten Kindern. Dann hat das vielleicht irgendwelche, okay, da muss jetzt mal kurz ein Gremium tagen oder so. Aber ansonsten läuft das alles einfach in Feedback-Loops durch.

Florentine

Ja, da heißt es ja auch immer, Claude hätte die Schule ausgesucht. Weiß man auch nicht genau, was da dran ist. Aber tatsächlich haben die Amerikaner ja im Iran-Krieg auch schon irgendwie ganz, ganz viele Ziele einfach mit KI ermittelt.

Stefan

Ja, sehr wahrscheinlich hat Claude dieses Ziel ausgesucht. Dann hat niemand nochmal drüber geschaut, dass da bauliche Veränderungen an dieser Grenze zwischen diesem Flughafen und diesem Schulgebiet stattfanden, was jetzt halt wirklich bedeutet, Niemand war es so. Das ist wie Thomas de Maizière sagt, ein Fußballspiel ab, weil er eine Empfehlung an die Innenminister gegeben haben, die das aber interpretiert haben als, ja okay, da hängen wir uns mal dran an die Entscheidung, die gar keine war.

Und am Ende, zehn Jahre später, ja, man kann es einfach gar nicht sagen, warum jetzt ein Fußballspiel der Nationalmannschaft nicht stattfand so.

Florentine

Das finde ich halt auch so unheimlich, weil das halt auch so in sich so eine Eskalationsdynamik hat. Wenn du jetzt so ein Data Mining System hast, so Rechenzentren, die für dich rechnen, wer muss umgebracht werden sozusagen, dann fängst du ja irgendwann an die Gegenseite mit Komplexität zu überwältigen. Die wissen erstmal nicht mehr, wo findet welcher Angriff statt.

Also fahren die ihre eigenen Data Center hoch. Da muss dann natürlich auch die Luftabwehr genauso effizient gerechnet werden. Wer könnte denn irgendwie heute das Ziel sein von Putins Drohnen oder so? Und dann müssen natürlich auch schon entsprechend die Abwehrsysteme platziert sein. Also fangen die auf beiden Seiten an, nur noch mit diesen Algorithmen gegeneinander zu kämpfen.

Und spätestens dann eskaliert das halt immer weiter in so eine Richtung, die man sich kaum noch vorstellen kann.

44:41Star Trek und „Person of Interest“
Florentine

Also das Einzige, was ich da so ein bisschen gefunden habe, war, es gibt so eine alte Star Trek Folge irgendwie, wo da so ein Volk ist quasi, was sich mit einem anderen Volk bekriegt, aber halt auch nur noch die Maschinen gegeneinander. Und dann gibt es immer abends so eine Rechnung, wer hat mehr Maschinen gemacht und dann müssen die quasi freiwillig Leute opfern. Weil sie das als Lösung gefunden haben um halt überhaupt in diesem algorithmischen Krieg noch eine Zivilität reinzukriegen, indem sie einfach sagen, okay der Computer hat die ausgewählt wir bringen die jetzt selber um, ist besser als wenn der jetzt kommt und unsere Leute tötet.

Stefan

Dann ist es wenigstens verhersehbar also da kann ich eine Serie empfehlen Person of Interest, das ist von Jonathan Nolan das ist der Bruder von Christopher Nolan der ja Mastermind vieler Drehbücher ist die dann Christopher Nolan als Regisseur umgesetzt hat, Und später hat er ja Westworld gemacht, meine absolute Lieblingsserie. Und in Person of Interest geht es um eine große Maschine, die nach dem 11. September für New York gebaut wurde von einem Entwickler, der diesen KI-Ansatz fuhr.

Also die Regierung liefert einfach alle Signale und er macht das Signal Processing sozusagen. Er verschlüsselt diese Maschine und sie liefert nicht nur künftige Terroropfer, also man kann Terror verhindern, sondern sie sieht auch jeden anderen Mord, von dem die Regierung aber sagt, die sind nicht so bedeutend, um die kümmern wir uns nicht. Also holt er sich einen ehemaligen Soldaten mit einem guten Gewissen aus der Gosse sozusagen, der für ihn, also die im Zweierteam, dann später im Dreierteam, klären dann auf und verhindern diese Morde, die die Maschine voraussieht.

Und irgendwann kommt die Regierung drauf, dass die dieses moralische Business fahren, nämlich zu zweit, zu dritt, die von der Regierung eigentlich als unbedeutend gefleckten Morde, die nicht Terror sind, sondern nur Alltagsmorde so, dass sie dem nachgehen. Und die Regierung möchte Kontrolle dann über diese Maschine, aber er hat sie halt verschlüsselt. Dieser Entwickler, der mit diesem einen Typen da die Morde aufklärt, hat sie verschlüsselt.

Daraufhin bauen die von der Regierungsseite aus eine neue Maschine. Und diese neue Maschine hat dann nicht so sehr das Ziel, diese Terrorabwehr zu machen, aber eben auch noch zur Verfügung zu stehen, statt einfach nur eine verschlüsselte Blackbox zu sein, zu dem die moralisch versaute politische Regierung keinen Zugriff hat, weil der Entwickler sagt, nee, ich kann euch das nicht geben.

Und in der letzten Staffel dieser Serie kämpfen im Grunde diese beiden Maschinen gegeneinander. Aber eben auch nicht direkt, sondern sie simulieren jeweils das Verhalten der anderen Maschine. Und nach einer Million Simulation findet dann die eine Maschine so eine Einflugschneise in die Zerstörung der anderen Maschine. Und da hat man genau dieses Bild.

Florentine

Ja, so wird es dann aussehen an der Stelle. Und wir werden da halt einfach nicht mehr durchblicken. Es wird halt einfach nur noch dieses Entgrenzte sein.

47:44Wir sind längst in der Simulation
Stefan

Ja, also das ist wie heute. Wenn wir Selenskyj glauben, der ja Zahlen nennt darüber, wie viele Russen getötet werden oder für Russland kämpfende Menschen, dann läuft das ja auf ungefähr 1000 am Tag hinaus. Hier wird ja nicht mehr der Einzelfall irgendwie studiert oder so, sondern es wird versucht, diese Zahl hochzutreiben und die Kosten runterzutreiben. Also es findet schon genau diese Simulation eigentlich statt.

Man abstrahiert ganz weit vom Schlachtfeld weg und zieht am Monatsende einfach eine Bilanz und danach dreht man an so ein paar Stellschrauben der eigenen Maschine. Aber der eigentliche Krieg, die eigentliche Zerstörung, die eigentlichen persönlichen Schicksale, die da drin stecken, wo kommen die jetzt eigentlich her, diese russischen Kämpfer? Sind das jetzt irgendwelche nordkoreanischen Achtsunsterregalen? Tausend einfach wird durchkalkuliert. Also wir sind eigentlich schon voll in dieser Simulation. Das, was Harari genannt hat, so als Satz, Der Kapitalismus und die Menschheit, schlagen jetzt zwei verschiedene Wege ein. Sie trennen ihre Wege.

Das sehen wir genau hier. Der Krieg hat schon dieses Eigenleben. Siehe Alexander Kluge, der eben sagte, naja, im Krieg kämpfen nicht zwei Parteien gegeneinander, sondern beide kämpfen für sich gegen den Krieg. Und dann ist einfach die Frage, wie man das organisiert. Und wir sehen, wie Selenskyj das macht und wir vermuten, wie Putin das macht und hängen halt entsprechende Verteufelungserzählungen da dran oder sagen bei der Ukraine, ja, da müssen wir halt so und so jetzt unterstützen.

Da haben wir so unsere Einflugschneise, wir schicken hier das Geld und dann nochmal ein bisschen Logistik und was auch immer und so. Aber wir sind schon voll in dieser Simulation drin.

Florentine

Ich glaube halt auch, das ist halt auch so ein bisschen so eine Strategie, dass so ein Van Helsing-Typ dann so alles etwas harmlos erzählt ist halt, weil wir alle nicht so, die wollen halt keine neue Friedensbewegung. In den 70ern gab es irgendwann mal The Day After, danach wussten alle Bescheid, was das mit den Atomwaffen so ist. Und plötzlich gab es eine Friedensbewegung und dann war es nicht mehr so einfach, hier irgendwie alle militärisch so hochzuputschen und zu sagen, wir müssen mal wieder wehrfähig werden und so.

Und ich glaube halt, wenn den Leuten hier klar wäre, wovon da geredet wird, dass es halt nicht so ist wie in dem lustigen Prospektchen, dann wäre der Widerstand halt viel höher. Das möchte man aber dann auch nicht so gerne. Also,

50:06Putins Gefolge im Werbedatenstrom
Florentine

Ja, dann habe ich hier von Byron Tau aus dem Wired Magazine, zwei Jahre alter Artikel, How the Pentagon learned to use targeted ads to find its target and Vladimir Putin.

Stefan

Jetzt ist die Verknüpfung.

Florentine

Selbst Vladimir Putin ist nicht sicher vom Überwachungskapitalismus. Für ein paar hunderttausend Dollar im Monat würde das Unternehmen einen globalen Feed jedes Telefons auf der Erde liefern, den das Unternehmen sammeln konnte. Die Wirtschaftlichkeitsrechnung beeindrucksvoll. Für die Militär- und Geheimdienstgemeinde waren ein paar hunderttausend im Monat praktisch ein Rundungsfehler. 2020 betrug das Geheimdienstbudget 62,7 Milliarden.

Hier war ein mächtiges Geheimdienstwerkzeug für einen Spottpreis. Sie erkannten, dass sie über Lokomotive auch führende Politiker der Welt verfolgen konnten. Nach dem Erwerb eines Datensatzes zu Russland stellte das Team fest, dass es Telefone aus dem Gefolge des russischen Präsidenten Vladimir Putin verfolgen konnte. Die Telefone bewegten sich überall dorthin, wo Putin sich bewegte. Im Ergebnis wusste Planet Risk, wohin Putin ging und wer in seinem Gefolge war.

Stefan

Da machst du so viel Anstrengung, baust dir dasselbe Büro an unterschiedlichen Orten, damit du Fernsehansagen machen kannst, ohne dass irgendwer weiß, wo du bist. Selbst der Verwelkungsgrad der Pflanzen wurde mit betrachtet und beachtet dabei. Und dann ist aber deine Entourage einfach im Internet unterwegs. Genau, also.

Florentine

Tragen alle deine Freunde eine Ortungswanze mit sich rum, kannst du dir ja auch nicht mehr verstecken.

Stefan

Wir killen auf Basis von Metadaten, wurde da gesagt.

Florentine

Genau, ja und das ist ziemlich realistisch. Man muss sich das einfach wirklich so vorstellen, wie der Tod kommt in ein Paket von Amazon.

Stefan

Und bei Putin würde ich sagen, falls wirklich das Ansinnen ist, so jemanden zu töten, ist ja auch nicht jetzt die gezielte, sondern da wird ja einfach wirklich ein Flächenbombardement da, wo diese 100 Handys gerade rumfunken, gemacht.

52:02Eskalation nach Verwandtschaftsgrad
Florentine

Ja, oder meiner Meinung nach sogar noch anders. Du willst ja, dass Putin am Ende irgendeine Kapitulation unterschreibt. Du wirst also irgendwie viel eher so eine gestufte Eskalationslogik machen. Erst die Cousins siebten Grades, dann die Cousins sechsten Grades, dann vielleicht mal irgendwann der Bruder, dann die Schwester, dann die Kinder, die Großeltern.

Stefan

Ja, ich habe gestern eine Reportage abends noch geguckt, so 10 Minuten YouTube. Es gibt sehr cooles Zeug mittlerweile, weil die KI so toll visualisieren kann. Also 10 Minuten die Wolfsschanze. Es wurde sogar eine Story reingestrickt, nämlich der Brief, in dem Hitler mitgeteilt wird, dass Rudolf Hess nach England rüber ist, um dort Kapitulation anzubahnen und so, muss zugestellt werden.

Und dann hast du diesen Perimeter-Blödsinn, dass die erste Sicherheitskontrolle, dann fährst du nochmal fünf Kilometer durch den Wald, dann kommst du die nächste und die nächste und so. Und man denkt sich, ja in diesem Zeitalter damals war das halt High Security. Hast Flaks aufgestellt, Flugzeuge, die kamen, hast du gesehen und abgeschossen und dann war halt einfach 10 Kilometer Bannmeile mit Geschützturmen und so weiter und so fort.

Aus der Kriegslogik heute ist das natürlich voll die Falle, in der du hockst. Also Wolfsschanze ist sozusagen ein Präsentierteller. Ja, so. Heute müsstest du Leute, und das ist ja, was man der Hamas immer unterstellt, ja, die sind einfach überall so. Da müssen wir schon einzelne Pager in die Luft sprengen und dann danach es aushalten, dass die Weltöffentlichkeit sagt, ja, die sind jetzt in Kindergarten explodiert und in Schulen und in Krankenhäusern und so, ja.

Also wie sehr Kriegslogik sich ändert, sieht man wirklich, wenn man sich diese alten Hitler-Dokus und so, die machen einfach Reichsparteitagsgelände. Alle Leute von Rang und Namen sind einfach in so Baracken auf einem Quadratkilometer. Also das ist heute undenkbar einfach.

Florentine

Ja, man würde halt wirklich relativ schnell ganz viele Leute aus der Elite verlieren, so wie man das im Iran gesehen hat. Und dann würde die Generation, die nachrückt, die würde man wahrscheinlich dann gar nicht mehr finden können. Auch wie im Iran, da weiß ja auch keiner so richtig. Wer ist gerade der oberste Talking Head?

Stefan

Ja, im Iran gibt es ja einige Sachen auch. Also nicht nur, dass man diese Führungsriege einfach, wo ist sie, ja? Sondern auch, wir hören jetzt vermehrt, und es wird ja auch gerade wieder intensiviert, dass die Amerikaner ihr Waffenarsenal wirklich leer geschossen haben. Nur wir sehen ja gar keine Zerstörung aus dem Iran. Also es ist ja auch, wo genau findet der Krieg jetzt statt, so, ja?

Florentine

Weiß keiner, so richtig.

Stefan

Ja, also es ist wirklich eine sehr sonderbare Kriegsführung. Du kannst ein ganzes Land mit dem größten Militärhaushalt der Welt einfach wochenlang, bombardieren und am Ende so, wo war jetzt der Krieg? Und darin sehe ich auch wirklich gigantische Gefahren, dass Leute so, wie wir waren im Krieg, Krieg und dann haben wir ihn schon verloren, wir haben ihn schon verloren.

Wie, was, es war Krieg?

Florentine

Ich meine, im 90ern beim Irakkrieg gegen Saddam, der erste, der gute Irakkrieg da, wo die ganze Welt noch gegen die gekämpft hat, da hattest du immer zum Frühstücksfernsehen diese grünlichen Kamerabilder von irgendwelchen Sachen, die bombardiert wurden. Du hattest diese Embedded Journalists und du warst im Prinzip die ganze Zeit dabei. Es ist nur so eine Leerstelle, wo Trump immer wieder sagt, die sind erledigt und morgen geben die auf. Also,

Stefan

Es ist wirklich sehr gefährlich, glaube ich, insgesamt.

55:34Jedes Profil ein Zielpaket
Florentine

Das Thema Social Graph, um die richtigen Ziele zu finden, das verdichtet sich auch immer mehr. Also ich habe jetzt hier von Jason Coombs, US Army Warrant Officer Journal, Spies, Hackers, Social Media, AI, oh my, heißt der Artikel. Ein kurzer Blick in die Tasche jedes Soldaten offenbart ein Smartphone, das nun Teil des operativen Umfelds ist. Jedes Social Media Profil ist ein Targeting Paket und jeder Freund ist eine Operationslinie, das heißt ein Zieldeck.

Das ist aus dem Artikel so ein kurzes Zitat, wo er halt sagt, der einzelne Soldat durch sein Smartphone ist natürlich auch schon targetable zur Zeit.

56:20Obamas leeres iPhone und die Telefonzelle
Stefan

Ja, also es gibt ja diese sehr witzige Szene von Barack Obama, der als Präsident in so einer Late-Night-Show sitzt und sein Handy beschreibt. Also ganz lange hat er den Secret Service darum gebeten, ich hätte gern auch ein iPhone. Alle Welt haben ein gutes iPhone, ich hätte auch gern ein iPhone. Und der Secret Service mauert so und sagt, nee, das ist zu unsicher, bla bla bla und so. Und er so, doch, bitte kriegt es irgendwie hin.

Und dann, und das ist die Pointe von seiner Erzählung, da kriegt er endlich sein iPhone. Und er entsperrt den Bildschirm und es ist genau nichts drauf. Er kann keine Fotos machen, es gibt keine Karten-App. Es ist einfach nichts so, ja. Und dann denkt man sich, okay, also irgendwer hat ja genau diese Überlegung jetzt mal angestellt. Wie müsste eigentlich ein Smartphone aussehen, das wir dem amerikanischen Präsidenten in die Hand geben können?

Und ich würde jetzt sagen, auch jedem Soldaten. Nur dann hast du halt wirklich das Problem, da kommen 17, 18, 19-Jährige zum Militär. Denen kannst du natürlich immer sagen, ihr ist Smartphone verboten. Aber das ist nun mal die Erzählung über diese Jugend. Denen ist das halt egal, ob ihr Smartphone verboten ist. Die haben halt trotzdem noch ein anderes Smartphone so.

Und das ist halt eine ganz, ganz, ganz große Herausforderung. Diese Erzählung, die immer wieder aufkommt, dass Leute zu irgendwelchen, ach ja, da oben in Finnland, um Russland abzuwehren, gab es auch nochmal amerikanische, was auch immer, alles super geheim und dann macht jemand, geht joggen und hat Strava an. Und das ganze Ding ist aufgeflogen. Die Heatmap mitten auf dem Ozean, weil da einfach der Flugzeugträger steht und die Leute im Kreis joggen und jeder wissen will, wie viele Kilometer bin ich jetzt hier im Kreis gerannt.

Und lauter so ein Blödsinn. Diese Erzählung kommt ja wirklich wöchentlich, kann man die irgendwo im Internet nachlesen. Und das ist eine echte Herausforderung für alle Beteiligten.

Florentine

Ja, das heißt ja natürlich auch, dass wenn es wirklich zum Ernstfall kommt, kannst du alle Mobiltelefone in Deutschland erstmal wegwerfen. Dann werden wir wahrscheinlich Telefonzellen wieder rausrollen. Weil es einfach zu gefährlich ist. Da müssen wir alle so ein Obama-Phone haben.

Stefan

Genau, mit dem man genau nichts machen kann. Man muss noch. Also die Idee ist ja, man zieht die Antenne raus, um dem Telefon zu signalisieren, stell mal Verbindung zum Netz her. Was bedeutet, man ist ja gar nicht anrufbar. Man kann nur jemanden anrufen. Und das ist ja genau das Szenario von überall Telefonzelle. Ja, du musst zur Telefonzelle hingehen und dann kannst du jemanden anrufen.

Aber du hast ja zu Hause kein Telefon, also du kannst nicht angerufen werden. Und jetzt die Denklogik, ja, wer hat denn dann ein Telefon zu Hause, um angerufen zu werden von demjenigen, der zur Telefonzelle geht? Und es stellt sich raus, ja, in jeder Familie gibt es so dir eine Tante, die mal ein Telefon zu Hause hat, die kann man dann anrufen. Aber es ist eigentlich nicht möglich.

Ich finde auch dieses Gedankenexperiment, das kann man sich auch selber immer wieder stellen. Ich mache das gerne mit zu Jugendlichen und so. Was glaubt ihr, wie man vor dem Smartphone-Zeitalter einen Krankenwagen gerufen hat?

Florentine

Ja.

Stefan

Und die Erzählungen sind lustig. Und ehrlich gesagt, ich weiß es auch nicht. Wie hat das eigentlich funktioniert? Wie konnte man einen Krankenwagen rufen, wenn jemand ein Telefon hat? Und wir reden hier von der Zeit vor 20 Jahren.

Florentine

Da gab es tatsächlich diese Sorgen. Da konntest du hingehen, so einen Hebel umlegen und dann hast du mit der Feuerwehr geredet.

Stefan

Genau. Aber überleg mal, ich war gestern in der Schirn, es gibt noch so eine KI-Ausstellung hier gerade. Wo so eine riesige Infografik an der Wand war, also wirklich riesig, 10 Meter lang, 2, 3 Meter hoch und so, wo alles ganz detailliert, technische Entwicklungen erklärt werden. Und WiFi wurde 2011 oder so entwickelt.

Also das ist eine... Also Leute ziehen aus Wohnungen aus, wenn es da kein Internet gibt. Also es ist wirklich essentiell. Und es ist aber eine absolut junge Technologie. Also man kann es sich einfach gar nicht vorstellen. Und jetzt diese Idee von, das wird alles für den Krieg genutzt.

Wir haben uns so krass hart dran gewöhnt. Es ist so undenkbar, ein Leben ohne das zu führen. Und jetzt sagen wir, sobald der Krieg losgeht, wendet sich das alles gegen uns.

Florentine

Ja, also wenn die Leute nicht abgeschreckt werden von, wir werden alle sterben, dann vielleicht von, und du musst dein Telefon abgeben.

Stefan

Ja, genau. Krieg heißt, du musst dein Telefon abgeben. Vielleicht nochmal darüber nachdenken, ob wir den Krieg vermeiden wollen. Ja, genau.

Florentine

Ich glaube, das ist für viele eher beeindruckender als alles andere.

Stefan

Das stimmt, das stimmt, absolut. Wenn du Soldat wirst, musst du dein Telefon abgeben. Willst du wirklich zum Krieg?

Florentine

Ja, genau. Jetzt habe ich einen etwas älteren Artikel.

1:01:07Die soziale Landkarte der Sprengfallen
Florentine

Der ist noch so ein bisschen über George W. Bush Jr. des Irakkrieg, wo man auch schon relativ früh so ähnliche Strukturen dann gesehen hat. Das ist jetzt aus der Military Review von Montgomery McFate, Iraq, the social context of IEDs. Das 104. Military Intelligence Battalion entwickelte ein soziales Netzwerkprogramm namens MongoLink, um persönliche Beziehungen anhand von Daten, irakischer Informanten, militärischer Patrouillen, elektronischer Abhörmaßnahmen und zahlreicher anderer Quellen zu kartieren.

Eine der 62.500 Verbindungen führte direkt zu Saddam. SNA-Ressourcen, wie sie etwa beim Office of Naval Research entwickelt werden, identifizieren, wie man ein Netzwerk durch Eingreifen bei den Schlüsselpersonen maximal stören und wie man Ideen, Falschinformationen und Material maximal verbreiten kann, indem man Schlüsselpersonen einspeist. Das ist jetzt vor über 20 Jahren schon gewesen. Die haben dann da 62.500 Verbindungen geprüft.

Heute könnte man ja Milliarden von Verbindungen in kurzer Zeit prüfen. Das heißt, sowas wie da. Diesen sozialen Grab aufzuklären und dann halt auch gezielt da einzugreifen, das ist genau das, was uns da erwartet. Das ist halt sozusagen, da wird dann nicht mehr nur Saddam gejagt, sondern du. Und wenn du zu nah mit Friedrich Merz verwandt bist, dann bist du auch in Gefahr.

Stefan

Ja, also als Facebook und so alle angefangen haben, lad uns doch mal dein Adressbuch hoch, dann sagen wir dir, wer deiner Freundin schon auf der Plattform ist. Also spätestens da war es ja vorbei dann, dass man sagte, nee, ich lad mein Adressbuch da nicht hoch.

Florentine

Also wir haben ja auch immer alle gefragt, was soll schon passieren? Jetzt klärt sich so langsam auf, was passieren soll.

Stefan

Und die soziale Landkarte ist halt wirklich lückenlos geschrieben. Also dadurch, dass Leute ihr eigenes Adressbuch nicht hochladen, ist genau gar nichts geworden, weil ihre 20 Freunde und dann steht man in 20 Adressbüchern mit drin, als der Freund von Dings. Und dann ist auch egal, ob man jetzt seine eigene soziale Landkarte noch mit beiträgt oder nicht. Also man steht auf jeden Fall in der großen sozialen Landkarte mit drin.

Und wir wissen ja heute, die Einwanderungsbehörden in Amerika wollen genau diese Handydaten heute haben. Also man kann nicht nach Amerika einreisen, ohne dass man genau seine komplette soziale Landkarte da einmal einfach ausbreitet.

Florentine

Ja, solange sie uns noch Socken verkauft haben, war das ganz witzig.

Stefan

Ja, jetzt kriegst du gerade noch eine Einreise nach Amerika, wo du denkst, aber man muss sein Handy schon selber übergeben. Dieser Akt ist, können Sie es nicht einfach weniger invasiv, einfach auch alles rausladen aus meinem Telefon? Muss ich es Ihnen jetzt auch noch physisch übergeben? Da wird die Daumenschraube

1:04:06Signature Strikes und Pattern of Life
Stefan

schon etwas enger gezogen.

Florentine

Definitiv jetzt habe ich hier vom UN-Sonderberichterstatter Ben Emmerson, Report of the Special Rapporteur on the Promotion and Protection of Human Rights and Fundamental Freedoms while Countering Terrorisms von 2013 ist jetzt also auch 13 Jahre schon alt, Eine zweite Kategorie besteht aus den sogenannten Signature Strikes, bei denen eine Gruppe oder ein Individuum aufgrund ihrer Aktivitäten als Ziel identifiziert wird.

US-Streitkräfte im Irak leisteten Pionierarbeit bei dem, was als Pattern-of-Life-Analyse bekannt wurde, unter Einsatz ferngesteuerter Luftfahrzeuge für Zwecke der Aufklärung, Überwachung, Zielerfassung und Erkundung. Dies ist seither ein routinemäßiger Teil des bewaffneten Konflikts in Afghanistan geworden, wo es auch von der Royal Air Force, das Vereinigten Königreichs, für Zielerfassungszwecke genutzt wird.

In diesem Kontext wird die Analyse genutzt, um festzustellen, ob ein Individuum oder eine Gruppe unter die Kriterien fällt, die in militärischen Zielrichtlinien festgelegt sind. Die Vereinigten Staaten haben förmlich bestritten, dass allein die Tatsache, dass eine Person im wehrfähigen männlichen Alter sich in der Nähe einer bewaffneten Gruppe befindet, ausreicht, um eine Zielentscheidung zu rechtfertigen.

Es bleibt jedoch erhebliche Unsicherheit darüber, nach welchen Kriterien alltägliche Lebensgewohnheiten einer Person als ausreichend bewertet werden, um sie als Kombatanten zu identifizieren. Das kann also sein, im Grunde genommen, trinkt Milch, mag Sneakers, geht am Wochenende joggen, ist ein Feind.

1:05:42Metadaten führen immer zu einer Person
Stefan

Ja, also Apple hat ja damals die Differential Privacy eingeführt, indem sie so sagten, ja, wir nehmen so ein paar Signale raus, wenn du dir eine Route geben lässt oder wie auch immer, es ist nicht mehr auf dich zurückführbar. Und dann sind Forscher dem nachgegangen und haben sich das mal angeschaut und meinten, ja gut, da steht jetzt nicht der Name drin, aber eine ID. Das heißt, egal wie viele Zufallsdaten mit eingemischt wurden.

In Ländern wie Deutschland mit 80 Millionen Menschen gibt es dann doch immer nur Einzelfälle von fährt einmal im Monat nach Würzburg und wieder zurück und dreimal die Woche zu diesem Rewe. Da kann man noch so viel Differential Privacy machen. Diese Metadaten alleine führen immer auf eine Person. Es gibt in dieser Nachbarschaft, in der alle zu Rewe fahren in verschiedenen Rhythmen, nicht noch einen, der immer einmal im Monat nach Würzburg fährt, Sondern das ist dann halt genau der eine.

Und umso mehr dieser Fahrten stattfinden, umso deutlicher ist, wer das ist. Und da muss man halt sagen, und das ist halt wieder dieser Lernerfolg, für die im Krieg reicht das kognitive Lernen. Die müssen sich um normative Sachen, das ist ja alles unter Geheimhaltung. Die können daraus einfach Schlüsse ziehen und dann einfach sagen, wir töten auf Basis von Metadaten, weil genauer kriegen wir es eh nicht hin.

Florentine

Das ist für die ja auch schlussendlich egal. Also das Einzige, was Differential Privacy ja macht, ist ja, dass man nicht weiß, wer das ist. Man weiß aber, da ist einer, der fährt immer regelmäßig nach Würzburg und wohnt irgendwie im Nachbarhaus von der Cousine von Friedrich Merz oder sowas. Mehr müssen die ja noch nicht. Deshalb wissen die gar nicht, wen die da töten, aber die wissen schon, was sie da tun.

Stefan

Ja, selbst dieses nicht wissen, wer der eine ist, entscheidend ist ja, Aber falls man jemanden sucht, gibt es diesen Einzelfall genau so in den Daten. Also der, wenn man jetzt, ja, ist ja so typische Polizeiarbeit, man hat schon mal einen Namen, einen Verdächtigen und so weiter, jetzt will man aufklären und so, dann braucht man nur dieses eine Signal, ja, der fährt immer einmal im Monat nach Würzburg, zack, ja, ist die ganze Kette aufgeklärt.

Es gibt einfach nur Einzelfälle in diesen Fällen. Das menschliche Verhalten ist dann am Ende doch so spezifisch. Und dann muss man ja überlegen, also Leute gehen mit ihrem Smartphone in der Hosentasche. Und es gab ganz früh, also auch schon vor zehn Jahren, Patente zum Thema an der Bewegung des Ganges. Lässt sich identifizieren, wer das ist.

Inklusive geht heute so, also ist morgen krank. Es zeigt sich schon mal eine gewisse Schwächung, die er morgen früh als mein Hals und so dann feststellt. Und ich habe jetzt die Tage gehört, Apple hat eine Firma gekauft für 1,5 Milliarden. Wahrscheinlich so ein Acquihire, wo man einfach nur die Beschäftigten haben will, weil sie klug sind. Aber deren Produkt ist, aufgrund optischer Auswertungen eines Gesichtes im Video, herauszufinden, was gesagt wird.

Allein durch die Bewegungen von Mund und so weiter. Das ist ein Lippenleser-Algorithmus. Genau, Lippenlesen, ja, Lippenlesen mit KI sozusagen. Also, es gibt nur Einzelfälle. Metadaten schützen nicht davor, dass wirklich genau klar ist, um wen es hier geht und so.

Florentine

Ja, musst du Mundschutz tragen, nicht wegen Corona, sondern damit keiner sieht, was du gesagt hast.

Stefan

Ja, also stell dir mal vor, du bist in dem Fußballstadion, wirst eh schon die ganze Zeit gefilmt, das ist ja heute schon klar, demnächst wird in diesem Lärm einfach reproduziert, worüber du geredet hast, mit deinem Typen neben dir, während das ganze Stadion singt und laut und du verstehst es selber nicht, was der Typ sagt, ja, aber diese KI sagt einfach, was er gesagt hat.

Florentine

Ja, deshalb, Dürfen wir uns das halt auch nicht aus der Hand nehmen lassen.

Stefan

Absolut.

Florentine

Das sind halt Systeme, die uns alle zerreiben können.

Stefan

Stell dir mal vor, das ganze Publikum im Fußball steht da, wie unten die Fußballspieler und hält sich immer die Hand vor den Mund. Was ja auch schon wieder verboten wurde jetzt. Bei der Fußball-WM war das ja gelbe Karten ist rechtlich, weil dadurch kann man ja verschleiern, dass man jemanden beleidigt.

Florentine

Ah, crazy, ja.

Stefan

Es kommt einfach alles zusammen gerade.

Florentine

Ja, das Einzige, technisch kannst du hier Nordkorea relativ schnell ausrollen. So mittlerweile. Das tut noch keiner. Und wenn wir ein bisschen aufpassen, dann bleibt das auch so. Ansonsten wird es vielleicht ein bisschen doof. Wenn AfD und Co. Irgendwas in die Finger bekommen, dann geht es schon los mit dem ganzen Quatsch.

1:10:30„We Kill People Based on Metadata“
Florentine

Ja, dann habe ich einen Artikel, der hat schon direkt so einen ganz ehrlichen Titel. So David Cole aus der New York Review of Books und heißt, We Kill People Based on Metadata.

Stefan

No. Ein sehr berühmter Spruch mittlerweile, aber halt aus Gründen.

Florentine

Echt?

Stefan

Die Überschrift meine ich, dieses Zitat, We Kill Based on Metadata. Und ich meine 2014, das ist jetzt nicht mehr.

Florentine

Stimmt, das ist quasi Obamas Drohnenkrieg, von dem die da reden. Also es ist quasi alles noch nicht mal wirklich, dass wir über den Zukunftskrieg reden. Wir reden über virtuelle Kriege und Kriege der Vergangenheit. Und machen uns das nun mal bewusst, wie das dann wäre, wenn das hier so losgehen würde. Natürlich kann das Wissen um den Inhalt eines Anrufs entscheidend sein, um eine bestimmte Bedrohung zu belegen.

Aber schon Metadaten allein können ein extrem detailliertes Bild der intimsten Beziehungen und Interessen einer Person liefern. Und es ist technologisch gesehen tatsächlich viel leichter, riesige Mengen an Metadaten zu durchsuchen, als Millionen von Telefonaten abzuhören. Wie der frühere NSA-General Counsel Stewart Baker gesagt hat, Metadaten verraten dir absolut alles über das Leben eines Menschen.

Wenn du genug Metadaten hast, brauchst du den Inhalt gar nicht mehr. Als ich Baker in einer jüngeren Debatte an der Johns Hopkins University zitierte, nannte mein Debattenpartner General Michael Hayden, ehemaliger Direktor der NSA und der CIA, Bakers Bemerkung absolut korrekt und überbot sie mit der Behauptung, wir töten Menschen auf Grundlage von Metadaten.

Stefan

Ja, ich erinnere an die Psychologin Stefanie Stahl, die Alles-gesagt-Podcast saß, wo man ja stundenlang bei der Zeit so rumplaudert, und sie gefragt wurde, ja, wenn jetzt Leute in deine Praxis kommen zum Gespräch, bist du dann eigentlich noch überrascht und so? Was sind das für krasse Fälle, die man da erlebt? Also so die typische Journalistenfrage nach der Olympiade der unglaublichsten Ereignisse und so weiter, woraufhin sie dann einfach sagt, naja, da kommen halt immer neue Patienten rein, die kenne ich natürlich nicht, die Personen sind mir völlig unbekannt.

Dann stellen sie mir ihr Problem vor und ich denke mir, das kenne ich. Worin natürlich eine riesige Kränkung liegt, dass wir uns alle für so super individuell halten und mega eigene Vorlieben entwickeln und überhaupt und so. Und dann guckt irgend so ein Typ einfach nur auf unser Tagesprotokoll und sagt, ja, alles klar.

Florentine

Der muss weg, der kann bleiben.

Stefan

Ja, genau. Ja, so und das ist einfach, ja, man ist halt wirklich ein bisschen betrübt, ja, wenn man das so, dass die uns einfach so runterbrechen. Ich meine, am Ende reden die ja auch über sich. Es ist ja nicht so, dass die jetzt sagen, wir sind hier die Intelligence und da ist das allgemeine Publikum, das einfach doof ist, sondern das ist ja einer der großen Aufträge von allen möglichen Geheimhaltungsbehörden, dass sie auch immer sehr mit sich selbst zu tun haben.

Also siehe Soldaten, die mit Strava auf einem Flugzeugträger joggen gehen und so.

1:13:31Lavender und „Where’s Daddy?“
Florentine

Ja. So, und dann habe ich noch einen Text, der ist jetzt von Yuval Abraham über Lavender. The AI machine directing Israel's Bombing Spree in Gaza. Also die Israelis haben das quasi in vielerlei Hinsicht alles schon so zusammengebracht und im Einsatz. Nach Angaben von vier der Quellen, die mit 972 und Local Call sprachen, hat Lavender, das entwickelt wurde, um im aktuellen Krieg menschliche Ziele zu erzeugen, rund 37.000 Palästinenser als mutmaßliche Hamas-Militante, die meisten davon niederrangig, zur Tötung markiert.

Der IDF-Sprecher bestritt die Existenz einer solchen Tötungsliste in einer Stellungnahme. Diese Programme verfolgen tausende von Personen gleichzeitig, erkennen wann sie zu Hause sind und senden eine automatische Warnung an den Zieloffizier, der dann das Haus zur Bombardierung markiert. Eines von mehreren solcher Tracking-Programme, das hier erstmal enthüllt wird, heißt Where's Daddy? Das israelische Militär weist diese Vorwürfe kategorisch zurück.

In einer Stellungnahme gegenüber Local Call bestritt der IDF-Sprecher, künstliche Intelligenz zur Identifizierung von Zielen einzusetzen. Es handele sich lediglich um Hilfswerkzeuge, die Offiziere im Identifizierungsprozess unterstützen. Weiter hieß es in der Stellungnahme, in jedem Fall ist eine unabhängige Prüfung durch einen Geheimdienstanalysten erforderlich, die verifiziert, dass die intendierten Ziele legitime Angriffsziele sind, im Einklang mit den Bedingungen, die in IDF-Richtlinien und dem Völkerrecht festgelegt sind.

1:15:08Gaza: Flächenbombardement oder Zielsoftware?
Stefan

Ja, also. Es gibt ja nur noch zwei Szenarien, die hier stimmen können. Entweder man macht absolutes Flächenbombardement und es schaut genau niemand über irgendetwas, sondern man nimmt einfach Straße für Straße, Haus Nummer 1, Haus Nummer 2, Haus Nummer 3, Haus Nummer 4, markiert das alles durch, wird bombardiert. Dafür spricht einiges, denn in Rafah standen zehntausende Häuser oder im ganzen Gaza-Gebiet und es sind nicht zehntausende Tage vergangen, sondern nur so tausend ungefähr.

Und es musste also diese Art von Flächen- und Massenbombardement stattfinden. Oder aber es fand halt gezieltes Targeting statt. Und jetzt können wir uns ja einfach überlegen, Bei der Herausforderung, die sich die israelischen Defense Forces selbst stellen, nämlich zu sagen, wir wollen ja möglichst viele Hamas-Kämpfer finden und wir haben sozusagen unbegrenztes Budget an Bomben und es muss alles da rein.

Da würde ich sagen, es ist nicht Szenerie A oder B, sondern es ist von beiden das Schlechte auf eine noch schlechtere Summe getrimmt, dass man nämlich das Ziel hatte, einfach alles zu bombardieren. Dieses Ziel ist jetzt erreicht, es ist wirklich alles zerstört. Man kriegt so Berichte wie gestern in der Tagesschau, also original gestern in der Tagesschau. Da ist noch ein Haus zusammengefallen, das schon bombardiert wurde, aber die Menschen in der Verzweiflung dachten, naja, so toll ist es nicht zerstört, wir können es noch besiedeln so.

Und dann ist es halt doch zusammengestürzt. Also wirklich super tragische Geschichten. Also was für mich bedeutet, die israelischen Defense Forces, also das Militär, das direkt Netanyahu untersteht, hat einfach gewusst, dass sie alles zerstören dürfen und hat diese Gelegenheit dann noch genutzt, um Lernerfolge für sich da rauszuholen. Also das ist im Grunde das Trainieren von KI auf Basis einer kompletten Stadtzerstörung.

Und das ist einfach in allem, was wir jetzt beschrieben haben, das gruseligste und grausamste Szenario überhaupt, das sich Menschen ausdenken können und dann wirklich als Programm einfach durchziehen. Also crazy.

Florentine

Und das ist aber das, was tatsächlich meiner Meinung nach in die Richtung geht von dem, womit man tatsächlich rechnen muss. Also wenn wir irgendwie in irgendeinem fiktiven Krieg mit irgendwem aneinander geraten. Der entsprechend hochskalieren muss, weil er jetzt nicht mehr nur mit der Ukraine kämpft, sondern jetzt plötzlich die ganze NATO sich vorgenommen hat, dann wird da einiges von passieren, kann ich mir sehr gut vorstellen.

Stefan

Das ist das einzig denkbare Szenario für den künftigen Krieg.

1:18:10Wildberries und das Amazon für den Krieg
Florentine

Ich vermute auch, als ich das zusammengestellt habe, fielen mir dann halt auch so andere Sachen ein, wie zum Beispiel, dass die ja momentan von der Ukraine aus dieses Wildberries ganz intensiv bombardieren. Das ist so das russische Amazon. Immer mit dem Hinweis, dass das irgendwie auf irgendeine Art und Weise in deren militärische Prozesse eingebunden wäre. Kann man sich ja jetzt hier schon ein bisschen besser vorstellen, welche Rolle das da spielt.

Und es ist auch, also andere Sachen, die in die Richtung gehen, ist zum Beispiel, die haben auch, die Ukrainer haben so eine Art Amazon für den Krieg. Da kannst du quasi, du bist eine Drohnen-Einheit und wenn du gut Russen abgeschossen hast, kriegst du so und so viele Punkte.

Stefan

Genau.

Florentine

Dann kannst du mit diesen Punkten quasi einkaufen in diesem Amazon für den Krieg und dir neue Drohnen schicken lassen. Und auf die Art und Weise wird das halt quasi alles so kill-optimiert, so Fortnite-Style.

Stefan

Genau. Wir können ja nochmal über das echte Amazon der Russen, also dieses Wildberries da. Das war ja einer der wirkmächtigsten Angriffe überhaupt. Materialschaden alleine 1,5 Milliarden Dollar oder so. Dadurch, dass alles natürlich da so zentral gelagert wurde, kennen wir ja aus Deutschland auch. Also man fährt so die Autobahn entlang und dann ist da einfach ein Amazon Center und wir wissen, da liegt jetzt die Grundversorgung für alle Menschen hier drin.

Es gibt so das Kraftwerk, das für 30.000 Leute Strom macht und dann gibt es das Amazon Lager, das 100.000 Leute mit Alltagssachen versorgt. Wenn ein Krieg losbricht und das ist nun sozusagen geschriebene Geschichte aus allen Kriegen, egal wie sie bisher geführt wurden. Es gibt die Front und dann gibt es die Heimatfront und dann gibt es immer die Soldaten, die vorne kämpfen und die, die hinten die Versorgung sicherstellen.

Und wir haben ja bei Corona erlebt, was plötzlich und wie es so funktionierte. Nämlich, alle bleiben bitte zu Hause und Amazon liefert es euch. So, eine Kriegssituation ist jetzt mit Corona relativ ähnlich vergleichbar. Denn allein aufgrund von Gefahrenlage, jetzt bitte nicht alle im Stau auf der Autobahn oder irgendwas so, sondern bleibt mal bitte alle zu Hause, lasst euch liefern. Und dann heißt es plötzlich, das Amazon-Center wurde jetzt bombardiert.

Florentine

Ja.

Stefan

Das ist eine, also das ist eine von diesen Kriegsszenarien, von denen ich sage, ach so, wir waren im Krieg und den haben wir verloren, habe ich gar nicht gemerkt. Ja, dein Amazon-Lager wurde bombardiert und so muss man auch diesen ukrainischen Ankrieg da kurz vor Moskau. Die haben einfach in einer Situation, in der nicht ausgeschlossen ist, dass Moskau von diesem Werk zentral versorgt wurde, haben sie es einfach aus dem Spiel genommen.

Und das ist nicht so betrachtet worden. Es läuft immer noch unter, ah ja, da wurde Russland mal wieder so, ja. Aber nein, das ist einfach dieser direkte Krieg, der stattfindet.

1:21:04Neue Methoden, alte Prinzipien
Florentine

Das Ziel von der Ukraine ist ja, den Russen nach Hause zu tragen. Und ich glaube halt auch, dass das halt im Endeffekt beim aktuellen Technologiestand und bei dem, wieso Kriege heutzutage geführt werden, halt früher oder später halt darauf genau optimiert werden wird.

Stefan

Absolut.

Florentine

Weil die Bevölkerung in der Demokratie beendet Kriege, indem sie keine Lust mehr darauf hat. Und es ist ja eine alte Strategie zu sagen, wir machen hier Terrorbombardement mit der Hoffnung, dass die Bevölkerung kapituliert. Das hat noch in keinem Krieg wirklich geklappt, aber es wurde in jedem Krieg immer wieder versucht.

Stefan

Ja, in der Hinsicht gibt es ganz viele neue Kriegsmethoden, aber die Kriegsprinzipien, das sind die alten. Mark Milley steht vor den Politikern und sagt 2022, es öffnet sich gerade ein Fenster für Verhandlungen, vielleicht sollten wir einfach mal mit Putin reden. Wir kommen nicht drum rum. So, man kann jetzt noch der Meinung sein, nee, der muss jetzt gedemütigt werden oder was auch immer und so.

Aber sein Verweis auf die Prinzipien im Theater of War sind immer dieselben. Egal, ob man mit Panzern über den Kontinent fährt, mit Drohnen über Kanäle fliegt oder sonstiges. Am Ende ist ein Mensch, eine Menschheit im Krieg und dann muss man miteinander reden. Es gibt nur Krieg oder halt reguläre Kommunikation und eins von beiden, es gibt keine dritte Option. So, diese komplette Zero-Putin-Strategie, ja, sowas funktioniert halt nicht.

Und jetzt, vier Jahre später, sind wir immer noch im selben Modus. Aber Mark Milley ist nicht mehr da, sondern Trump macht es jetzt selbst. Aber er ist ja auch ein High-EQ-Präsident, ja? Ist ja, wo ist das Problem? Ja. Sehr gut.

Florentine

In einem Tag hat er den Krieg beendet gehabt.

1:22:57Abschied und Ausblick auf Amodei
Stefan

Beschließen wir damit hier diese düstere Ausarbeitung deiner Textgrundlagen, die man alle jetzt einzeln natürlich in den Shownotes nachlesen kann. Es lohnt sich also in diesem Fall, also in unserem Podcast, auf die kontextfenster.org-Webseite zu gehen, denn dort gibt es alle Texte. Dann Auszüge der zentralen Textgrundlagen-Zitate, die wir hier vorgetragen haben. Und dann nochmal das ganze Transkript, in dem man auch schlagwortmäßig suchen kann. Das ist alles aufbereitet.

Florentine

Ja, machen wir das doch mal.

Stefan

Und dann hören wir uns zur nächsten Folge zu Dario Amodeis. Ich muss schon sagen, leicht verlogen im Text, wie ich vermute. Das wird die These sein, dass er eine Mystifizierung versucht, um eine Marktschließung herzustellen, wo eigentlich Profanisierung angedacht ist und man ernsthaft sagen muss, das werden wir überprüfen, ob nicht dieses Kontrollansinnen, das für ihn als sozusagen Politikwunsch gegenüber Amerika drinsteckt, wobei der amerikanische Präsident schon sagt, wir müssen hier nichts kontrollieren, ich bin noch High IQ und so, und das alles im Wettstreit mit China, ob man nicht sagen muss, in Sachen Kontrolle der Bevölkerung, der Unternehmen und der im Einsatz befindlichen Technologien stellt nun niemand China in den Schatten.

Florentine

Richtig.

Stefan

Ist das nicht vielleicht eine falsche Angst, die da formuliert wird? Ist das nicht vielleicht ein bisschen nicht zu Ende gedacht oder gar verlogen? Das werden wir in der nächsten Folge klären. Bis denn.

Florentine

Bis denn. Mach's gut. Ciao.

Ende des Gesprächs

Folge 6 20. September 2026